Galatée

Galatée

meergeborene Venus (falsche Bezeichnung um 1800)
Foto: Jörg Kuhn, 2003, CC-BY-4.0

Überlebensgroße weibliche Standfigur mit begleitendem Fantasiefisch auf einem Sockel. Dargestellt ist die Nymphe Galathea, nach der griechischen Sage eine Tochter des Nereus. Der Geliebte der Galathea, Akis, wurde vom Kyklopen Polyphem erschlagen. Der Sockel entspricht formal einer für das 18. Jahrhundert typischen Gestaltungslösung. Über einem Standsockel, der mit einer vorkragenden Profilleiste abschließt, steht eingezogen der mittlere Postamentblock mit einem vertieften Spiegel je Seite. Eine Andeckplatte mit vorkragender oberer Kante trägt die quadratische Plinthe der Figur. Die Plinthe steigt nach hinten leicht an. Die Figur wird aus konstruktiven Gründen rückseitig durch eine Stütze in Form eines Baumstumpfes stabilisiert. Die weibliche Figur steht fest auf ihrem rechten Standbein, während das linke Spielbein nach hinten leicht abgewinkelt ist und der linke Fuß nur mit dem hinteren Bereich auf einem Wurzelansatz des Baumstumpfes aufsitzt. Um die üppigen Hüften trägt die weitgehend unbekleidete Figur einen schräg von links nach unten rechts verlaufenden Gürtel, der das knappe, faltenreiche Gewandstück, das die linke Hüfte nur spärlich bedeckt, dergestalt hält, dass das vorne herabhängende Gewandstück die Scham (Pubes) verdeckt. Dieser Gewandzipfel wird vom Gürtel eng an den Körper gedrückt und verläuft über der Scham links über den linken Oberschenkel nach hinten. Der linke Arm ist angewinkelt vor die Brust gelegt, die linke Hand bedeckt den rechten Busen. Der rechte Arm ist entsprecht der Haltung des Körpers in schrägem Verlauf seitlich nach unten geführt. Die rechte Hand stützt sich auf die hochgereckte Schwanzflosse des delphinartigen Fantasiefisches, der auf der linken Seite die Standfigur begleitet. Der Fischkopf liegt auf der Plinthe auf, der Blick des Tieres ist nach vorne gerichtet. Die langen Kiemenflossen hängen herab, auf der Außenseite reicht die Kiemenflosse über den Plinthenrand herunter. Galathea selbst trägt ihren ideal gebildeten Kopf mit der antikisierenden Frisur und den ebenmäßigen Gesichtszügen leicht nach unten geneigt und zur Seite gewendet. Trotz der Üppigkeit des Körpers wirkt die Figur durch die künstlerisch geschickt arrangierte Pose leicht und bewegt. (Susanne Kähler/ Jörg Kuhn)

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
UnbekanntBildhauer_In1750-1752
Umkreis Christian Friedrich Glume
Haacke, HaraldBildhauerIn der Kopie
1964
Datierungshinweise
Kopie von 1964
Objektgeschichte
Künstler des Originals im Schloss Charlottenburg von um 1750 unbekannt. Vermutlich Umkreis von Christian Friedrich Glume (1714-1752). Das Original wurde 1817 und 1841 repariert. Aus dieser Zeit wohl auch die Plinthe mit Inschrift. Kopie von 1964. Die um 1750 mit größter Wahrscheinlichkeit in den Königlichen Bildhauerwerkstätten in Potsdam im Umkreis von Friedrich Christian Glume (1714-1752) geschaffene Figur der „Galathea“, nach Wimmer (1992, S. 42) um 1800 auch als „meerentsteigende Venus“ bezeichnet, gelangte als Geschenk König Friedrichs II. (gestorben 1786) an seinen jüngsten Bruder Prinz August Ferdinand (1730-1813) in den Park von Schloss Bellevue, wo sie spätestens 1795 (Wendland, 1993, S. 54 nach Bogdan Krieger, 1906, S. 119) am Ende der westlichen Lindenallee (heute Bereich des 1952 angelegten „Englischen Gartens“) in achsialer Ausrichtung auf das Schloss aufgestellt worden ist. Ob sich die Figur vorher auf dem 1776 angelegten Großfürstenplatz aufgestellt befunden hat, wie zeitweise der 1765 aus Potsdam nach Berlin geschaffte „Herkules Musagetes“ oder auch die später zum „Floraplatz“ gebrachte „Flora“ („Pomona“; deren Kopie sich seit 1977 im „Rosengarten“ befindet), ist nicht gesichert. Folkwin Wendland hat 1993 die Vermutung geäußert, dass die „Galathea“ bereits im Garten des erst 1937 abgerissenen Wohnhauses von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (gestorben 1753) gestanden hätte, der sich im Bereich des später angelegten Schlossparks befunden hatte. Eine Quelle zu dieser Vermutung gibt Wendland jedoch nicht an. Wendland berichtet an gleicher Stelle anekdotenhaft, dass die nackte „Galathea“ von zeitgenössischen Besuchern fälschlich für das um 1788 aus dem Park von Schloss Friedrichsfelde in den Park von Schloss Bellevue übertragene Denkmal der Erzieherin der Prinzessin Louise, Frau von Bielefeld, gehalten worden sei (Wendland, 1993, S. 68; dieses Denkmal ist nicht erhalten). 1817 war eine Reparatur der Skulptur notwendig. Bei dieser Gelegenheit wurde der Sandstein farbig (vermutlich monochrom grau oder steinfarben, wie für die Leuchterfiguren am Aha belegt) gefasst. Ein anonymes Gemälde, entstanden um 1840, zeigt eine „Tiergartenlandschaft“ mit einer Figur, die der „Galathea“ sehr verwandt formuliert ist (Wendland, 1993, S. 138 mit Abb. 87). 1841 wurde sie an Händen und Füßen beschädigt und wieder hergestellt. Beschädigungen an den Skulpturen im Tiergarten wurden schon seit Ende des 18. Jahrhunderts aktenkundig (Wendland, 1993, S. 54-55). 1964 wurde das Sandsteinoriginal in das Schloss Charlottenburg verbracht und im Park an neuem Aufstellungsort eine Kopie von der Hand Harald Haackes aufgestellt (Jörg Kuhn).
Maße
gesamtHöhe
Sockel mit Figur
43 m
SockelLänge1 m
Breite1 m
Verwendete Materialien
gesamtSandstein
Technik
gesamtbehauen
gemeißelt
Inschriften
Inschrift (eingemeißelt)
an der Plinthe
GALATÉE
ZustandZeitpunkt
gesamtgut, Kopie2003
Vollständigkeit
vollständigKopie

  Nachweise

  • Endlich, Stefanie: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin, 1990, S. 175.
  • Wirth, Irmgard: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Bezirk Tiergarten, Berlin, 1955, S. 127-128.
  • Reclams Kunstführer Berlin, Stuttgart, 1991, S. 199.
  • Badstübner-Gröger, Sibylle: Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Berlin, München, 2000, S. 427.
  • Wendland, Folkwin: Der Große Tiergarten in Berlin, Berlin, 1993, S. 54, 68, 246.
  • Krieger, Bogdan: Das Königliche Schloß Bellevue bei Berlin: Und Sein Erbauer, Prinz Ferdinand von Preußen, Berlin, 1906, S. 119.
  • Lesser, Katrin: Gartendenkmale in Berlin, Parkanlagen und Stadtplätze , 2013, S. 194-197, 536.

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