Denkmal für Karl Klinke

Denkmal für Karl Klinke

Foto: Susanne Kähler, 2014, CC-BY-4.0

Auf einem rechteckigen Unterbau aus gelbem Klinker steht der zweistufige Sockel aus geschliffenem bayerischem Granit. Darauf steht die krass naturalistisch gestaltete Bronzefigur des Pioniers Klinke auf rechteckiger Plinthe in breiter Schrittstellung. Der zum Schanzensturm „ausgerüstete Pionier steht zwischen zersprengten Schanzenkörben auf der zerbrochenen dänischen Fahne („Danebrog“ JK), die linke Hand auf die Todeswunde gepresst“ (Bau- und Kunstdenkmäler, 1971). Mit der Rechten scheint er sich auf sein Gewehr zu stützen und sinkt langsam nach hinten (Jörg Kuhn).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Wandschneider, WilhelmBildhauer_In1906-1908
Fa. GladenbeckGießerei
Actien-Gesellschaft Gladenbeck, Berlin-Friedrichshagen
Datierungshinweise
Einweihung am 31.05.1908; 1995 saniert
Objektgeschichte
Bei der für die deutschen Soldaten bei der Eroberung Alsens von entscheidender Bedeutung gewesenen Erstürmung der Düppelner Schanzen im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 starb der der vordersten Kolonne des brandenburgischen Füsilier-Regiments Nr. 35 zugewiesene Pionier Karl Klinke durch dänische Gewehrkugeln. Vorher hatte er mit dem Pionier Kitto einen 30 Pfund schweren Pulversack entzündet, den sie vom eigens ausgehobenen Graben aus gegen den Fuß der Palisadenreihe der Schanze II schleuderten. Bei der schnellen Explosion des Pulvers erlitt Klinke starke Verbrennungen. Der tödliche Schuss ereilte ihn, als er den Graben taumelnd verließ. Obgleich im amtlichen Bericht des Bataillonskommandeurs zum 18. April 1864 der Hergang der Erstürmung unter Nennung aller Namen der Beteiligten genau geschildert worden war, entstand auf der Grundlage zeitgenössischer, übertreibender Zeitungsberichte die Legende von der besonderen „Heldenleistung“ Klinkes. Dass Klinke bei der Erstürmung keine so herausragende Rolle, wie die Mär es wollte, gespielt hatte, wusste auch Theodor Fontane und verschwieg dies auch nicht bei der Darstellung der Geschehnisse um Klinke. Pionier Kitto wurde von Prinz Friedrich Karl von Preußen als „tapferster Soldat des III. Armeekorps“ geehrt und starb 1903 in Berlin als Polizist. All dies tat der Legende von Karl Klinkes „Heldentat“ keinen Abbruch. Am 27. Januar 1906, dem Geburtstag Kaiser Wilhelms II., erging von dem Verein der Kameraden des Pionier-Bataillons von Rauch (Brandenburgisches) Nr. 3 in Berlin an die ehemaligen Bataillonskameraden ein Aufruf, Geld für ein Denkmal zu Ehren Klinkes und zu Ehren der in den Reichseinigungskriegen zwischen 1864 und 1871 gefallenen Pionieren zu spenden. Als Aufstellungsort war der Kasernenhof der 1877-1879 errichteten Schülerberg-Kaserne an der Schönwalder Straße 52 vorgesehen. Da dieser Ort bald als ungeeignet erschien, wandte sich das gebildete Denkmalkomitee am 11. Oktober 1906 an den Magistrat der Stadt Spandau und bat um die Überlassung eines öffentlichen Platzes zur Aufstellung. Oberbürgermeister Friedrich Koeltze und die Stadtverordnetenversammlung wiesen dem Komitee einen Platz zu, der an der Schönwalder Allee nördlich des Fehrbelliner Tores lag und auf Kosten des Pionier-Bataillons erst von Fortifikationsbauten – darunter ein Blockhaus – beräumt und dann planiert werden