Die Kirche erklärt dem Menschen die Gründe für ihre Hoffnung

Die Kirche erklärt dem Menschen die Gründe für ihre Hoffnung

Foto: Susanne Kähler, 2012, CC-BY-4.0

Auf einer von den Rändern nach innen leicht ansteigenden, flachen Plattform mit dunkelgrauem Steinbelag (Schiefer, Kunststein?) ruht über rechteckigem Grundriss die aus Bronze gearbeitete Plastik. Auf rechteckiger, gelöteter und getriebener Bronzefläche stehen zwei vollplastisch gegossene Figuren, links eine Frau, rechts ein Mann. Die Figuren sind eindeutig humanoid ausgebildet, zeigen aber eine glättende Abstraktion der Einzelformen. Die weibliche Figur ist in ein wehendes Gewand gekleidet, die Füße sind unbekleidet. Die männliche Figur erscheint unbekleidet, wobei das Geschlecht nicht naturalistisch ausgebildet ist. Beide Figuren zeigen eine deutliche Ponderation mit Stand- und Spielbein, wobei bei der weiblichen Figur der rechte, bei der männlichen Figur der linke Fuß auf den Zehenballen aufruhend zur Seite gesetzt wird. Ein gerader Zweig oder Schilfrohr mit Blattwerk ruht mit dem unteren Ende in der Armbeuge der weiblichen Figur und ist dann, schräg ansteigend hochgeführt. Der obere Bereich ruht auf den Armen des Mannes auf, die dieser über seinem Kopf erhoben wie sich beschützend zusammen gelegt hat. Auf dem Zweig oder Rohr sitzen zwei Vögel, „ein dem Evangelium entnommenes Symbol für die Vorsehung des himmlischen Vaters: ‚Verkauft man nicht zwei Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters … Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen‘ (Matthäus 10,29; 31)“ (zitiert nach: Lajolo, 2000, S. 72). Hinter dem Paar sitzt auf einer kleinen Pyramide aus gelöteter und getriebener Bronze eine große Raute mit ihrer unteren Spitze auf. Dieser großflächige, rautenförmige Körper wirkt wie eine Art Segel, das die Figuren hinterfängt. Die den Figuren zugewandte Seite zeigt die Aufgliederung der Fläche in die einzelnen rechteckigen und dreieckigen Bronzeblechfelder, aus denen der Körper gebildet wird. Die von den Figuren abgewandte Seite des Rautenkörpers enthält, gegossen und getrieben, verschiedene figürliche Szenen in Reliefgestalt. Das Zentrum bildet das rechteckig konturierte „Turiner Grabtuch“ mit dem Antlitz eines Mannes, der gemeinhin als Christus gedeutet wird. Umlaufend ist eine Inschrift in lateinischer Sprache eingetieft. Um dieses Zentrum herum sind die anderen Szenen gruppiert. Eine Szene zeigt Christus mit seinen Jüngern auf einem Kornfeld. Er verteidigt sie gegen die Anklage der Pharisäer, sie hätten den Sabbat gebrochen, weil sie Ähren abgerissen und deren Körner gegessen hatten, und er erklärt: „Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat“ (nach Markus, 2,27). Eine weitere Szene zeigt die Kreuzigung Christi: „So sehr hat Gott den Menschen geliebt, … (vgl. Johannes 3,16). Eine andere Szene im linken Bereich der Raute zeigt das Gastmahl in Emmaus. Die Jünger erkennen an der (eucharistischen) Geste des Brotbrechens den von den Toten auferstandenen Christus (Lukas 24,13-35). In Anlehnung an die traditionelle Ikonographie ist auch die Himmelfahrt Mariä als Szene formuliert. Alle diese Szenen mit Staffagefiguren ausgestattet, die „das Volk“ zeigen, den „Chor der kleinen Leute“. Die „Volksmenge“ ist aber keine anonyme Masse, sondern die Figuren zeigen individualisierte Gesichtszüge – ohne bestimmte Personen zu meinen (Jörg Kuhn).

Fakten

Werkdaten

Schaffende/Datierung

Bonanotte, Cecco (Künstler:in)
2000

Datierungs­hinweise

in Berlin seit 2001

Objekt­geschichte

Die Plastik entstand im Auftrag des Vatikans für den Pavillon der Heiligen Stuhls auf der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover und war im Garten des Pavillons am Heiligen See aufgestellt. Das zentrale Motiv der Rückseite: der Kopf des Turiner Grabtuches, fungierte quasi als „Logo“ des Pavillons des Heiligen Stuhls. 2001 wurde die Bronzegruppe an ihren heutigen Standort im Garten der Apostolischen (Päpstlichen) Nuntiatur Berlin aufgestellt. Die Apostolische (Päpstliche) Nuntiatur Berlin ist nach einem Entwurf von Dieter Georg Baumewerd zwischen August 1999 und April 2001 auf einem Anfang 1998 von der Diözese Berlin der Nuntiatur zur Verfügung gestellten Grundstück neben der St. Johannes-Basilika (1894-97, von August Menken entworfen) errichtet worden. Cecco Bonanotte war, neben anderen Künstlern, auch an der Schaffung der künstlerischen Innenausstattung beteiligt (Jörg Kuhn).

Verwendete Materialien

Bronze (Materialarchiv)

Zustand

gut (2012)

Vollständigkeit

vollständig


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