Poetische Stimmung (Skulptur mit Relieffigur)

Poetische Stimmung (Skulptur mit Relieffigur)

Foto: Nicola Vösgen, 2019, CC-BY-4.0

An dem Weg, der westlich der Kita „Paule am Park“ in den östlichen Bereich des Fennpfuhlparks führt, steht das aus zwei Blöcken zusammengesetzte Kunstwerk „Poetische Stimmung“. Auf einem unregelmäßig geformten Sockel mit unterschiedlichen Höhen sitzt ein Mann an einem felsigen Ufer. Sein Oberkörper ist unbekleidet, um die Hüfte ist ein leichtes Tuch geschlungen. Hinter der Figur erhebt sich eine gotisch anmutende Spitzbogenarchitektur, deren Gewände mit Säulen versehen sind. Oberhalb dieser Architektur kragt der Stein weit vor, so dass der Mann fast in einer Höhle zu sitzen scheint. Der Blick des Mannes ist in Richtung des Daches gewendet, mit seiner rechten Hand stützt er sich auf dem Felsen ab, die weit geöffnete linke Hand ist ausgestreckt, fast wie in Erwartung irgendeiner unsichtbaren Gabe. Die nackten Beine hängen kraftlos im Wasser. Körperhaltung und Gesichtsausdruck vermitteln den Eindruck völliger Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, einzig die offen ausgestreckte linke Hand vermag noch einen Hoffnungsschimmer andeuten. Eine Bildhauersignatur befindet sich am Sockel rechts hinten: A. RATIU. Ein Metallschild an der Sockeloberseite vorne rechts informiert über Titel, Bildhauer (Nachname fehlerhaft), Material und Entstehungszeit POETISCHE STIMMUNG / Anton Ratio – Rumänien / Sandstein 1987 (Nicola Vösgen).

Fakten

Werkdaten

Schaffende/Datierung

Ratiu, Anton (Künstler:in)
1987, aus Rumänien

Datierungs­hinweise

1987 entstanden, seit 1988 im Fennpfuhlpark, seit etwa 2011/2012 am aktuellen Standort

