Gesundheitshaus Pankow

Gebäude mit baugebundener Kunst

Gesundheitshaus Pankow

Foto: Pauline Ahrens, 2023, CC-BY-4.0

Baugebundene Kunst (2)

Das Gesundheitshaus in Pankow erstreckt sich über die Grunowstraße 8-11 und ist Im Stil des Spätexpressionismus gebaut. Das langgestreckte Gebäude aus rotem Klinkerverblendbau ist in einen Mittelrisalit mit einem Durchfahrtstor und zwei Seitenrisalite gegliedert und erstreckt sich über drei Geschosse. An einigen Stellen ist die Fassade kunstvoll gemauert, sodass ein schmückendes Ornament aus Klinker gebildet wird. Im unteren Geschoss wird die Fassade von Rundbogenfenstern dominiert und im oberen Teil von einem Gurtgesims begrenzt. Die Seitenrisalite werden durch einen Attikaaufsatz erhöht und über dem Mittelrisaliten befindet sich ein Balkongitter aus Eisen. Im Mittelrisalit befinden sich zudem in einer fast quadratischen Blende zwei Fensterreihen, bestehend aus jeweils fünf hochformatigen Kastenfenstern. Inmitten der Fensterreihen ist ein Zickzackfries an der Fassade, welches durch Agaven ergänzt wird.
Über den Türen recht und links neben dem Durchgang im Mittelrisaliten sind sehr spitz zulaufende Dreiecksgiebel mit Dekorbekrönung angebracht. Sowohl am Mittel- als auch an den Seitenrisaliten stehen dreieckig und spitz vorstehende Halbpfeiler aus der Fassade hervor. Die spitzen Pfeiler der Seitenrisalite tragen zusätzlich Bauplastik in Form von figürlichen Pfeilerstatuen, die auf einem doppelreihigen und geschwungenen Sockel stehen. Auf jedem Seitenrisalit stehen drei Statuen, die Allegorien darstellen. Die beiden äußersten Pfeiler tragen jeweils Vasen mit stilisierten Agaven oder Pinienzapfen. Zwischen den Pfeilerfiguren und über den Fenstern befinden sich schmückende Stirnziegel.
An der Fassade zum Innenhof des Gesundheitshauses ist zusätzlich eine Eckfigur in Form eines Kinds mit Füllhorn als Bauplastik zu sehen. (Pauline Ahrens)
(vgl. Wörner et al. 2001, S. 310f; Gesundheitshaus Pankow 2012, S. 13ff. )

Fakten

Werkdaten

Schaffende/Datierung

Franzen, Eilert (Architekt:in)
1926-1928, Carl Schmidt (Baufirma); Gemeinde Pankow (Bauherr)

