Sorgende Frau

Sorgende Frau

Foto: Susanne Kähler, 2012, CC-BY-4.0

Die Plastik „Sorgende Frau“ zeigt eine in Aufnahme stilisierender, abstrahierender Prinzipien der expressionistischen Bildhauerei über einer leicht schräg von unten links nach rechts ansteigend gebildeten Plinthe die breit sitzende, weitgehend mit langem Rock und Umlegetuch verhüllte Frau. Die Plinthe und die beiden auf unterschiedlicher Höhe angeordneten Knie, die durch den Stoff des Kleides sichtbar werden, bilden eine dreieckige Form, worauf sich die in die andere Richtung ausdehnende, ebenfalls dreieckige Form aufbaut, die den Oberkörper mit geneigtem Kopf und den beiden links des Kopfes (von der Figur aus) zusammengelegten Händen umschreibt. Der verhüllte Kopf ist in die zusammengeführten Hände gelegt. Die Augen sind geschlossen. Die Frau schläft nicht, sie ist deutlich gekennzeichnet als voller Anspannung und Angst, erfüllt mit Sorge um ihre Liebsten und wohl auch um die Menschheit. Die Figur zeigt unterschiedliche Stufen einer braunen-grünlichen Patinierung (Susanne Kähler).

Fakten

Werkdaten

Schaffende/Datierung

Cremer, Fritz (Bildhauer:in)
1948

Datierungs­hinweise

2007 hier aufgestellt

Objekt­geschichte

Der Landeseigene Friedhof Lilienthalstraße (ehemaliger „Standortfriedhof“) wurde in den späten 1930er Jahren angelegt und erhielt 1938-1939 nach Entwürfen von Wilhelm Büning (1881-1958) ein monumentales Eingangstor und eine repräsentative Trauerhalle. 1966 wurde nach Entwurf von Gerhard Offenberg (1897-1987) im Auftrag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine kleine Gedenkhalle (so genannte Krypta) in den Bereich der Freitreppe zur zentralen Trauerhalle eingefügt. Die nach dem Vorbild von Heinrich Tessenows (1876-1950) 1930/31 fertiggestelltem Innenraum in der „Neuen Wache“ gestaltete Gedenkhalle wurde am Volkstrauertag 1966 eingeweiht. Der zentrale Schmuck der Gedenkhalle war ein silberner Eichenlaubkranz. Dieser Kranz war 1927-1931 von Ludwig Gies (1883-1966) für die „Neue Wache“ Unter den Linden geschaffen worden. Der bei der Zerstörung der „Neuen Wache“ im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Kranz, dessen Überreste auf wunderlichen Wegen gerettet werden konnten und der bis 1966 durch Gies und seinem Assistenten Rademacher in Köln wieder hergestellt werden konnte, befindet sich seit 2005 im Deutschen Historischen Museum Berlin. Anstelle des Silbernen Kranzes wurde 2007 durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräbervorsorge e. V. eine 1948 in Wien entstandene Plastik von Fritz Cremer aufgestellt, nämlich die „Sorgende Frau“. Der zwischenzeitlich für Belegungen geschlossene Friedhof ist 2017 wieder eröffnet worden und soll als Begräbnisort der Muslime Berlins Verwendung finden (Jörg Kuhn).

Maße

Höhe
87 m

Verwendete Materialien

Bronze (Materialarchiv)

Inschriften

Tafel (appliziert)
an der Außenmauer der kleinen Gedenkhalle
»Die Plastik ‚Sorgende Frau‘ wurde von dem Bildhauer Fritz / Cremer (1906-1993) geschaffen. Sie entstand unter dem / unmittelbaren persönlichen Erleben des Krieges, der / Kriegsgefangenschaft und der Nachkriegswirren im Jahre / 1948 in Wien, wohin er seit 1946 einem Ruf an die Hochschule / für angewandte Kunst gefolgt war. / Auf Grund seiner bereits in der Weimarer Republik ausgepräg- / ten sozialkritischen Einstellung übersiedelte Cremer in der / Hoffnung auf eine bessere, humanere Zukunft in die DDR. / Die ‚Sorgende Frau‘ steht für alle Frauen und Mütter der Erde, / die unter Krieg und Gewaltherrschaft gelitten haben. / In den Jahren 1966 bis 2004 befand sich der ‚Silberkranz‘ / in dieser Krypta. Seither ist er im Deutschen Historischen / Museum zu besichtigen. / Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., Berlin 2007«

Zustand

gut (2012)
oxidiert (2012), leicht

Vollständigkeit

vollständig


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