Gedenkstein für die Synagoge Hohenschönhausen

Gedenkstein für die Synagoge Hohenschönhausen

Foto: Dorote Josaf, 2021, CC-BY-4.0

Unscheinbar, auf einer Grünfläche des Grundstücks Konrad-Wolf-Str. 91/92, steht der Gedenkstein für die Synagoge Hohenschönhausen aus dem Jahr 2000 zwischen einem Bürogebäude (KSA) und einem Sanitärhaus (Seeger). Der kleine Gedenkort, dessen Errichtung von einer Bürgerinitiative in die Wege geleitet wurde, ist auch von der stark befahrenen Straße aus gut sichtbar.
Der Gedenkstein besteht aus einem asymmetrischen Findling mit einer Höhe von 1,3m, Breite von 1,4m und Tiefe von 0,95m. Bei dem Material handelt es sich vermutlich um Grafit. In den Stein eingelassen befindet sich eine Gusseiserne Gedenktafel im Hochformat. Sie ist nicht zentral platziert. Ein Drittel der Front auf der rechten Seite wurde freigelassen, sodass die Tafel sich auf der linken Hälfte des Steins befindet. Die Maße der gegossenen Metalltafel aus Eisen betragen 63cm x 48cm, der etwa 1cm breite Rand ist 2cm erhaben. Die ebenfalls erhabene Inschrift lautet: „Hier befand sich von / 1935 bis 1938 / die Synagoge der / Jüdischen Gemeinschaft / Hohenschönhausen“. Der historische Ort befand sich nicht an der exakten Stelle des Gedenksteins, sondern weiter hinten in der heutigen Grünanlage (Dorote Josaf).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Steinmetzbetrieb KagererSteinmetz_In2000
BürgerinitiativeBeteiligte_r
Objektgeschichte
Der Gedenkstein an der Konrad-Wolf-Str. 91/92 erinnert an eine kleine Synagoge im heutigen Berliner Stadtteil Alt-Hohenschönhausen, damals Weißensee. Damals lautete die Adresse Berliner Straße 91. Der Gedenkstein liegt zwar nah an der Straße, jedoch war historische Ort weiter hinten gelegen, recht versteckt hinter einer Tischlerei und befand sich im Obergeschoss eines als „barackenähnlich“ beschriebenen Hauses (vgl. Friedrich, S.11). Zunächst als Gebetsraum für die kleine 1931 gegründete jüdische Gemeinde angelegt, fand dort der erste dokumentierte Gottesdienst im Jahr 1933 statt (vgl. ebd., S.10). Im Sommer 1935 erfolgte die Weihung als Synagoge (vgl. ebd., S.11). Das Gotteshaus bestand nur wenige Jahre und wurde in Folge der Reichspogromnacht im November 1938 geschlossen. „Ihre Mitglieder fanden – wie nahezu die gesamte jüdische Einwohnerschaft Hohenschönhausens – in den Vernichtungslagern den Tod“, beschrieb Thomas Friedrich in seiner Publikation aus dem Jahr 2000 (Friedrich, S.5). Der Ort geriet bis in die neunziger Jahre in Vergessenheit. Im Jahr 1996 fand die Synagoge Erwähnung in der vom Heimatmuseum initiierten Ausstellung „Juden in Weißensee und Hohenschönhausen“ (vgl. ebd.). Die alten Gebäude an der Konrad-Wolf-Straße wichen Ende der 1990er Jahre einem Neubau (vgl. Endlich, S.160), das Gelände wurde vom Kommunalen Schadenausgleich (KSA) aufgekauft. Über den Gedenkstein schrieb Stefanie Endlich im Jahr 2007, er sei „einer Initiative von Bürgern, Bezirksamt und Heimatmuseum zu verdanken“ (ebd.). Der KSA begünstigte die Aufstellung und beteiligte sich finanziell. Die Finanzierung des Findlings übernahm der Bezirk, für die Gedenktafel wurden private und gewerbliche Spenden gesammelt. Am 19.April 2000 wurde der Gedenkstein in Beisein des damaligen Bürgermeisters Lichtenbergs, Wolfram Friedersdorff, enthüllt (vgl. Müller). In der Nacht zum 17.05.2021 wurde der Gedenkstein durch einen Farbanschlag von Unbekannten schwer beschädigt, vermutlich als antisemitische Reaktion auf den Nahostkonflikt. Der Staatsschutz ermittelte (vgl. Fröhlich; Klages). Die grüne Farbe konnte größtenteils entfernt werden und eine erneute Weihung fand am 20.05.2021 statt (vgl. Bezirksamt Lichtenberg von Berlin). (Dorote Josaf)
Maße
FindlingHöhe1.3 m
Breite1.4 m
Tiefe0.95 m
PlatteHöhe0.63 m
Breite0.48 m
Tiefe0.02 m
Verwendete Materialien
FindlingNaturstein
PlatteEisen, Technik gegossen
Technik
Findlingbehauen, naturbelassen; teilweise behauen
Plattegegossen
eingelassen, in den Findling
montiert
Inschriften
Tafel (gegossen. erhabene Lettern)
Front
Hier befand sich von / 1935 bis 1938 / die Synagoge der / Jüdischen Gemeinschaft / Hohenschönhausen
ZustandZeitpunkt
FIndlingsehr gut2021
Tafelgut2021
verkalkt, unterhalb der Tafel2021
zerkratzt, leichte Kratzspuren2021
gesamtrestauriert, Beschmierungen wurden entfernt (leichte Rückstände erkennbar)2021
Vollständigkeit
vollständig

  Nachweise

  • Geschändeter Gedenkstein für Synagoge wieder eingeweiht [Pressemitteilung], Berlin, 2021. Pressemitteilung; https://www.berlin.de/ba-lichtenberg/aktuelles/pressemitteilungen/2021/pressemitteilung.1087163.php
  • Endlich, Stefanie: Wege zur Erinnerung, Gedenkstätten und -orte für die Opfer des Nationalsozialismus, Berlin, 2007, S. 160-161.
  • Friedrich, Thomas: Die Synagoge der Jüdischen Gemeinschaft Hohenschönhausen in Berlin, Berlin, 2000.
  • Geisel nimmt Stellung zu Ausschreitungen bei Demos – Farbanschlag auf Gedenktafel [Erschienen auf Tagesspiegel.de, 17.05.2021], Berlin, 2021. https://www.tagesspiegel.de/berlin/antisemitismus-in-berlin-geisel-nimmt-stellung-zu-ausschreitungen-bei-demos-farbanschlag-auf-gedenktafel/27196814.html
  • Erinnerung in Stein – Wie eine Synagoge aus der Konrad-Wolf-Straße verschwand [Erschienen auf Berliner-Woche.de, 09.11.2018], Berlin, 2018. https://www.berliner-woche.de/alt-hohenschoenhausen/c-kultur/wie-eine-synagoge-aus-der-konrad-wolf-strasse-verschwand_a187927

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