Faun

Faun

Foto: Jürgen Tomisch und Barbara Anna Lutz, 2020, CC-BY-4.0

Der dominante Schmuckbrunnen besteht aus zwei plastisch geformten Teilen: einem Brunnenrondell, aus dem eine biomorphe Faun-Figur – ein Mischwesen aus Mensch, Tier und Pflanze – tanzend aus dem Brunnenwasser emporsteigt. Beide Brunnenelemente bestehen aus stabilen Formteilen aus lackiertem glasfaserverstärkten Kunststoff (GFK), wobei die kreisrunde Brunnenabdeckung – eine gebrochene Kunststoffscheibe – modular konzipiert ist, so dass ihre Formstücke leicht ausgetauscht werden können. Sie setzt sich asymmetrisch aus sieben unterschiedlich großen, offenen, gebogenen Segmenten zusammen, aus deren Schnittpunkt die Faun-Figur sich mit schmalen Bein in einem springenden Bewegungsfluss erhebt (Vgl. Schönfeld, 2004, H. 51, S. 29).Das Wasser strömt am Rand des Rondells ein und wird spiralförmig auf den Rippen der Kreissegmente zu einem kleinen Becken am Fuße der Faun-Figur geführt. Dadurch bleibt „das Fließen des Wassers am Beckenrand zwar hörbar (…), entzieht sich jedoch der unmittelbaren Fühlung.“ (Ders. S. 29). Durch die Beschichtung des Beckenbodens mit einem blauen Noppen-Kunststoff entsteht die optische Illusion von Wasser. Während die Brunnenabdeckung einen hellgrünen Anstrich hat, hebt sich von ihr dunkelgrün lackiert der Faun deutlich ab. Fantasievoll und fantasieanregend ist der stromlinienförmige Körper des Fabelwesens mit weißen Flecken bedeckt. Er „wirkt wie ein tanzender oder hüpfender Mensch, der nur einen Arm hat, dessen zweites, kürzeres Bein wie ein rankender Pflanzentrieb aussieht und der ein unsymmetrisches Geweih auf dem Kopf trägt. »Ich möchte gar nicht, dass die Skulptur identifizierbar ist«, sagt der Künstler dazu. Ihn fasziniere das Groteske, die Mischung aus Tier, Mensch und Pflanze.“ (Wickerath, Stephanie: Ein Waldgott für die Berliner. In: Kölner Stadt-Anzeiger 29.03.2003)
(Jürgen Tomisch, Barbara Anna Lutz)

Fakten

Werkdaten

Schaffende/Datierung

Laskowski, Stefan (Künstler:in)
2003, in Zusammenarbeit mit dem Architekten Mark Braun

Objekt­geschichte

Die Neugestaltung des zentralen Stadtplatzes mit einem Brunnen als städtebauliche Dominante erfolgte 2001-2003 im Rahmen der Wohnfeldverbesserung im Märkischen Viertel, die zu einer qualitativen Aufwertung des Wohngebiets und Verbesserung des städtischen Außenraums führen sollte (Die Gestaltung des Platzes übernahm das Büro Neumann Gusenburger, Landschaftsarchitekten). Der Platz bot wenig Aufenthaltsanreize, war von Hochbeeten und Betonmauern zugestellt und sein Mobiliar stammte noch aus den 1970er Jahren. Markanter Teil der urbanen Aufwertung des Platzes sollte ein künstlerisch gestalteter Brunnen werden, dessen Finanzierung die im Märkischen Viertel wirkende Wohnungsbauge-sellschaft GeSoBau übernahm. Sie hatte anlässlich ihres hundertsten Gründungstages im Jahr 2000 von der Fernheizwerk Märkisches Viertel GmbH einen Betrag von 250.000 Euro als Geschenk erhalten, den sie zu Verfügung stellte. Zur Gewinnung eines Brunnenentwurfs schrieb die Gesellschaft 2001 einen Wettbewerb unter elf Künstlerinnen und Künstlern aus. Es gewann der Berliner Fritz Balthaus, dessen Entwurf „aber den im Vorfeld geäußerten repräsentativen Ansprüchen des Auslobers widersprach“ (Schönfeld, 2004, H. 51, S.28). Stattdessen beauftragte die GeSoBau zwei eng mit ihr zusammenarbeitende Planungsbüros mit der Entwicklung neuer Brunnen-Entwürfe. 2002 wurde entschieden, das Konzept des Berliner Architekturbüros Mark Braun und des Kölner Künstlers Stefan Laskowski zu realisieren. Ihr Entwurf traf eher die Wünsche der Wohnungsbaugesellschaft auf „eine neue städtische Attraktion“ wie auch „eine in den Platz integrierte Großform, die den neuen städtebaulichen Raum prägen soll“, so der Wortlaut der Ausschreibung (Ders.). Während Stefan Laskowski die bildhauerische Formgebung der Brunnenfigur – ein faunartiges Fabelwesen – übernahm, war das Büro Braun für Planung und Ausführung des Brunnens verantwortlich. Für das Wasserbecken entwarf Mark Braun ein Rondell, das sich aus modularen Formstücken zusammenfügt. Dabei wurde die Form durch einen terrestrischen Laserscan in ein dreidimensionales Computerraster übersetzt. Alle plastischen Brunnenteile stellte man aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) her, wobei die Elemente der Faun-Figur in den Werkstätten der Bonner Firma Pützer Kunststofftechnik entstanden (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Brunnenanlagen_im_Berliner_Bezirk_Reinickendorf). Der fertige Brunnen wurde am 20. Juni 2003 eingeweiht. (Jürgen Tomisch, Barbara Anna Lutz)

Maße

(Figur)
Höhe
(Becken)
Durchmesser

7 m

9.8 m

Verwendete Materialien

Kunststoff (gesamt) (Materialarchiv) , glasfaserverstärkt (sog. GFK)
Granit (Pflasterung) (Materialarchiv)

Technik

geformt (gesamt)
farbig gefasst
Mosaik (Pflasterung)
verlegt

Inschriften

Hinweisschild (gefäßt, vertieft)
vor dem Objekt in das Pflaster eingelassen
»Kein Trinkwasser; Baden, Betreten und Beklettern untersagt«

Tafel
»DIESE BRUNNENANLAGE IST GESTIFTET VOM / FERNHEIZWERK MÄRKISCHES VIERTEL GMBH / FÜR DIE BEWOHNER DES MÄRKISCHEN VIERTEL[!] / ANLÄSSLICH DES / 100. GEBURTSTAGES DER GESOBAU AG / ARCHITEKT: MARK BRAUN ARCHITEKTEN / KÜNSTLER: STEFAN LASKOWSKI / EINGEWEIHT IM JUNI 2003«

Zustand

beschädigt (Brunnenbecken, 2020), Beschichtung (Löcher; z.T. repariert)
ausgeblichen (Farbeinfassung, 2020)
abgetragen (2020)
repariert (Figur, 2020), größere Reparaturstellen

Vollständigkeit

vollständig


Ihre Information ist gefragt

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir aus Kapazitätsgründen nur in Ausnahmefällen und ausschließlich bei wissenschaftlichem Interesse Fachfragen zur Bildhauerkunst beantworten können.