musste. Am 13. April 1908 besichtigte der Schöpfer des Denkmals, Wilhelm Wandschneider, mit dem Bataillonskommandanten und einigen Offizieren den Ort und legten den Standort fest. Der Magistrat stimmte dieser Wahl am 24. April 1908 zu. Der Magistrat stellte dem Pionier-Bataillon Erde vom Festungswall östlich des Fehrbelliner Tores zur Verfügung und erhielt so kostengünstig einen planierten Platz (den Düppelplatz). Es ist davon auszugehen, dass die Bronzefigur bereits in der Gladenbeckschen Gießerei in Friedrichshagen gegossen worden war. Der Granitsockel konnte aus Bayern herangeschafft werden. Am 31. Mai 1908, also gegenüber dem geplanten Termin vom 18. April 1908 verspätet, fand die Einweihungsfeier statt. Am Beginn stand ein Gottesdienst in der Garnisonkirche an der Neuendorfer Straße. General von Bülow übernahm dann die Enthüllung. An der Feier nahmen auch die Tochter und die Enkelin Klinkes teil. 1937 wurde der Düppelplatz in Klinkeplatz umbenannt. 1995 fand eine Sanierung des Klinkedenkmals statt (Jörg Kuhn, Susanne Kähler).
Maße
FigurHöhe2.3 m
SockelHöhe
ohne Unterbau
2 m
gesamtHöhe4.3 m
Breite2 m
Tiefe2 m
Verwendete Materialien
FigurBronze
SockelGranit, aus Bayern
UnterbauKlinker, gelb
Technik
Figurgegossen
Figurpatiniert
gesamtmontiert
gesamtzusammen gefügt
Granitbehauen
Inschriftgemeißelt
Unterbaugemauert
Inschriften
Bezeichnung (gegossen)
an der Plinthe rechts
WANDSCHNEIDER 1908
Bezeichnung (gegossen)
an der Plinthe hinten
ACTIEN-GESELLSCHAFT-GLADENBECK / BERLIN-FRIEDRICHSHAGEN.
Inschrift (gemeißelt)
am Sockel vorne
UNSEREN IN DEN FELDZÜGEN VON / 1864, 1866 UND 1870/71 FÜR KÖNIG / UND VATERLAND SOWIE IN CHINA / UND SÜDWESTAFRIKA FÜR KAISER / UND REICH GEFALLENEN UND GE- / STORBENEN KAMERADEN IN SON- / DERHEIT PIONIER KARL KLINKE / DER 4. KOMP., WELCHER BEI DEM / STURM AUF DIE DÜPPELNER SCHANZEN / AM 18. APRIL 1864 SEINEN AUFOPFF- / ERUNGSVOLLEN HELDENTOD FAND / ZUM GEDÄCHTNIS / DEN BATAILLON IN TREUER ANHÄNG- / LICHKEIT ZUM 18. APRIL 1908 ZUGE- / EIGNET VOM VEREIN DER KAMERA- / DEN VOM PIONIER-BATAILLON VON / RAUCH (BRDBG.) No.3 ZU BERLIN
Inschrift (gemeißelt)
am Sockel, Rückseite
MIT TATEN SCHMÜCKT SICH TREUE / NICHT MIT WORTEN
ZustandZeitpunkt
gesamtverschmutzt2014
Bronzekorrodiert2014
Unterbauverschoben, Klinker teilweise2014
Fugenmaterialbrüchig2014
Umgebungverwildert, Hinterpflanzung ausgewuchert2014
Vollständigkeit
vollständigSanierung 1995

  Nachweise

  • Ingwersen, Erhard: Standbilder in Berlin, Berlin, 1967, S. 43, 94.
  • Jahn, Günther: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin. Stadt und Bezirk Spandau, Berlin, 1971, S. 353-354.
  • Weinland, Martina: Kriegerdenkmäler in Berlin 1870 bis 1930, Frankfurt am Main, 1990.
  • Endlich, Stefanie: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin, 1990, S. 109-110.
  • Ruchhöft, Bernd: Wilhelm Wandschneider. Leben und Werk eines Mecklenburger Bildhauers, Plau am See, 1992, S. Tafel IV.
  • Caspar, Helmut: Erinnerungsorte in Berlin. Führer zu Schauplätzen Deutscher Geschichte, Petersberg, 2008, S. 137-139.
  • Hübner, Holger: Das Gedächtnis der Stadt. Gedenktafeln in Berlin, Berlin, 1997, S. 242.
  • Berger, Ursel: Enthüllt: Berlin und seine Denkmäler: Zitadelle, Berlin, 2017, S. 52-53. Bd. II (Dokumentation)

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