Trauerndes Mädchen

Trauerndes Mädchen

Ruhendes Mädchen, Trauernde

Das Kunstwerk „Trauerndes Mädchen“ steht an der Hauptachse des Friedhofs, die vom Eingang an der Humboldtstraße zur Kapelle führt, vor dem Verwaltungsgebäude. Die Plastik zeigt den Akt eines eng zusammengekauert knienden jungen Mädchens. Auf dem rechten Bein sitzend, das Linke aufgestellt, hält das bronzene Mädchen einen Arm schützend vor den Körper, die Hand des anderen bedeckt die Augen. Der Kopf ist weit herabgeneigt, die Haare sind seitlich und im Nacken locker hochgesteckt. Die Plastik fußt auf einer knapp 6 cm hohen Plinthe und ist auf einem gut 1 m hohen Sockel aus Miltenberger Sandstein mit leicht hervorstehender Deckplatte aufgestellt (Jürgen Tomisch, Barbara Anna Lutz).

Fakten

Werkdaten

Schaffende/Datierung

Klett, Hans (Künstler:in)
1925

Datierungs­hinweise

Aufstellung 1930

Objekt­geschichte

Als Folge des schnellen Bevölkerungswachstums wurde 1897, als dritter Begräbnisort der Reinickendorfer Gemeinde, der Friedhof Reinickendorf, angrenzend an den Friedhof von St. Hedwig, angelegt. In den 1920er und nochmals in den 1960er Jahren wurde der Friedhof nach Süden erweitert. Heute ist er ist mit 15,5 ha der flächenmäßig größte landeseigene Friedhof Reinickendorfs. Der älteste Teil des Friedhofs weist die für die Kaiserzeit typische geometrische Gliederung in Haupt- und Queralleen auf. Etwa 180 m vom Haupteingang entfernt steht innerhalb der Hauptallee die Friedhofskapelle von 1897 an einem Kreuzpunkt der Alleen, der dort zu einer kleinen Platzanlage erweitert ist. Die Figur des Trauernden Mädchens von Hans Klett flankiert diesen ersten Teil der Hauptallee. Sie wurde 1930 vor einem im selben Jahr nahe dem Haupteingang erbauten schlichten Verwaltungsgebäude an der Hauptachse aufgestellt. In den 1960er Jahren wurde das Verwaltungsgebäude durch einen flachen Neubau ersetzt. Bei seiner Teilnahme an der Großen Berliner Kunstausstellung 1925 war Hans Klett mit zwei Werken vertreten, eines davon hieß „Trauerndes Mädchen“. Das Kunstwerk ist im Katalog ohne Materialangabe oder Abbildung aufgeführt. Jedoch ist durchaus denkbar, dass es sich bei der Plastik auf dem Reinickendorfer Friedhof um das 1925 ausgestellte, zum Verkauf stehende Kunstwerk oder einen Abguss desselben handelt. Der 1876 in Saalfeld geborene Bildhauer Hans Klett studierte mit Hilfe eines Stipendiums der Herzoglichen Erziehungskasse an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin-Charlottenburg. Er erhielt 1907 ein Stipendium der Karl-Haase-Stiftung, Berlin, 1908 eines der Michael-Beersche Stiftungen und kam 1908/1909 als Stipendiat zu einem Romaufenthalt in die Villa Strohl-Fern.1909 war Klett in Rom auf der Ausstellung des Deutschen Künstlervereins mit der Statuette eines knienden Mädchens vertreten. Bereits ab 1904 nahm er sowohl an der Großen Berliner Kunstausstellung teil als auch mehrfach an der Kunstausstellung im Münchner Glaspalast. Hans Klett beschäftigte sich überwiegend mit der Darstellung des Menschen. Vielfach stellte er Gemütszustände wie Ruhe und Leid in seinen Werken dar. In den Ausstellungen zeigte er z.B. Werke mit den Namen Schlafendes Mädchen (1904), Schlafender (1905), Bittendes Mädchen (1906), Trauer (1911), Schmerz (1921), Trauerndes Mädchen (1925) und immer wieder auch Kniende Mädchen (1907, 1908, 1909, 1910) in Gips, Marmor oder Bronze. Das anmutig und zart gestaltete Trauernde Mädchen am Zugang zur Friedhofskapelle ist so auch zu den charakteristischen Werken des Künstlers zu zählen. Hans Kletts wohl prominenteste Arbeit „Licht und Kraft“ (1913/1917) zeigt einen nackten Reiter auf sei- nem Pferd. Sie stellt den Reformator Martin Luther als Lichtbringer (des Glaubens) dar und ist auf der Veste Coburg noch heute zu sehen. Trotz einiger Widersprüche seiner Zeitgenossen ließ sein großer Fürsprecher, Herzog Carl Eduard von Coburg, das „wohl ungewöhnlichste Lutherdenkmal“ (https://www.deutschlandfunk.de/coburg-dank-luther-zur-reformationsstadt-europas.886.de.html?dram:article_id=310456) 1917 in Bronze gießen und somit wurde der sehr moderne Entwurf „der erste freiplastische Innenschmuck der alten Wehranlage“ (Rost, 2006, S. 195.) (Jürgen Tomisch, Barbara Anna Lutz).

Maße

(Plastik)
Höhe
Breite
Tiefe
(Plinthe)
Höhe
Breite
Tiefe
(Sockel)
Höhe
(oben)
Breite
(unten)
Breite
(oben)
Tiefe
(unten)
Tiefe

0.58 m
0.5 m
0.8 m

0.1 m
0.39 m
0.62 m

1.04 m

0.56 m

0.45 m

0.76 m

0.66 m

Verwendete Materialien

Bronze (Plastik) (Materialarchiv)
Sandstein (Sockel) (Materialarchiv) , Miltenberger

Technik

gegossen (Plastik)
behauen (Sockel)

Zustand

verschmutzt (2020)
oxidiert (Plastik, 2020), stark
biogener Bewuchs (Sockel, 2020), stark
Risse (2020), im oberen Sockelbereich
brüchig (2020), kleine Bruchstelle


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