Büste Friedrich Wolf

Büste Friedrich Wolf

Foto: Nicola Vösgen, 2019, CC-BY-4.0

Die Friedrich Wolf-Büste ist aktuell im 1. Obergeschoss der Anton-Saefkow-Bibliothek aufgestellt. Die überlebensgroße Büste mit dunkelbrauner Oberflächenfassung ist auf einem hohen schmalen Vierkantsockel mit einem Metallstift verankert. Das Porträt Friedrich Wolfs (23.12.1888 – 05.10.1953), Arzt und Schriftsteller, u.a. Verfasser des antifaschistischen Dramas „Professor Mamlock“, ist in realistischer Weise dargestellt. Der schmale Kopf mit zurückgekämmten Haaren, die große Nase und v.a. der markanten schmale Mund Wolfs ist im Stil des sachlichen Realismus gestaltet (Nicola Vösgen).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Engelhardt, LudwigKünstler_In1977-1984
Fa. BorchardtGießerei
die nach 1989 wieder privatisierte Gießerei Horst Borchardt
Datierungshinweise
1986 erste Aufstellung in der Karl-Lade-Straße, seit 2015 in der Anton-Saefkow-Bibliothek deponiert
Objektgeschichte
Der Bildhauer und Drake-Schüler Ludwig Engelhardt hat an der Büste von Friedrich Wolf in den Jahren 1972 bis 1976 gearbeitet, 1977 war das Modell fertig gestellt (Archiv der ADK, VBK-Künstlerbiographien 550). Sie war erstmals 1979 auf der Ausstellung „Junge Bildhauerkunst der DDR" im Dresdner Albertinum ausgestellt (Bronze, 45cm, datiert 1977). 1984 sind bei Borchert (sic!), Gießerei des VBK, zusätzlich zu zwei bereits vorhandenen, drei weitere Abgüsse des Portraits in Bronze bestellt worden. Als Aufstellungsorte für die fünf Büsten waren ursprünglich folgende Orte vorgesehen: „Berlin, Park am Fennpfuhl; Lehnitz bei Berlin, ehemaliges Wohnhaus von Friedrich Wolf, jetzt Friedrich-Wolf-Archiv; Neubrandenburg, Friedrich-Wolf-Theater; Ebersdorf, Bezirk Gera, Friedrich-Wolf-Oberschule; Oberrabenstein, Bezirk Karl-Marx-Stadt, im Erholungspark“ (Landesarchiv Berlin, C Rep. 735, Nr. 165, unpag.). Die Porträtbüste Wolfs im Fennpfuhl wurde am 05.10.1986 anlässlich des 33. Todestages Wolfs auf einer Grünfläche neben der nach ihm benannten Poliklinik Friedrich Wolf in der Karl-Lade-Straße eingeweiht. Sie stand auf einem hohen Sandsteinsockel, die Vorderseite trug Name und Lebensdaten. Die Enthüllung nahm Friedrich Wolfs Sohn Markus Wolf, damals Leiter des Ministeriums für Staatssicherheit, vor. Der Stadtbezirksbürgermeister Günter Milke würdigte in einer Ansprache Leben und Wirken Wolfs als Arzt, Schriftsteller und Dramatiker, der das auch heute noch gültige Wort „Kunst ist Waffe" prägte (o. V. "Büste von Friedrich Wolf in Berlin enthüllt", in: Neues Deutschland, 41. Jg., 6.10.1986, S. 4). Bereits im Januar 1987 war die Büste das erste Mal beschädigt, sie wurde kurzfristig eingelagert und im Oktober desselben Jahres wieder aufgestellt. Weitere Beschädigungen folgten 1990 und 1993. Zu diesem Zeitpunkt - die Büste stand immer noch neben der Poliklinik - war die Verankerung zwischen Kopf und Sockel verbogen. In der Folgezeit wurde sie deshalb vom Umweltamt Lichtenberg sichergestellt. Nach ihrer Restaurierung wurde die Büste am 4. Juli 2008 erneut vor der Klinik in der Karl-Lade-Straße aufgestellt, die mittlerweile den Namen Gesundheitszentrum Polikum trug (ague: "Friedrich Wolf enthüllt. Endlich hat die Büste wieder ihren Platz", in: Lichtenberg-Hohenschönhausener, 2008, Ausgabe 7A, o. S.). 