Heilige Gertrud

Heilige Gertrud

Foto: Layla Fetzer, 2022, CC-BY-4.0

Die Gruppe der stehenden Heiligen Gertrud mit einem jungen Wanderburschen, dem sie einen Krug zum Tranke reicht wurde vom Künstler so gestaltet, wie der Bildungsbürger sich eine im Mittelalter angesiedelte Legende am Ende des 19. Jahrhunderts vorstellte. Die fromme – und handwerklich begabte – Klosterfrau erscheint als eine Art bürgerlicher Idealfigur, eine antike Caritas im „altteutschen“ Gewand. Gans, Mäuse, Ratten und Spinnrocken gehören als Attribute zur dargestellten Szene. Obgleich Figur und mittelalterlich gemeinte Stilzitate in der Brückenbrüstungsarchitektur auf einander abgestimmt sind, ist die Gruppe der Hl. Gertrud mit dem jungen Handwerker als autonomes Kunstwerk konzipiert. Am Sockelblock unterstreichen zwei Inschriften in Reimform das Dargestellte (Jörg Kuhn).

Fakten

Werkdaten

Schaffende/Datierung

Siemering, Rudolf (Künstler:in)
1895-1896

Fa. Lauchhammer (Gießerei)
Füssel, Hans (Bildhauer:in der Sanierung)
1954

Helmich, Bernd M. (Restaurator:in)
2017-2021

Datierungs­hinweise

um 1943 abgebaut, 1954 wieder aufgestellt, 2017-2018 restauriert, 2021 Wiederaufstellung

Objekt­geschichte

Gertrud von Nivelles (* 626; † 17. März 659), auch Gertraud, Gertraudt, Gertrude und Geretrudis, war Äbtissin eines Augustinerinnen-Klosters in Nivelles in Belgien. Das 1896 auf der ab 1894 nach Plänen von Otto Stahn neu errichteten Getraudenbrücke (Gertrautenbrücke) aufgestellte Denkmal, das in der unmittelbaren Nähe des einstigen Gertraudentores (im 13. Jahrhundert Teltower Stadttor genannt) und des Gertrauden-Hospitals mit Kapelle steht, erinnert an die verschwundenen mittelalterlichen Bauten ebenso wie an die Äbtissin Gertrud, die aufgrund ihrer Barmherzigkeit gegenüber Armen und Kranken, Pilgern und Reisenden heilig gesprochen wurde. Die Heilige Gertrud, "Schutzheilige der Landstraße", gilt auch als Beschützerin der Gräber, Äcker und der Saat vor Mäuseplagen, worauf die am Fries entlangjagenden Mäuse hindeuten. Zu Beginn der 1940er Jahre zwecks Gewinnung von Materialreserven für die Waffenproduktion im Zweiten Weltkrieg demontiert, wurde die Plastik in einem Versteck vor der Vernichtung bewahrt und konnte 1954 nach einer Restaurierung durch Hans Füssel (1897-1989) wiederaufgestellt werden. 2017 wurde die Figurengruppe wegen für 2018 geplanter Sanierungsmassnahmen an der Brückenbrüstung abgebaut und in das Denkmalpflegedepot nahe Schloss Friedrichsfelde gebracht. Der Metallrestaurator Bernd Helmich übernahm im Anschluss die Restaurierung (u. a. Entfernung der Kalkschicht und Ergänzung kleinerer Teile). Die Wiederaufstellung erfolgte im Dezember 2021 auf einem neuen Betonsockel (Jörg Kuhn, Susanne Kähler).

Maße

(Gruppe)
Höhe

3 m

Verwendete Materialien

Bronze (Plastik) (Materialarchiv)

Technik

gegossen (Plastik)
patiniert
montiert

Inschriften

Bezeichnung (gegossen)
am Objekt, Vorderseite
»R. Siemering, / 1896«

Stempel (gegossen)
am Objekt
»Lauchhammer. / gegossen. «

Inschrift (gegossen)
am Objekt, rechte Seite
»HEI, WIE DAS NASS / DURCH DIE KEHLE RINNT / UND DER BURSCH MIT EINS / WIEDER MUTH GEWINNT / NUN DANKT ER LAUT / DIR, HEILIGE GERTRAUT.«

Inschrift (gegossen)
am Objekt, linke Seite
»RATTEN UND MAEUSE= / GEZUECHT / MACHST DU ZUNICHT / ABER DEN ARMEN / IM LAND / REICHST DU DIE HAND.«

Zustand

gut (2009)
berieben (Patina, 2009), besonders bei den Nagern

Vollständigkeit

vollständig


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