Borussia

Borussia

Foto: Susanne Kähler, 2005, CC-BY-4.0

Die „Borussia-Anlage“ liegt auf dem Hügelkamm einer mächtigen, hier etwa 25 Meter hohen „Wannseedüne“ auf leicht ansteigendem Gelände. Eine zwei-etagige Architektur in der Formensprache der Italienischen Spätrenaissance (Manierismus) trägt den bankumrandeten Sockel einer überlebensgroßen Borussiafigur. Diese Figur ist stilistisch und formal ein typisches Werk eines frühkaiserzeitlichen Neubarocks. Auf der vorkragenden Deckplatte des Pfeilers steht die aus hellem Kalksandstein gemeißelte Borussia in antikisierend-barock formulierter Kleidung auf einer quadratischen Plinthe. Ob es sich bei der Borussiafigur um eine Adaption einer konkreten barocken Figur handelt, konnte bisher nicht belegt werden. Die in einer leichten Ponderation mit vorgeschobenem rechten Knie stehende weibliche Allegorie Preußens trägt über dem massigen Untergewand einen Überrock, der im Bereich der Hüfte durch ein Lederband gestaucht wird. Darüber trägt sie am Oberkörper eine Art eng anliegendes Lederkoller, dessen Form sich den üppigen Körperformen insoweit anzupassen scheint, als dass es die wohlgeformten Brüste deutlich hervortreten lässt. Die Stoffmassen des Übergewandes kommen unter dem Lederkoller im Bereich der an der Schulter ansetzenden Armausschnitte in gebauschter und zierreich abgesteppter Stauchung hervor. Ein faltenreicher Gewandbausch begleitet den linken Oberarm rückseitig. Die Arme sind sonst unbekleidet. Der linke Arm ist unterhalb des Ellenbogens abgebrochen. An dieser Seite wird unterhalb der Gürtung an der Seite vorne ein Stoffbeutel mit abhängender kleiner Quaste sichtbar. Der rechte Arm ist ohne Attribute in angewinkelter seitlicher Haltung herabgeführt und die zugehörige Hand hält den zusätzlich zur übrigen Bekleidung noch der Figur umgelegten bodenlangen Mantel dergestalt, dass die Stoffmassen in kaskadenartiger Fältelung herabhängen. Der Mantel ist unterhalb des Halses geschlossen. Der frontal zum See ausgerichtete Kopf (von Hans Starcke 2005 neu geschaffen) ist bekränzt (Jörg Kuhn).

Fakten

Werkdaten

Schaffende/Datierung

Luerssen, Eduard (Künstler:in)
1880

Luerssen, August (Künstler:in)
Sputh, Ernst (Architekt:in)
Wimmel, Paul (Steinmetz:in)
Firma Wimmel & Co. Lehrter Straße 18, Berlin-Moabit

Rasche, Paul (Architekt:in)
Partner der Firma Wimmel

Starcke, Hans (Bildhauer:in der Sanierung)
2005-2006

Datierungs­hinweise

2005-2006 ergänzt, Gesamtanlage bis 2009 ergänzt

Objekt­geschichte

Ursprünglich zwei separat auf der Berliner Gewerbeausstellung 1879/80 (Treptower Park) aufgebaute Kleinarchitekturen, die Borussia-Anlage nach Entwurf des Architekten und Kunstgewerblers Ernst Sputh. Nach Ende der Ausstellung vermutlich Erwerb und Kombination durch den Bauherren der Villa Wildt, den Unternehmer Emil Otto Wild. Aufstellung über dem schon vorhandenen Eiskeller im Park der 1875 errichteten Villa Wildt Am Sandwerder 1. 1975 Teilung des Privatparks in den Garten der Villa Wildt (Hundertmark) und einen öffentlichen Park. Danach beginnende starke Vandalisierung der gesamten Anlage, die nach 1990 zur fast völligen Zerstörung führten. Deponierung wichtiger Architektur- und Figurenteile auf dem Werk- und Lagerstützpunkt Nibelungenstraße. Wiederherstellung im Auftrag der Denkmalpflege durch Hans Starcke u.a. ab 2005 (2009 abgeschlossen). Aufwändige Kaschierung der Graffitischäden durch Kunstmalerei im Bereich der eingelassenen Schmuckplatten des Steinsophas u.a. In jüngerer Zeit wieder beginnende Vandalismus-Schäden an der Figur der Borussia (Hand, Nase) und der Architektur. 2013 Wiederaufstellung eines kolossalen Bismarck-Kopfes (nach dem Bismarck-Denkmal von Reinhold Begas im Großen Tiergarten am Großen Stern) aus der Zeit um 1903 im Park unweit der Borussia (Jörg Kuhn).

Inschriften

Tafel (eingelassen, eingemeißelt)
am Sockel der Borussia
»P. WIMMEL P. RASCHE / Hofsteinmetzmeister / ED. LUERSSEN A. LUERSSEN / Bildhauer / E. SPUTH / Architekt.«

Bezeichnung (eingelassen, eingemeißelt)
am Objekt, Rückseite
»P. WIMMEL & CO. / Königlicher Hof-Steinmetz-Meister / Berlin N. W. Lehrter Strasse 18«

Bezeichnung
ehem. nördlicher Treppenbereich
»P W / 1776«

Zustand

saniert (2009), 2005-2009
beschädigt (2018)
beschmiert (2018)
verschmutzt (2018)

Vollständigkeit

unbekannt


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