Siegessäule

Siegessäule

Die Siegessäule ist eine begehbare Denkmalsanlage. Die Säule aus Oberkirchner Sandstein steht auf einem quadratischen mit roten Granit verkleideten Unterbau, der wiederum auf einer Stufenplattform auf der runden Mittelinsel des großen Sterns steht. Vier rechteckige Bronzereliefs sind in die Seiten des Granitunterbaus eingefügt. Die Säulenbasis wird von einem Säulenrundbau mit Historienfries aus Glasmosaik umgeben. Der aus vier nach oben hin höher und schlanker werdenen Trommeln bestehende Säulenschaft ist mit vergoldeten Geschützrohren geschmückt. An der obersten Trommel befinden sich Lorbeergehänge. Die das Monument bekrönende geflügelte nach Westen gewendete Siegesgöttin Viktoria hält den Lorbeerkranz in ihrer Rechten und das Feldzeichen mit eisernem Kreuz in ihrer Linken. Drake stellte die Siegesgöttin mit dem preußischen Adlerhelm der Borussia dar. Sie wurde in 17 Einzelteilen gegossen (Marc Wellmann, Susanne Kähler, Jörg Kuhn).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Strack, Johann HeinrichArchitekt_In1869-1876
Drake, FriedrichBildhauer_In
Calandrelli, AlexanderBildhauer_In
Relief "Erstürmung der Düppelner Schanzen"
Schulz, MoritzBildhauer_In
Keil, KarlBildhauer_In
Werner, Anton vonKünstler_In
Entwurf des Glasmosaiks 1873
Salviati, AntonioAusführende_R
Mosaikwerkstatt Venedig, Murano (1873-1876)
Wolff, AlbertBildhauer_In
Fa. GladenbeckGießerei
zwei der Sockelreliefs, Viktoria
Königliche Eisengießerei zu BerlinGießerei
Hannoversches Guss- u. Walz-Werk C. Bernstorf und EichwedeGießerei
Guss des Reliefs von Albert Wolff (Sockel-Nordseite)
Puhl und Wagner, Gottfried HeinersdorffAusführende_R
Mosaik von Salviati/Werner 1939 saniert und ergänzt
Datierungshinweise
Einweihung am 02.09.1873, Vollendungseinweihung am 15.04.1876, Wiedereinweihung am neuen Ort am 19.04.1939
Objektgeschichte
Die Siegessäule, deren vergoldete Viktoriafigur auf der Säule im Volksmund liebevoll "Goldelse" genannt wird, erinnert an die so genannten "Reichseinigungskriege", mit denen das Königreich Preussen unter der Führung von Otto von Bismarck die 1871 dann vollzogene "Reichseinigung" erzwang. Die drei Kriege wurden gegen Dänemark (1864), Österreich (1866) und Frankreich (1870-1871) geführt. Sie waren für Preussen nach der damaligen Diktion "siegreich". Die Planung zum Siegesdenkmal begann mit Erlass durch König Wilhelm I. von Preussen im Dezember 1864. Zunächst war ein Denkmal aus den Trophäen des dänischen Krieges von 1864 vorgesehen, wurde aber schließlich zum Siegerdenkmal der rasch aufeinander folgenden Kriege umgestaltet und erweitert. Friedrich August Stüler, Johann Friedrich Drake und Johann Heinrich Strack reichten Entwürfe für die Säule ein. Strack wurde mit der weiteren Planung betraut. 1869 erhielt Drake den Auftrag für die Viktoria. 1872 war das Gipsmodell zur Siegesgöttin vollendet und wurde bei Hermann Gladenbeck 1873 gegossen. Vier längsrechteckige Bronzereliefs wurden in den Granitsockel eingelassen, darunter das Relief mit dem Feldzug gegen Dänemark und Erstürmung der Düppelner Schanzen 1864 (Bildhauer Alexander Calandrelli), Die Schlacht von Königgrätz 1866 (Moritz Schulz), Schlacht von Sedan und Einzug in Paris 1870/71 (Karl Keil) und Einzug des deutschen Heeres in Berlin am 16. Juni 1871 (Albert Wolff). Der Historienmaler Anton von Werner schuf 1872-1873 den Karton für die Kolonnadenrotunde auf der Grundlage der von ihm geschaffenen Velogemälde, die am 16. Juni 1871 die Triumphstrecke des einziehenden Heeres in Berlin geschmückt hatten. Die Ausführung übernahm die renommierte Mosaikwerkstatt von Antonio Salviati in Murano/Venedig. Die Siegessäule wurde am 2. September 1873 enthüllt und stand ursprünglich auf dem Königsplatz (heute Platz der Republik). Vereinzelte Attentatsversuche blieben für das Monument weitgehend folgenlos. 