Junger Mann mit zwei Leuchtkörperhaltern (Nottitel)

Junger Mann mit zwei Leuchtkörperhaltern (Nottitel)

Leuchterfigur
Foto: Susanne Kähler, 2003, CC-BY-4.0

Die Interpretation des Gegenstandes in der rechten Hand der Figur als weitere Halterung für einen Leuchtkörper ist nicht unbestritten. Die aus den 1950er Jahren stammende Kopie des verlorenen Originals zeigt diesen Gegenstand mit geschlossener Oberfläche, die keinen Hinweis auf die Funktion beim verlorenen Original zulässt. Der gefäßartige Gegenstand könnte auch ein nicht weiter zu entschlüsselndes Attribut sein, etwa in dem Sinne, dass es sich bei der Figur um eine Art Allegorie der Gastfreundschaft handelt. Eine Interpretation als „Ganymed“, in der Funktion als Mundschenk, wäre unter Umständen denkbar. Will man die vermutlich zeitgleich entstandenen benachbarte Leuchterfigur eines „Jungen Mannes“ als Allegorie der Nacht deuten, so könnte die Figur des „Jungen Mannes mit den zwei Leuchtkörperhaltern“ passend dazu eine Allegorie des anbrechenden Tages gedeutet werden. Die Figur des jungen Mannes steht in vergleichsweise breit gesetzter Ponderation auf einer etwa quadratischen Plinthe, deren Oberfläche ein Naturrrelief zeigt. Als Stütze dient hinter der Figur ein Baumstumpf, der, von vorne gesehen, durch das der Figur um die Hüften geschlungene Gewandstück verdeckt erscheint. Das faltenreiche Gewandstück trägt der junge Mann über den rechten Unterarm gelegt. Der Gewandzipfel fällt bis etwa auf die Höhe des Oberschenkels herab. Der ansonsten unbekleidet gezeigte Jüngling hält in der rechten Hand des nach vorne abgewinkelten rechten Arms einen vasenartigen Gegenstand, der, will man ihn nicht als Gefäß deuten, auch der untere Teil einer Fackelhalterung sein könnte. Der Korpus des Gegenstands ist kanneliert, die Lippe gewellt. Mit der linken Hand des eng am Körper geführten, nach vorne abgewinkelten Arms hält der junge Mann eine konisch geformte Fackel mit kanneliertem Oberteil. Der Fackelstab ist unten auf dem Baumstumpf abgestützt. Auf die quadratisch gerahmte Fackelöffnung ist oben ein kugelförmiger Glaskörper in Metallhalterung aufmontiert (Susanne Kähler, Jörg Kuhn).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Eckstein, JohannesBildhauer_In1785-1787
Zuschreibung für das Original
Starcke, HansBildhauerIn der Kopie
Kopie der 1980er Jahre nach einem Steinguss der 1950er Jahre nach dem verlorenen Original
Datierungshinweise
für das verlorene Original; Steinguss der 1950er Jahre, 1999 restauriert und deponiert, Kopie nach dem Steinguss vom Anfang der 1980er Jahre
Objektgeschichte
das Original des 18. Jahrhunderts ist nicht mehr nachzuweisen und muss bis auf Weiteres als verschollen gelten. Die Steingusskopie der 1950er Jahre wurde möglicherweise von einem Bildhauer Kliem geschaffen. Danach schuf Starcke Anfang der 1980er Jahre eine Sandsteinkopie. Der Steinguss der 1950er Jahre wurde 1999 restauriert und im Baudepot der Berliner Denkmalpflege deponiert. Die Figur hat keinen überlieferten Titel aus ihrer vermuteten Entstehungszeit. Vielleicht ist hier eine Allegorie der Gastfreundschaft dargestellt - wenn man den Gegenstand in der rechten Hand nicht als weiteren Fackelschaft, sondern als (Trink-)Gefäß deutet. Dann wäre auch eine Deutung als Ganymed, Mundschenk der (altgriechischen) Götter, denkbar. Eine weitere Überlegung könnte sein, dass hier ein männliches Pendant zur Göttin der Morgenröte, Eos, dargestellt ist. Dann müsste man jedoch bei der Deutung des zweiten Gegenstandes als (weiteren) Fackelschaft bleiben (Jörg Kuhn).
Verwendete Materialien
FigurSandstein, Cottaer Sandstein
LeuchtmittelMetall
Glas
Technik
Figurgemeißelt
Leuchtmittelmontiert
ZustandZeitpunkt
gesamtgut, Kopie2003
Vollständigkeit
vollständigKopie

  Nachweise

  • Borrmann, Richard: Die Bau- und Kunstdenkmäler von Berlin, Berlin, 1982, S. 308-309.
  • Wirth, Irmgard: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Bezirk Tiergarten, Berlin, 1955, S. 114-139.
  • Wendland, Folkwin: Der Große Tiergarten in Berlin, Berlin, 1993.
  • Rohrlach, Peter P.: Rosenfelde - Friedrichsfelde : zur Geschichte von Dorf und Schloss, München, 1994.

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