Schloßbrückengruppen

Schloßbrückengruppen

Schlossbrückengruppen

Foto: P. H. Feist, 1988, CC-BY-SA-4.0-int., HU Berlin IKB, Slg. Feist, 134.05

Auf den steinernen Strompfeilern der Schloßbrücke stehen acht überlebensgroße Skulpturengruppen auf hohen Postamenten, an deren Vorderseiten runde Adler-Medaillons mit vier unterschiedlichen Attributen (Helm, Palmzweig, Donnerkeil und Schlange) eingelassen sind. Zwischen den Postamenten befinden sich gusseiserne Brückengeländer mit Seepferden, Tritonen und Delphinen.

Bei den Gruppen der südlichen Brückenhälfte handelt es sich um (von West nach Ost):
1. Gruppe: Nike lehrt den Knaben Heldensagen, Emil Wolff, 1847 fertiggestellt
2. Gruppe: Athene unterrichtet den Jüngling im Gebrauch der Waffen, Friedrich Anton Hermann Schievelbein, 1853 fertiggestellt
3. Gruppe: Athene bewaffnet den Krieger, Karl Heinrich Möller, 1851 fertiggestellt
4. Gruppe: Nike bekränzt den Sieger, Friedrich Drake, 1853 fertiggestellt

Die Gruppen der nördlichen Brückenhälfte (von West nach Ost):
5. Gruppe: Nike richtet den verwundeten Krieger auf, Ludwig Wichmann, 1853 fertiggestellt
6. Gruppe: Athene ermuntert den Krieger im Kampf, Albert Wolff, 1853 fertiggestellt
7. Gruppe: Der junge Held wird von Athena beschützt, Gustav Blaeser, 1854 fertiggestellt
8. Gruppe: Iris trägt den gefallenen Helden zum Olymp, August Wredow, 1857 fertiggestellt (Nicola Vösgen)

Fakten

Werkdaten

Schaffende/Datierung

Schinkel, Karl Friedrich (Entwurf)
1822-1824, Brücke, 1822-1824 und Brüstungsgitter, 1824

Blaeser, Gustav Hermann (Bildhauer:in)
Der junge Held wird von Athena beschützt, 1854

Drake, Friedrich (Bildhauer:in)
Nike krönt den Sieger, 1853

Möller, Karl Heinrich (Bildhauer:in)
Athena bewaffnet den Krieger, 1851

Schievelbein, Hermann (Bildhauer:in)
Athena unterrichtet den Jungen im Waffengebrauch, 1853

Wichmann, Ludwig Wilhelm (Bildhauer:in)
Nike richtet den Verwundeten auf, 1853

Wolff, Albert (Bildhauer:in)
Der Jüngling wird von Athena in neuen Kampf geführt, 1853

Wolff, Emil (Bildhauer:in)
Nike lehrt den Knaben Heldensagen, 1847

Wredow, August (Bildhauer:in)
Iris trägt den gefallenen Helden zum Olymp empor, 1857

Wolff, Wilhelm (Bildhauer:in)
Adler in den Medaillons der Postamente, 1853

Füssel, Hans (Bildhauer:in der Rekonstruktion)
Wiederherstellung der Geländer (1951 und 1959/1960)

VEB Stuck und Naturstein (Kollektiv) (Bildhauer:in der Rekonstruktion)
Wiederherstellung der Adler-Medaillons (1989)

Datierungs­hinweise

1822-1824 (Schloßbrücke), 1824 (gusseiserne Geländer), 1842 (Beauftragung der Figurengruppen), 1853/1854/1857 (Aufstellung der acht Figuren), 1853 Adler-Medaillons, 1951, 1959/1960 Gusseiserne Geländer (Nachguss), 1988/89 Adler-Medaillons (Nachschöpfung)