1938-1939 wurde die Siegessäule auf den Großen Stern im Großen Tiergarten umgesetzt und unter Leitung von Generalbauinspektor Albert Speer durch die Einfügung einer weiteren Trommel im unteren Schaftbereich auch baulich verändert. Somit wurde die Siegessäule auf fast 67 Meter erhöht. Die notwendige Abnahme und Neuanbringung des großen Mosaikbildes in der Kolonnadenrotunde übernahm 1939 die Mosaikwerkstatt von August Wagner (ehem. Puhl & Wagner (Rixdorf bei Berlin), Puhl, Wagner und Heinersdorff, Berlin-Neukölln). Auch der Sockel wurde verbreitert. Die Wiedereinweihung erfolgte am 19. April 1939. Nach 1945 sollte die Siegessäule auf Weisung der Alliierten gesprengt werden. Die Zerstörung unterblieb, jedoch wurden die vier Sockelreliefs demontiert, da sie für die betroffenen Länder (Frankreich, Dänemark, Österreich) als verunglimpfend empfunden wurden. 1950 wurde die Siegessäule zum erhaltenswerten Denkmal im Sinne der Denkmalpflege deklariert. 1951 erfolgten erste fachgerechte Wiederherstellungsmaßnahmen. 1954 kam es zur ersten Neuvergoldung der Viktoria. 1976-1983 erfolgte die Beseitigung der Kriegsschäden und eine erneute Vergoldung der Viktoria. Dabei kam es auch zum Austausch von stark beschädigten Umgangssäulen (Fragmente der alten Säulenschäfte wurden im Park abgelegt). Eine der Originalkanonen gelangte in die Zitadelle Spandau. Diese und zwei weitere wurden durch Kupferblechattrappen ersetzt. 1987 erfolgte die Rückgabe des letzten nach dem Zweiten Weltkrieg demontierten Sockelreliefs durch den französischen Staatspräsidenten François Mitterand an Oberbürgermeister Eberhard Diepgen. 1988 Wiederanbringung der vier Sockelreliefs (die Granittafeln der Zwischenlösung sind im Zugangstunnel zur Siegessäule an den Wänden angebracht). 1990 Vergoldung des Geländers der Plattform. 1991 Reparaturarbeiten nach einem Sprengstoffanschlag. 1999-2014 an eine private Gesellschaft verpachtet. Im Sockelinneren eine Ausstellung über die Hintergründe der Entstehung der Siegessäule, zur Geschichte der Siegessäule und Darstellung von anderen deutschen und ausländischen Nationaldenkmälern (Lenin-Mausoleum in Moskau, Schiefer Turm von Pisa, Eiffelturm, Dom des Invalides, Nôtre Dame in Paris, Kathedrale in Reims, Big Ben in London, Monumento Vittorio Emmanuele in Rom, Freiheitsstatue New York usw. ) (Marc Wellmann, Jörg Kuhn).
Maße
gesamtHöhe67 m
SockelLänge25.3 m
SockelBreite25.3 m
SäulenhalleDurchmesser15.7 m
ViktoriaHöhe8.32 m
ViktoriaGewicht
n. and. Ang. 40 Tonnen
35 Tonnen
Füße der ViktoriaSchuhgröße0.92 m
Verwendete Materialien
gesamtGranit, schlesischer und schwedischer
SäuleSandstein, Oberkirchner
SockelGranit, Virbo
Boden SäuleGranit, Fichtelgebirge
RingkolonnadeGranit, verschiedene
KassettendeckeGranit, Schlesien
InnenverkleidungMarmor, Carrara
ReliefsBronze
KanonenBronze, zwei nach 1976 in Kupferblech ersetzt
WandmosaikMosaik, ca. 50.000 Steinchen auf ca. 8000 qm
VergoldungBlattgold, auf Ölgrund
Technik
gesamtgemauert
Viktoriagegossen
vergoldet, Blattgold auf Ölgrund
montiert
Mosaikgesetzt
Eisengeschmiedet
gegossen
Kupfergetrieben, zwei Kanonenattrappen
Granitpoliert
Inschriften
Inschrift (gegossen, appliziert)
am Objekt
DAS DANKBARE VATERLAND DEM SIEGREICHEN HEERE
Bezeichnung (gegossen)
Relief auf der Nordseite des Sockels "Einzug des Heeres in der Hauptstadt"
ALBERT WOLFF. FEC.1872. / HANNOVERSCHES GUSS u. WALZ-WERK. / C. BERNSTOFF u. EICHWEDE FU
Bezeichnung (gegossen)
Relief auf der Westseite des Sockels: "Auszug zum dänischen Feldzug und Sturm auf die Düppeler Schanzen" (Alexander Calandrelli)
A. CALANDRELLI FEC. 1872
Bezeichnung (gegossen)
Relief: Schlacht von Königgrätz und Begebenheiten des Deutschen Kriegs (Moritz Schulz)
M. Schulz
Bezeichnung (gegossen)
Relief am Sockel: Schlacht von Sedan und Einzug in Paris (Karl Keil)
K. Keil
Bezeichnung (Mosaik)
auf dem Mosaik in der Kolonnadenrotunde, rechts der Tür
A. v. WERNER / 1873
Bezeichnung (in rötlichen Glasmosaiksteinen eingelegt)
auf dem Mosaik in der Kolonnadenrotunde, links der Türe
AUSGEFÜHRT / 1873 / SALVIATI-VENEDIG / WIEDERHERGESTELLT / 1939 / AUGUST WAGNER / BERLIN
Inschrift (gegossen)
auf dem Relief mit der Darstellung des Feldzuges gegen Dänemark, oben links
Allgemeine Beilage / am 27then Juni 1866 / und am 27then Juli 1870
ZustandZeitpunkt
gesamtgut, Kriegsschäden und ältere und neuere Anschlagsschäden weitgehend behoben2003
Mosaikbeschädigt2003
Vollständigkeit
unvollständigReliefs fragmentiert; zahlreiche Einschusslöcher

