Moses, Johannes d. Täufer und Herrschertugenden (Ostfassade)

Baugebundene Kunst

Moses, Johannes d. Täufer und Herrschertugenden (Ostfassade)

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Gebäude der baugebundenen Kunst

Berliner Dom

Gebäude der baugebundenen Kunst

An der zur Spree gerichteten Ostfassade des Berliner Doms befinden sich vier Statuen. Auf dem Hauptkranzgesims stehen zu beiden Seiten der Apsis zwei Sandstein-Statuen, die Allegorien des sog. Alten Bundes darstellen: südlich Moses mit den Gesetzestafeln und nördlich Johannes der Täufer mit einem Fellgewand bekleidet und Kreuzstab in der Hand.
In den beiden Nischen in den äußeren Gebäudeachsen stehen zwei weibliche Gewandstatuen: im Norden eine Frau mit Schwert und Waage, südlich eine schlanke Frau mit Brustpanzer und Helm, die in dem ausgestreckten rechten Arm sie eine Fahne hält (Nicola Vösgen).

Fakten

Standort

unbekannt

Kategorie

Bauplastik   Statue   

Bezirk/Ortsteil

unbekannt

Werkdaten

Schaffende/Datierung

Vogel, August (Bildhauer:in)
1897-1908, Modell Johannes der Täufer

Janensch, Gerhard (Bildhauer:in)
1970-1984, Modell Moses

Unbekannt (Bildhauer:in)
Neuschöpfungen des Moses und Johannes

Baumbach, Max (Bildhauer:in)
Modell Gerechtigkeit

Schott, Walter (Bildhauer:in)
Modell Tapferkeit

Martin & Piltzing (Ausführende:r)
Tapferkeit und wahrscheinlich auch die Gerechtigkeit

Unbekannt (Bildhauer:in)
Neuschöpfungen der Gerechtigkeit

Datierungs­hinweise

Moses und Johannes d. Täufer (1897-1905), Neuschöpfung Moses und Johannes (1975-1984) Modelle Gerechtigkeit und Tapferkeit (1897/1899), Aufstellung Gerechtigkeit und Tapferkeit (1907/1908), Neuschöpfung Gerechtigkeit und Neuaufstellung (1970er Jahre)

Objekt­geschichte

Die Originale der beiden Sandstein-Statuen waren von zwei Bildhauern geschaffen worden, die Statue des Moses stammte von Gerhard Janensch, die des Johannes von August Vogel. Die Anfertigung der Modelle für die beiden Statuen war 1897 beauftragt worden, zur Eröffnung des Doms 1905 waren sie an der Fassade aufgestellt. Beide Statuen sind im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört worden. In den Jahren des Wiederaufbaus des Doms sind sie zwischen 1975 und 1984 nach historischen Vorlagen neu geschaffen worden, der ausführende Künstler oder vermutlich eher das Steinmetz-Kollektiv sind nicht überliefert. 2022 erfolgte die letzte Instandsetzung der beiden Statuen durch die Fa. Kärcher (Beseitigung des biogenen Bewuchs und lose aufliegender Verschmutzung, Reinigung mittels Mikrotrockenstrahlverfahren) sowie Sicherung der Oberflächen und kleineren Ergänzungen durch Restauratoren und Steinmetze. Bei den beiden in Kupfer getriebenen, ca. 3,70 Meter großen Statuen handelt es sich um Darstellungen von zwei weiteren Herrschertugenden: nördlich die „Gerechtigkeit“ nach Modell von Max Baumbach, im Süden die „Tapferkeit“ nach Modell von Walter Schott. Drei Bildhauer waren um 1897/1898 mit der Anfertigung der Modelle der Herrschertugenden beauftragt worden. Die Illustrirte Zeitung berichtete im November 1899 „Der berliner [sic] Dombau und seine bildnerische Ausschmückung gehen mehr und mehr der Vollendung entgegen. … Für die Außenseite der Denkmalskirche modelliren Schott, Baumbach und Janensch die in Kupfer zu treibenden Gestalten der vier Herrschertugenden.“ (Illustrirte Zeitung, 16.11.1899, Nr. 2942, S. 681). Zur Eröffnung 1905 waren die vier Statuen noch nicht aufgestellt, vermutlich standen zum Zeitpunkt der Einweihung zunächst temporär aufgestellte Gipskopien in den Nischen. Die Norddeutsche Zeitung berichtete im Oktober 1908 „An der Front der Gruftkirche des Doms wird jetzt mit der Aufstellung der vier Figuren, welche die Herrschertugenden verkörpern sollen, fortgefahren. Eine dieser Figuren, die Tapferkeit, hat bereits vor längerer Zeit ihren Platz in der an der Westseite der Kirche gelegenen Nische erhalten. Jetzt werden auch die anderen drei Nischen, die sich 8 Meter über dem Erdboden befinden, durch die drei anderen Figuren ausgefüllt, die Weisheit, Gerechtigkeit und Mäßigung darstellen …“ (Norddeutsche Allgemeine Zeitung, 17.10.1908, S. 2). Laut den im Findbuch des Dombauarchivs verzeichneten Archivalien war die Firma Martin & Piltzing 1906/1907 mit der Herstellung, Lieferung und Aufstellung der Figur der Tapferkeit beauftragt worden. Die beiden Herrschertugenden Gerechtigkeit und Tapferkeit, die heute an der Ostfassade stehen, gehörten ursprünglich zu dem Herrschertugenden-Ensemble an der nördlich des Doms gelegenen Denkmalskirche, an deren Fassade die Personifikationen aller vier Herrschertugenden aufgestellt waren. Die Denkmalskirche war im Krieg zerstört worden und wurde 1975 abgerissen. An der neu gestalteten Nordfassade sind nur zwei der ursprünglich vier Statuen (Weisheit und Mäßigung) wieder aufgestellt worden. Die Statue der Tapferkeit fand ihren neuen Aufstellungsort in der südlichen Nische der Ostfassade. Die Gerechtigkeit hingegen war (während des Krieges?) zerstört worden. In der nördlichen Nische steht eine Ende der 1970er Jahre geschaffene Neuschöpfung nach historischen Vorlagen. Der ausführende Bildhauer ist nicht überliefert. (In den beiden Nischen standen ursprünglich zwei in Kupfer getriebene Engel mit Evangelien / mit Kelch, die Friedrich Tieck 1821/1822 für die Hauptfassade des alten Dom geschaffen hatte.) (Nicola Vösgen)

Maße

(Tapferkeit)
Höhe
(Gerechtigkeit)
Höhe

3.7 m

3.7 m

Verwendete Materialien

Sandstein (Moses, Johannes) (Materialarchiv)
Kupfer (Gerechtigkeit) (Materialarchiv)
Kupfer (Tapferkeit) (Materialarchiv)

Vollständigkeit

vollständig, nach Neuschöpfung von drei der Statuen


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