Objekt­geschichte

Das Gesundheitshaus Pankow befindet sich seit 1928 an der Grunowstraße 8-11. Die angrenzenden Wohn- und Geschäftshäuser, sowie die gegenüberliegende Elizabeth-Shaw-Grundschule wurden knapp 10 Jahre vor dem Gesundheitshaus zwischen 1903-1907 errichtet. Auf dem heutigen Gelände des Gesundheitshauses befand sich ehemals noch ein Tennisplatz. Gebaut wurde es zwischen 1926-1928 nach einem Entwurf von Magistratsrat Eilert Franzen und von Carl Schmidt als Architekten in der Ausführung. In Auftrag gegeben wurde es von der Gemeinde Pankow unter Leitung des damaligen Bürgermeisters Franz Meißner mit dem Ziel, die stark verstreuten und teils prekär ausgestatteten medizinischen Abteilungen und Einrichtungen an einem Ort zu zentrieren. Ein weiterer Grund für den Bau war der starke Bevölkerungszuwachs Berlins und des Bezirk Pankow, da dadurch die räumliche Kapazität der bereits bestehenden medizinischen Einrichtungen immer mehr begrenzt war. Der daher dringende Bedarf eines Gesundheitshauses wurde schließlich am 07. Mai 1924 in der Pankower Gesundheitsverwaltung gefordert und der Bau kurz darauf durch das Bezirksgesundheitsamt Pankow, dem Hochbauamt, dem Hauptgesundheitsamt der Stadt Berlin und der Zentralen Hochbauverwaltung begründet und in die Gänge geleitet. Die Grundsteinlegung erfolgte im November 1926. Die Bauarbeiten erwiesen sich durch die Bodenbedingungen des gewählten Grundstücks als sehr schwer und kostspielig, sodass der Bau letztendlich rund 858.000 Reichsmark kostete. Letzte kurzfristige Änderungen am Bau und in der Raumkonzeption ließen den ursprünglich im Frühjahr 1928 angesetzten Zeitraum für die Eröffnung später ins Jahr verschieben. So wurden zusätzlich im Dachgeschoss ein Vortrags- und Ausstellungssaal und im ersten Geschoss Räumlichkeiten für das Schulamt eingerichtet. Fertiggestellt wurde das Gesundheitshaus schließlich im September 1928. Offiziell eröffnet werden sollte es am 14.12.1928. Dafür lud das Bezirksamt zahlreiche Vertreter:innen des Berliner Magistrats, weiterer Berliner Bezirke, sowie den Bürgermeister, aber auch etliche Medienvertreter:innen aus Deutschland und sogar anderen Ländern, wie Amerika ein und erstellte ein umfangreiches Programm für die Einweihung. Das Gesundheitsamt bzw. dessen Bau galt damals als Vorzeigebau und musterhaft. Seit der Eröffnung des Hauses bis 1935 befand sich im Erdgeschoss des Gebäudes eine Rettungsstelle; diese wurde nach 1935 dem Rettungsamt angegliedert. Mit Ergreifung der Macht durch die Nationalsozialsten 1939 wurden für einige Räume des Gesundheitshauses Umnutzungen angeordnet. So wurden in allen Gesundheitsämtern Deutschlands sogenannte “Beratungsstellen für Erb- und Rassenpflege” eingerichtet - im Pankower Gesundheitshaus zog diese an die Stelle der Rettungsstelle im Erdgeschoss ein. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Kellerräume des Hauses, wie es bei vielen anderen Häusern in Berlin üblich war, als Luftschutzbunker nachgerüstet und als diese genutzt. Zusätzlich wurden im damaligen Vortrags- und Ausstellungssaal und später auch in weiteren Räumen Kriegsdienststellen eingerichtet und das Erdgeschoss fortan als Luftschutzettungsstelle genutzt. Zudem war die Verwaltung des Landesinstitutes für Gerichtsärztliche Medizin in Moabit nach Luftangriffen 1943 vorübergehend im Gesundheitshaus Pankow untergebracht. Das Gebäude des Gesundheitshauses blieb vom Krieg nicht verschont. So hatte es durch Artillerietreffer mehrere Schäden davon getragen. Die geklinkerten Pfeiler des Hoftors wurden stark beschädigt, nachdem ein Panzer versuchte dieses zu durchfahren. Diese Schäden waren bis in die 1980er Jahre hinein sichtbar und wurden später durch nachgebrannte Klinker repariert. Schäden durch den Beschuss wurden sogar recht schnell (noch 1945) beseitigt und ausgebessert. In den 1950er bis 1980er Jahren - Pankow war bereits Teil der neu gegründeten DDR - gab es einige bauliche Änderungen in der Raumnutzung des Gesundheitshauses. Der ehemalige Vortragssaal und der heutige Konferenzraum in der 3. Etage wurden in dieser Zeit als Kultur-, Freizeit- und Diensträume für verschiedene Zwecke und unter anderem auch als Kantine genutzt. In den 90er Jahren bis in die 2000er hinein gab es weitere Umnutzen und anpassende bauliche Maßnahmen, sowie etliche Sanierungsarbeiten zur Instandsetzung des Gebäudes (Pauline Ahrens). (vgl. Gesundheitshaus Pankow 2012, S. 4ff.)

Verwendete Materialien

Klinker (Materialarchiv)

Vollständigkeit

vollständig


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