2011 übergab der Bürgerverein Fennpfuhl eine Tafel, die an das Schaffen Wolfs erinnerte (m.k.: "Ehrung für Friedrich Wolf. Bürgerverein initiierte Erinnerungstafel im Polikum Fennpfuhl", in: Berliner Woche, 05.01.2011). Wegen Renovierungsarbeiten musste sie im Herbst 2014 eingelagert werden. Im Dezember 2015 gelangte die Büste an ihren derzeitigen Standort in der Anton-Saefkow-Bibliothek am Anton-Saefkow-Platz 14 (KW: "Die Büste von Friedrich Wolf hat neuen Stammplatz", in: Berliner Woche, vom 25.12.2015). Laut Information der Bibliotheksleitung haben in letzter Zeit keine Restaurierungen stattgefunden. Eine der 1984 gegossenen Büsten Wolfs war 1987 auf der Ausstellung „Bildhauerkunst aus der Deutschen Demokratischen Republik“ in Bonn, München und Mannheim ausgestellt. Laut einer Beschreibung und Fotografien wies die Oberfläche ursprünglich eine hell bronzene Patinierung auf. Aufgestellt wurden die vier weiteren Friedrich-Wolf-Büsten in Zusammenhang mit Ehrungen zum 100. Geburtstag von Wolf: im Friedrich-Wolf-Theater in Eisenhüttenstadt (Juni 1988), in Lehnitz vor dem Wohnhaus Wolfs (Dezember 1988), im Sanatorium „Dr. Friedrich Wolf" in Bad Klosterlausnitz (Dezember 1988) und auf dem Theaterplatz in Neustrelitz (Februar 1989). Bereits seit Mai 1976, als die Poliklinik Friedrich Wolf in der Karl-Lade-Straße eröffnet wurde, stand im Foyer der Klinik eine Friedrich-Wolf-Büste auf hohem Sockel. An der dahinter liegenden Wand befand sich ein Zitat von Wolf „KEIN GRÖSSERES VERBRECHEN GIBT ES ALS NICHT KÄMPFEN WOLLLEN, WO MAN KÄMPFEN MUSS. FRIEDRICH WOLF“ (Maur, 1982). Diese Büste war von dem Potsdamer Bildhauer und Grafiker Walter Bullert (24.05.1895, Potsdam - 28.2.1986, ebd.) bereits 1954 geschaffen worden. Sie wurde in Zusammenhang mit der Aufstellung der neuen Wolf-Büste von Ludwig Engelhardt im September 1986 im Büro für architekturgebundene Kunst in Berlin Buch eingelagert (Verbleib derzeit unbekannt). Von dieser Büste existierten mindestens zwei weitere Abgüsse: im Kultursaal des Kreiskrankenhaus „Friedrich Wolf“ in Hennigsdorf (1954 aufgestellt) sowie in der 27. POS „Friedrich Wolf“ in Potsdam (Nicola Vösgen).
Maße
SockelHöhe1.06 m
SockelBreite0.245 m
SockelTiefe0.24 m
BüsteHöhe0.46 m
BüsteBreite0.23 m
BüsteTiefe0.28 m
Verwendete Materialien
BüsteBronze
SockelSandstein
Technik
Büstegegossen
Sockelbehauen
Inschriften
Inschrift (eingemeißelt, ausgelegt)
am Sockel, Vorderseite
FRIEDRICH / WOLF / 1888 / 1953
ZustandZeitpunkt
alt gereinigt2019
Vollständigkeit
vollständignach Sanierung 2008

  Nachweise

  • Endlich, Stefanie: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin, 1990, S. 257-258.
  • Goder, Ernst: Plastiken, Denkmäler, Brunnen in Berlin: Gesamtverzeichnis, Katalog, Berlin, 1993, S. 29.
  • Brösicke-Istok, Sylvia: Plastiken, Denkmäler und Brunnen im Bezirk Lichtenberg, Berlin, 1993, S. 18.
  • Maur, Hans: Mahn-, Gedenk- und Erinnerungsstätten der Arbeiterbewegung in Berlin-Lichtenberg, Berlin, 1982, S. 110.
  • Klother, Eva-Maria: Denkmalplastik nach 1945 bis 1989 in Ost- und Westberlin, 1998, S. 144-145.
  • Protzmann, Heiner: Junge Bildhauerkunst der DDR : zum 30. Jahrestag d. Dt. Demokrat. Republik ; Ausstellung im Albertinum, Dresden, 1979, S. 28. im Beitrag "Plastische gestaltung unseres humanistischen Menschenbildes" von Magdalena George

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