Fassadengestaltung (Hauptfassade)

Baugebundene Kunst

Fassadengestaltung (Hauptfassade)

Foto: Thomas Rosenthal, 2023, CC-BY-NC-SA-4.0

Weitere baugebundene Kunst (4)

Gebäude der baugebundenen Kunst

Rathaus Charlottenburg

Gebäude der baugebundenen Kunst

Der Eingang zum Rathaus Charlottenburg befindet sich in dem vorspringenden Risalit unterhalb des Rathausturms. Über einige Stufen gelangt man zu dem großen Rundbogenportal. In Höhe der ehemaligen Oberbürgermeister-Loggia stehen zwei überlebensgroße Statuen: links eine weibliche Statue, die ein aufgeschlagenes Gesetzbuch auf dem angewinkelten Knie stützt und in der linken Hand ein Schwert hält. Zu ihren Füßen sind zwei ineinander verschlungene Schlangen zu erkennen, die den Kampf von Gut und Böse versinnbildlichen. Die rechte Figur mit von einer Kapuze bedecktem Haupt hat ihren Blick in ein Buch vertieft, das sie im linken Arm hält. Zu ihren Füßen hockt eine Eule als Symbol der Klugheit und Weisheit.

Der Risalit endet in einem giebelförmigen Abschluss, der ein großes Relief mit den Darstellungen des Stadtwappens der Stadt Charlottenburg, der Pallas Athene, einem Gebäuderelief und Symbolen des preußischen Königshauses trägt.

Die großen Rundbogenfester der seitlichen Flügel enden in Schlusssteinen in Form von männlichen und weiblichen Kopfdarstellungen mit begleitenden Tiersymbolen.

Oberhalb der Pfeilervorlagen des vierten und fünften Geschosses stehen auf mit Masken verzierten Konsolen zehn überlebensgroße Statuen in flachen Nischen (Nicola Vösgen).

Fakten

Werkdaten

Schaffende/Datierung

Drischler, Josef (Bildhauer:in)
1903-1905, Attikafiguren Handwerk und Handel

Götz, Johannes (Bildhauer:in)
1915-1916, Attikafiguren Kunst und Wissenschaft

Günther-Gera, Heinrich (Bildhauer:in)
Attikafiguren Ackerbau und Industrie

Haverkamp, Wilhelm (Bildhauer:in)
Attikafiguren Verwaltung und Geistlichkeit/Religion

Vogel, August (Bildhauer:in)
Portalfiguren Weisheit und Gerechtigkeit; Attikafiguren Jugendfürsorge und Heilkunst, vermutlich der östliche Schlussstein

Westphal, Ernst (Bildhauer:in)
Wappenrelief, Schlusssteine der Jahre 1903 - 1905

Schwarz, C. (Bildhauer:in)
Ausführung der Steinbildhauerarbeiten, verm. der Steinbildhauer Karl Schwarz

Objekt­geschichte

Alle Statuen und Reliefs an diesem Fassadenteil sind in den Jahren 1903 bis 1905 entstanden. Die Modelle für die weiteren ornamentalen Bildhauerarbeiten an dieser Fassade, die im Folgenden nicht ausführlicher beschrieben sind, stammen von Ernst Westphal, die Modelle für einige der Zierschilder (z.B. die Zierschilde mit Adler und Pelikan) von Heinrich Giesecke. Für die Statuen der Gerechtigkeit und der Weisheit am Portalerker war August Vogel 1903 beauftragt worden, das Wappenrelief am Giebel stammt von Ernst Westphal. Die Schlusssteine nach Modellen von Ernst Westphal symbolisieren v.l.n.r.: die Sparsamkeit flankiert von zwei Eichhörnchen und die Verschwendung mit Narrenkappe und zwei Vögeln als Sinnbild der Gefräßigkeit, die Habsucht ebenfalls mit zwei begleitenden Vögeln und die Mildtätigkeit mit zwei Echsen (Beschreibung und Deutung nach Grzywatz, Rathaus Charlottenburg, 1989). Der letzte (östliche) Schlussstein ist erst im Zuge der Errichtung des Erweiterungsbaus um 1915/1916 entstanden. Er zeigt einen Männerkopf mit Hähnen, was vermutlich als Hinweis auf die Wachsamkeit zu deuten ist. Vermutlich kann er August Vogel zugeschrieben werden, der alle weiteren Plastiken (Statuen und Reliefs) an den hinzugefügten Bauteilen geschaffen hat. Für die Ausarbeitung der Statuen im Attikageschoss wurden 1903 vier Bildhauer beauftragt, die Ausführung war dem Bildhauer C. Schwarz übertragen worden und spätestens 1905 abgeschlossen. Die „Kunst für alle“ teilte im Juni 1903 mit: „Für den Neubau des Rathauses sind die Berliner Bildhauer Heinr. Günther-Gera, Joseph Drischler, Johannes Götz und Wilhelm Haverkamp mit der Ausführung von acht Nischenfiguren betraut worden, welche Ackerbau und Industrie, Handel und Gewerbe, Kunst und Wissenschaft, Geistlichkeit und Beamtentum darstellen sollen.“ (Kunst für alle, 18.1902, S. 416). In einzelnen sind die Figuren folgendermaßen verteilt (v.l.n.r.): Am westlichen Seitenflügel stehen die Allegorie des Handwerks von Josef Drischler als Schmied mit Hammer und Amboss, die Allegorien der Kunst mit Pinsel und Farbpalette sowie der Wissenschaft mit Eule, Fackel und Buch von Johannes Götz und die Allegorie der Verwaltung mit Schlüssel und Buch von Wilhelm Haverkamp. Östlich neben dem Rathausturm folgen die Allegorie der Geistlichkeit mit Kreuz, Bibel und Abendmahlskelch ebenfalls von Wilhelm Haverkamp, die Allegorie des Handels mit Heroldstab vor einem Schiffsbug von Josef Drischler, Allegorien des Ackerbaus mit Sense und Füllhorn sowie der Industrie mit Zahnrad, Bohrwerk und Spule von Heinrich Günther-Gera. Die beiden letzten beiden (östlichen) Figuren stellen Allegorien der Jugendfürsorge mit Kind und Spinnrocken sowie der Heilkunst mit Äskulapstab dar. Sie wurden erst im Zuge der Errichtung des Erweiterungsbaus um 1915/1916 hinzugefügt, die Modelle stammen von August Vogel. Drei der Statuen waren nach dem Zweiten Weltkrieg zu Teilen zerstört und erhielten in den Folgejahren neue Köpfe (Allegorien des Handels, der Landwirtschaft und der Industrie) (Nicola Vösgen).

Verwendete Materialien

Sandstein (Materialarchiv)

Zustand

gut (2024), nach teilweiser Wiederherstellung in den 1950er Jahren

Vollständigkeit

vollständig


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