Objekt­geschichte

Vom 31. Juli bis zum 30. September 1987 fand im Schlosspark in Berlin-Buch das 2. Internationale Berliner Bildhauersymposium statt. Teilnehmer waren acht Bildhauer_innen aus Bulgarien, der CSSR, Finnland, Polen, Rumänien, Syrien, der UDSSR und Ungarn sowie sechs Künstler aus der DDR (Rolf Biebl, Clemens Gröszer, Karl Blümel, Claus-Lutz Gaedicke, Michael Mohns und Jürgen Pansow). Die unter der Schirmherrschaft des Magistrats von Berlin durchgeführte Sommerwerkstatt trug das Motto „Poesie der Großstadt“. Allen Künstlern wurde Reinhardtsdorfer Sandstein für Ihre Arbeiten zur Verfügung gestellt. In der „Bildenden Kunst“ war im September 1987 zu lesen, dass die Symposiums-Plastiken anschließend in der „neueröffneten Berliner Gartenschau“, dem im Mai 1987 eröffneten Erholungspark in Berlin-Marzahn, Aufstellung finden sollten (Nachrichten aus der DDR. Berlin (o.V.), in: Bildende Kunst. 35. Jg., 1987, Heft 9, S. 431). Hierbei handelte es sich um eine Fehlinformation, denn in Marzahn waren bereits die Plastiken aus dem 1. Internationalen Bildhauersymposium von 1984 aufgestellt. Im Februar 1986 war in der „Kunstkonzeption - Konkretisierung bezüglich Plastik [für den] Wohnkomplex Leninallee, Ho-Chi-Minh-Str., 3. WG, 4. BA, Kunstkonzeption für Plastik im Freiraum“ vorgeschlagen worden, dass die „Ergebnisse der Bildhauer Symposien in Reinhardtsdorf … vollständig im Freizeitpark am Fennpfuhl im Rahmen einer mehrmonatigen (max. 2-jährig.) Ausstellung der Öffentlichkeit vorgestellt ...“ werden sollten (Landesarchiv Berlin, C Rep. 735, Nr. 221, unpag.). Als Hauptstandort für die Plastiken war der Bereich zwischen Sporthalle und der ehemaligen Gaststätte „Seeterrasse“, also der Bereich westlich des Fennpfuhlsees, vorgesehen. Im Januar 1988 sind die Fundamente für die Plastiken im Fennpfuhlpark errichtet worden, am 24. März 1988 fand die Abnahme der hier zunächst temporär aufgestellten Plastiken statt (Landesarchiv Berlin, C Rep. 735, Nr. 64, unpag.). Zu diesem Zeitpunkt war vorgesehen, dass die Plastiken später ihre endgültigen Standorte an markanten Plätzen in Berlin erhalten sollten. In dem Magistratsbeschluss 570/88 vom 2. Dezember 1988 wurde jedoch „der Park am Anton-Saefkow-Platz als endgültiger Standort für die zum 2. Internationalen Bildhauersymposium 1987 entstandenen Plastiken bestätigt.“ (a.a.O.). Seit Februar 1989 unterstehen die Plastiken dem Stadtbezirksgartenamt Berlin-Lichtenberg (Landesarchiv Berlin, C Rep. 735, Nr. 357, unpag.). Von den 14 Plastiken, die im Rahmen des Symposiums geschaffen wurden, befinden sich aktuell 11 Skulpturen im Fennpfuhlpark. Der rumänische Bildhauer Anton Ratiu hat die „Poetische Stimmung“ geschaffen. Die Plastik wurde im März 1988 zunächst südlich vor dem ehemaligen Warenhaus auf einer Rasenfläche aufgestellt. Nachdem der Fennpfuhlpark 1989 als endgültiger Standort für die Symposiumsplastiken festgelegt worden war, sind für einige der Plastiken neue Standorte diskutiert worden: „Für die Plastik von A. Ratiu ‚Poetische Stimmung‘ ist ein neuer Standort festzulegen. Eine Aufstellung im Park am Anton-Saefkow-Platz ist der künstlerischen Aussage der Plastik nicht entsprechend“ (Landesarchiv Berlin, C Rep. 735, Nr. 64, unpag.). Aus nicht überlieferten Gründen ist diese Planung zunächst nicht umgesetzt worden. Erst in Zusammenhang mit den Umbaumaßnahmen des Warenhauses und der Anlage der neuen Parkplatzflächen ist das Kunstwerk vermutlich um 2011/2012 an seinen heutigen Standort versetzt worden. In der Berliner Zeitung war die Interpretation zu lesen, dass „Das Verhältnis Mensch - Architektur … auch Grundanliegen des Rumänen Anton Ratiu [sei], dem er mit seiner ‚Poetischen Stimmung‘ Ausdruck geben möchte“ (vgl. Pretzsch, Lutz: Thema: Die Poesie der Großstadt. Das 2. Internationale Bildhauersymposium Berlin, in: Berliner Zeitung, 43. Jg., 26.09.1987, S. 10) (Nicola Vösgen).

Maße

(Fundament)
Breite
(Fundament)
Tiefe
(Sockel)
Höhe
(Sockel)
Höhe
(Sockel)
Breite
(Sockel)
Tiefe
(gesamt)
Höhe

2 m

2.6 m

0.42 m, vorne

0.92 m, hinten

1.55 m

2.1 m

2.8 m

Verwendete Materialien

Sandstein (Figur, Sockel) (Materialarchiv) , Reinhardtsdorfer
Kunststein (Fundament) (Materialarchiv)

Technik

behauen (Figur, Sockel)
gegossen (Fundament)

Inschriften

Bezeichnung (gemeißelt)
am Sockel hinten
»A. RATIU«

Plakette (appliziert)
auf dem Sockel vorne
»POETISCHE STIMMUNG / Anton Ratio – Rumänien / Sandstein 1987 «

Zustand

beschmiert (2019)
bemoost (2019)
veralgt (2019)
Materialausbrüche (2019), Steinkanten

Vollständigkeit

vollständig


Ihre Information ist gefragt

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir aus Kapazitätsgründen nur in Ausnahmefällen und ausschließlich bei wissenschaftlichem Interesse Fachfragen zur Bildhauerkunst beantworten können.