Jakobsbrunnen

Jakobsbrunnen

Jacobsbrunnen

In der nördlich des Schlösschens in mittlerer Achsposition sich ausbreitenden, sanft gewellten Wiese („Große Sicht“) steht vor einer Gehölzgruppe (ehemals Teil der inseleigenen Baumschule, 1816 von J. P. Lenné aufgelöst) eine künstliche Ruinenarchitektur, der sogenannte „Jakobsbrunnen“. Über dem Brunnenschacht ist aus Sandstein die Ecke einer Tempelrückwand mit Giebel- und Gebälkfragment errichtet. Vorbild dazu sind die Reste der Cella des Serapistempels am Westhang des Quirinal in Rom. Dem Betrachter bietet sich, wenn dieser vom Insel-Schlösschen kommt, eine scheinbar tief in den Erdboden hinein versunkene Tempelfassade aus gelblichem und hellgrauen Sandstein. Der linke Teil mit Eckpilaster, korinthisierendem Kapitell, reich mit Ornamentfriesen verziertem Gebälk und mächtigem Giebelrest ist gleichsam gegen den sich rechts anschließenden vorspringenden Gebäudeteil gelehnt. Hier hat der entwerfende Künstler einen im vorbildlichen Stich dargestellten nachantiken Treppenturm des Palazzo Colonna als Teil der antiken Rückfassade des Serapistempels missverstanden. Der bei der antikisierenden Fassade zu findende Zahlschnittfries ist bei dem rechten Teil extrem vergröbert anzutreffen. Während sich die westliche Fassade dem linken südlichen Fassadenbereich formal anschließt, ist der östliche Seitenteil des kleinen Ruinenbauwerks so gestaltet, dass mit monolithen Kalksteinplatten eine Art Brunnenstube errichtet ist und davor, folgerichtig, auch ein mächtiger rechteckiger Brunnentrog aus vier zusammengestellten rechteckigen Steinplatten gebildet, steht. Ein Eisenschloss auf der westlichen Seite des Gebäudes gehört vermutlich zum Brunnenbetrieb (Jörg Kuhn).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Brendel, Johann Gottlieb DavidArchitektIn1795
Trippel, Ludwig DavidSteinmetz
Ausführung
AngermannSteinmetz
Ausführung
Objektgeschichte
Der „Jakobsbrunnen“ auf der Pfaueninsel entstand, vermutlich auf Anregung der am 28.4.1796 mit einem auf 1794 zurückdatierten Adelsdiplom zur Gräfin Lichtenau erhobenen Wilhelmine Ritz, geb. Encke – der langjährigen Mätresse und späteren Seelenfreundin des Königs - oder des Königs Friedrich Wilhelm II. selbst, nach einem Entwurf des Hofzimmermeisters Johann Gottlob David Brendel um 1795. Der Entwurf zu diesem Kleinbauwerk verarbeitet Stichvorlagen mit Darstellungen zahlreicher antiker und nachantiker Bauwerke in Rom zu einem malerischen Brunnengebäude mit wirkungsvollem Kulissencharakter. Der Name spielt auf die in der Bibel im Alten Testament festgehaltene Geschichte des Jakob an (1. Buch Moses „Genesis“, 27-35). Jakob ist der Sohn des Isaak und der Rebekka, wohnhaft in Beersaba. Jakob ist der Bruder des Erstgeborenen des Isaak, Esau. Da Jakob Esau um sein Erstgeborenrecht und des Vaters Segen mit List gebracht hatte, wollte Esau ihn töten. Rebekka riet ihrem Sohn Jakob daher, zu ihrem Bruder Laban nach Charan zu fliehen. Jakob reiste nach Charan ab und hatte in der Nacht den Traum von der Himmelsleiter (1. Buch Moses „Genesis“, Kap. 28, Vers 10-19). Am nächsten Tag reiste er weiter in „das Land der Söhne des Ostens“. „Da sah er einen Brunnen auf dem Felde, um den drei Kleinviehherden lagerten; an diesem Brunnen tränkte man die Herden. Ein großer Stein aber bedeckte die Öffnung des Brunnens. Dorthin wurden alle Herden zusammengetrieben. Man wälzte den Stein von der Öffnung des Brunnens und tränkte das Kleinvieh. Dann brachte man den Stein wieder auf die Öffnung des Brunnens an seinen Platz zurück. Jakob sprach zu den Hirten: Meine Brüder, woher seid ihr? Sie antworteten: Von Charan. Er fragte sie weiter: Kennt ihr Laban, den Sohn Nachors? Sie antworteten: Ja!“ usw. (1. Buch Moses „Genesis“, Kap. 29) (Jörg Kuhn).
Verwendete Materialien
Sandstein
Naturstein
Eisen
Zinkblech
Technik
Zierplastikgemeißelt
behauen
gemauert
Eisengeschmiedet
Zinkblechgewalzt
geschnitten
zusammen gefügt
ZustandZeitpunkt
stillgelegt2005
verwittert, teilweise stark2005
biogener Bewuchs2005
Schloßverrostet2005
Troguntergraben2005
Vollständigkeit
unvollständigWasserauslauf fehlt

  Nachweise

  • Plessen, Marie-Louise von: Berlin durch die Blume oder Kraut und Rüben : Gartenkunst in Berlin-Brandenburg, Berlin, 1985, S. 110-125.
  • Curth, Roland; Bilang, Karla: Geschichtslandschaft Berlin - Orte und Ereignisse, Bd. 4. Zehlendorf, Berlin, 1992, S. 478-494. (zur Geschichte)
  • Seiler, Michael: Die Pfaueninsel, Potsdam, 2000, S. 6-10, 53, 58. Abb. 5 und Abb. 22
  • Seiler, Michael: Landschaftsgarten Pfaueninsel : Geschichte seiner Gestaltung und Erhaltung von 1793 bis 1993, Kromsdorf, 2019.
  • Lesser, Katrin: Gartendenkmale in Berlin, Parkanlagen und Stadtplätze , 2013, S. 384.
  • Reclams Kunstführer Berlin, Stuttgart, 1991, S. 346.

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