Wolkensprache I

Wolkensprache I

Foto: Jürgen Tomisch und Barbara Anna Lutz, 2020, CC-BY-4.0

Der Zyklus Wolkensprache I besteht aus 6 Gemälde-Teilen, die mittels einer Aluminiumrahmung zu einem großen Gemälde zusammengefast sind. Die oberflächlich mit viel weiß geschaffenen Gemäldeteile greifen innere Erlebnisse aus der Kinderzeit auf, die beim Betrachten der dramatischen Ereignisse des Wolkenzuges entstanden, welche sich „aus dem atmosphärischen Zusammenspiel von Wolken und Licht entwickelten. Immer wieder verwandeln die Wolkenbildungen ihre Formen und regen die Phantasie dazu an, alles Mögliche hineinzusehen.“ (Roters, 1983, S. 7, nach: https://manfredhenkel3.blogspot.com/2020
/02/wolkensprache-i-1981-1982-flughafen.html [02.09.2020]).
Der Kunsthistoriker Eberhard Roters beschrieb das Werk 1983 so: „Manfred Henkels Bilder-Zyklus »Wolkensprache I« […] gleicht in seinem Aufbau beinahe einem Altarbild. Es ist auch etwas Ähnliches, nur ist es nicht für einen Kirchenraum geschaffen, sondern es befindet sich im Flughafen Tegel am richtigen Ort. Der Fluggast, der in der Wartezeit vor seinem Abflug noch etwas Muße hat, ist dazu aufgefordert, sich in das Bild zu vertiefen. […] Wer sich lange genug in das Bild vertieft, wird spüren, dass er in eine Geistesstimmung versetzt wird, die ihm den Eindruck des Schwebens vermittelt. So antwortet unser Inneres auf die Ansprache des Bildes.“ (Roters 1983, In: Staatliche Kunsthalle Berlin (Hrsg.), 1985, S. 12-19). (Jürgen Tomisch, Barbara Anna Lutz)

Fakten

Werkdaten

Schaffende/Datierung

Henkel, Manfred (Künstler:in)
1981-1982

Datierungs­hinweise

1982/83 Hängung auf der Empore der sog. Nebelhalle, 2019 Hängung in Terminal E

Objekt­geschichte

„Der Flughafen Tegel mit knapp 6 Millionen Passagieren jährlich wurde 1983-85 zum Ort für ein umfassendes Skulpturen- und Gemäldeprojekt zur Berliner Gegenwartskunst, finanziert aus dem zentralen Fonds »Kunst im Stadtraum«. Als Ergebnis eines offenen Wettbewerbs […] wurden 10 Werke innerhalb und außerhalb des Flughafengebäudes aufgestellt, die einen Querschnitt durch das stilistische Spektrum Berliner Bildhauerei darstellen; hinzu kam der Ankauf von Gemälden und Gouachen in den Innenräumen.“ (Endlich/Wurlitzer, 1990, S. 78-79) Wohl im Rahmen dieser Gemälde-Ankäufe kam auch der 1981-82 entstandene Gemäldezyklus Wolkensprache I zum Tegeler Flughafen. Das innerhalb der „Weißen Bilder“, die Manfred Henkel von 1975-1982 schuf, in der Reihe Wolkensprache entstandene Werk fand seinen Platz im Hauptgebäude, in der sogenannten Nebelhalle „oben auf der Empore“ (vgl. Staatliche Kunsthalle Berlin (Hrsg.), 1985, S. 23-27). Der Künstler sagte 1984 zur Platzierung des Gemäldezyklus‘: „Ich finde es sehr gut, wenn in einem öffentlichen Stadtraum, wie es der Flughafen ist, die Möglichkeit zur Meditation und zur Vertiefung besteht. Man hat auch versucht, mitten in die Stadt Kapellen zu bauen, man hat versucht, andere Ruhezonen des Verweilens zu schaffen, herrliche Anpflanzungen zum Beispiel, und so weiter. Ich finde das sehr, sehr wichtig, daß Kunst im Stadtraum zur Vertiefung anregt.“ (ebenda). Im Zuge der Deutschen Wiedervereinigung begannen 1989 die Planungen für den neuen Großflughafen Berlin Brandenburg, Tegel sollte nicht mehr weiter ausgebaut werden. Als der steigende Flugverkehr und die sich verzögernde Fertigstellung des Großflughafens schließlich doch eine Erweiterung Tegels erforderte, wurde die „Nebelhalle“ im Hauptgebäude durch die Stationierung von Check-in-Schaltern zum Terminal B ausgebaut. „Wolkensprache I“ wurde im Zuge dieser Maßnahmen in den frühen 1990er Jahren gesichert und eingelagert. Erst 2019, als die Abwicklung des Flughafens feststand, wurde das Gemälde – quasi für die Übergabe des Gebäudes – am derzeitigen Standort montiert. Der Gemäldezyklus war im Zusammenhang mit der Einlagerung restauriert worden (Zeitpunkt unbekannt). Der unter Denkmalschutz stehende Passagier-Flughafen Berlin Tegel (Tegel-Süd) „Otto-Lilienthal“ entstand ab 1969-1975 nach Plänen der Hamburger Architekten Meinhard von Gerkan, Volkwin Marg und Klaus Nickels. Der für seine kurzen Wege bekannte Flughafen wurde nach der Eröffnung des neuen Flughafens in Berlin-Schönefeld (BER) Ende Oktober 2020 stillgelegt und soll einer neuen Nutzung zugeführt werden. (Jürgen Tomisch, Barbara Anna Lutz)

Maße

(Gemälde)
Höhe
Breite
(Rahmung)
Dicke
Dicke

3 m
6 m

0.08 m, außen
0.04 m, innen

Verwendete Materialien

Ölfarben (Gemälde), auf Leinwand
Aluminium (Rahmung) (Materialarchiv)

Technik

gemalt (Gemälde), und gerahmt

Inschriften

Signatur (gemalt, Öl auf Leinwand)
im Bild rechts oben
»M. Henkel 81/82«

Zustand

beschmiert (Gemälde, 2020), Graffiti, Kaugummi, Spritzer
rissig (2020), kleinere Risse (besonders in der untern Hälfte)
restauriert (2020), Restaurierung zw. 1990 und 2019 (Zeitpunkt nicht ermittelt)

Vollständigkeit

vollständig


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