Objekt­geschichte

Die Schloßbrücke führt über den Kupfergraben, einen Nebenarm der Spree, und verband ursprünglich den Lustgarten mit dem Tiergarten. Bereits im 15. Jahrhundert existierte an dieser Stelle eine schmale hölzerne Brücke, die sog. Hundebrücke, die ihren Namen nach den Jagdgesellschaften mit ihren Hunden erhalten hatte, die über diese Brücke vom Schloss in das damalige Jagdrevier im Tiergarten gelangten. Im Zuge der städtebaulichen Neuordnung des Bereiches zwischen Schloss und Opernplatz wurde zwischen 1822-24 nach Entwürfen des Architekten und Geheimen Oberbaurats Karl Friedrich Schinkel die heutige Schloßbrücke als massive dreibogige Gewölbebrücke errichtet. Bei ihrer Fertigstellung war die 33 Meter breite Brücke ebenso breit wie die Prachtstraße Unter den Linden und ließ diesen Straßenzug erstmals als durchgehende Achse zwischen Schloss/Lustgarten und Brandenburger Tor erscheinen. Ende der 1820er Jahre waren allerdings nur die Podeste für die geplanten acht Figurengruppen und die nach Entwurf von Schinkel in der Königlichen Eisengießerei gegossenen Brüstungsgitter vorhanden. Als Brückenschmuck hatte Schinkel acht monumentale Figurengruppen vorgesehen, die Motive sollten an die erfolgreich bestandenen Befreiungskriege erinnern. Die Ausführung des Figurenschmucks verzögerte sich infolge der königlichen Sparsamkeit erheblich. Erst nach Regierungsantritt des kunstbeflissenen Königs Friedrich Wilhelm IV. im Jahre 1840, konnten acht Bildhauer aus der Schule von Johann Gottfried Schadow und Christian Daniel Rauch (1777–1857) ab 1842 mit den Entwürfen und Ausführung des Figurenschmucks für die Schloßbrücke beauftragt werden. Abweichend zu den Planungen von Schinkel wurden die Figuren jedoch nicht in Kupfer, sondern in weißem Carrara- Marmor ausgeführt. Die vier äußeren Figurengruppen zeigen geflügelte Viktorien mit je einem Jüngling, die vier mittleren Gruppen Pallas Athene mit einem Krieger. Vier Bildhauer, Ludwig Wichmann, Friedrich Drake, August Wredow und Emil Wolff, sind 1842 direkt mit der Erstellung von Skizzen beauftragt worden. Für die anderen vier Bildwerke war zunächst eine Konkurrenz ausgeschrieben worden, die 1842 Albert Wolff, Moeller, Schievelbein und Blaeser für sich entscheiden konnten. Mit dem Entwurf der Modelle für die vier Adler-Medaillons, die jeweils in 2-Mal in identischer Form ausgeführt wurden, war Wilhelm Wolff 1842 beauftragt worden. Die Ausführung der acht Medaillons in carrarischem Marmor wurde acht verschiedenen Bildhauern übertragen. Die Aufstellung der ersten sechs Gruppen erfolgte zwischen August und Oktober 1853, die Gruppe von Gustav Blaeser folgte 1854 und als Letztes konnte 1857 die Gruppe von Wredow aufgestellt werden. Auch die Adler-Medaillons schmückten die Postamente seit 1853. Während des Zweiten Weltkrieges erlitt die Schloßbrücke erhebliche Beschädigungen, allerdings waren die Postamente mit den Adler-Medaillons und auch die Brüstungsgitter zunächst teilweise erhalten, wie Nachkriegsfotos eindeutig belegen. Zwischen 1948 und 1950 wurden die Kriegsschäden an der Brücke beseitigt. In den 1950er Jahren sind zunächst neue Sandstein-Postamente gefertigt worden, die 1983 durch mit bulgarischem Marmor verkleidete Postamente ersetzt wurden. 1951 ist der Bildhauer und Metallgießer Hans Füssel beauftragt worden, neue Brückengeländer nach Vorlage der wenigen erhaltenen gusseisernen Geländeteile herzustellen. Allerdings wurden zunächst nur die mittleren Geländegitter ausgeführt. Erst 1959/1960 konnten die noch fehlenden Brüstungsfelder ergänzt werden. Nach dem Abriss des Berliner Stadtschlosses und der Anlage des Marx-Engels-Platzes erhielt die Brücke am 1. Mai 1951 die neue Bezeichnung Marx-Engels-Brücke. Bereits 1943 waren die Figurengruppen in den späteren Westteil Berlins ausgelagert worden, sie befanden sich zunächst auf dem Borsig Gelände in Tegel, dem Westhafen und in Spandau. Später gelangten die acht Gruppen in eine Deponie des Tiefbauamtes in Moabit in der Seydlitzstraße , wo sie zwischen 1966 und 1972 durch den Bildhauer Harald Haacke restauriert wurden. Seit 1978 waren sie im Lapidarium am Landwehrkanal untergebracht. Im Rahmen des Deutsch-Deutschen Austausches von Kulturgütern gelangten die acht Figurengruppen 1981 zurück nach Ost-Berlin. Zwischen September 1983 und April 1984 wurden die Gruppen wieder an ihren ursprünglichen Standorten auf der Marx-Engels-Brücke aufgestellt. Die acht Adler-Medaillons der Postamente sind 1989 nach in der Gipsformerei erhaltenen Modellabgüssen von dem VEB Stuck und Naturstein neu geschaffen worden. Am 3. Oktober 1991, dem ersten Jahrestag der Deutschen Wiedervereinigung, erhielt die Brücke ihre ursprüngliche Bezeichnung „Schloßbrücke“ zurück. Aufgrund der damals gültigen Rechtschreibregeln wird sie bis heute - entgegen der aktuellen Rechtschreibung - mit dem scharfen „ß“ geschrieben. Die bislang letzte Generalinstandsetzung erfolgte zwischen 1995 und 1997. (Nicola Vösgen)

Maße

Höhe
Höhe
Durchmesser
6 m, Podest mit Figurengruppe
3 m, Kopfhöhe für die einzelne Figurengruppe
0.91 m, Adler-Medaillons

Verwendete Materialien

Marmor (Materialarchiv) , Carrara-Marmor: Adler-Medaillons und Figuren, Kunzendorfer Marmor: ursprüngliche Postamente, bulgarischer Marmor: aktuelle Postamente
Granit (Materialarchiv) , roter Granit: Sockel
Eisen (Materialarchiv) , Gusseisen: ursprüngliche Brüstungsfelder und deren Nachguss

Inschriften


am Objekt
»H. SCHIEVELBEIN FEC. 1853«


am Objekt
»C. MOELLER 1851«


am Objekt
»F. DRAKE FEC.«


am Objekt
»GUST : BLAESER. fec : 1854«


am Objekt
»W. WOLFF ROME FECIT«

Zustand

sehr gut

Vollständigkeit

vollständig


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