  Nachweise

  • Endlich, Stefanie: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin, 1990, S. 171.
  • Essers, Volkmar: Johann Friedrich Drake 1805-1882, München, 1976, S. 119ff.. Werkverzeichnis Nr. 110
  • Wirth, Irmgard: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Bezirk Tiergarten, Berlin, 1955, S. 203-205.
  • Bloch, Peter: Die Berliner Bildhauerschule im neunzehnten Jahrhundert : das klassische Berlin, Berlin, 1994, S. 167. Tafel 266-268
  • Badstübner-Gröger, Sibylle: Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Berlin, München, 2000, S. 450-451.
  • Reclams Kunstführer Berlin, Stuttgart, 1991, S. 329.
  • Alings, Reinhard: Die Berliner Siegessäule : vom Geschichtsbild zum Bild der Geschichte, Berlin, 2000. mit zahlreicher älterer Literatur
  • Scharf, Helmut: Kleine Kunstgeschichte des deutschen Denkmals, Darmstadt, 1984, S. 199-201. Tafel 147
  • Berger, Ursel: Enthüllt: Berlin und seine Denkmäler: Zitadelle, Berlin, 2017, S. 48-51. Bd. II (Aufsätze)
  • Markschies, Alexander: Die Siegessäule, Großer Stern : Berlin-Tiergarten, Großer Stern, Berlin, 2001.
  • Braun, Matthias: Die Siegessäule, Berlin, 2000.
  • Werner, Anton von: Anton von Werner : Geschichte in Bildern, München, 1993, S. 318-331.
  • Simson, Jutta von: Der Bildhauer Albert Wolff : 1814 - 1892, Berlin, 1982, S. 224-225. Abb. 133-135
  • Schroeder, Johannes H.: Naturwerksteine in Architektur und Baugeschichte von Berlin. Gesteinskundlicher Stadtbummel zwischen Alexanderplatz und Großem Stern., Berlin, 2006, S. 220-224.

Ihre Information ist gefragt