Vier Trauernde

Vier Trauernde

Foto: Susanne Kähler, 2009, CC-BY-4.0

Auf dem Vorplatz des Krematoriums Wilmersdorf stehen als flankierender Schmuck vier etwa lebensgroße weibliche Figuren. Je zwei sind identisch formuliert. Zwei knien, zwei sitzen auf rechteckigen Sockeln, alle bekleidet mit stilisierten antikisierenden fließenden Gewändern, die die Arme unbedeckt lassen. Die trauernd gesenkten Häupter liegen in den vor der Brust verschränkten Armen. Bei einem Figurentyp sitzt die Trauernde auf dem rechten Unterschenkel, das linke Bein angewinkelt gehalten, der linke Fuß aufgestellt. Die glatten langen Haare liegen am Rücken auf. Der zweite Figurentyp zeigt eine kniende Figur. Auf ihrer rechten seite ist eine verlöschende Fackel, Symbol des verlöschenden Lebens, aufgestellt. Sie dient der Figur als Stütze. Die schulterlangen, gescheitelten Haare sind mit einem Stirnband zusammen gebunden. Die fließenden Linien aller vier Figuren unterstreichen die zeittypische Stilisierung der Formen. Zugehörig ist im Giebel der Vorhalle des Krematoriums ein Muschelkalksteinrelief mit der Darstellung des Chronos als Personifikation der rasend enteilenden Lebenszeit mit zwei vom Tod erfassten Menschen. (Jörg Kuhn)

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Encke, EberhardBildhauer_In1922
Herrnring, OttoArchitekt_In
Objektgeschichte
Der städtische Friedhof Wilmersdorf wurde 1885/86 angelegt und ist bis 1919 mehrfach erweitert worden. Die von Max Contag und Christian Havestadt 1890 errichtete Friedhofskapelle ist heute nicht mehr erhalten. Das Krematorium wurde in den Jahren 1919 bis 1923 nach Plänen des Architekten und Stadtbaurats Otto Herrnring (1858 bis 1921) gebaut. Es handelte sich damals um die größte derartige Einrichtung. Der mit einer hohen Kuppel bekrönte Zentralbau wird von zwei seitlichen Flügeln flankiert, sichtbare Schornsteine wurden bei der Errichtung vermieden. Eine breite Freitreppe führt von dem Ehrenhof zum Eingang, d. h. zunächst zu einer offenen, vorgelagerten Wandelhalle. Die Anlage mit Feierhalle und ausgedehnten Kolumbarien bietet Platz für 600 Trauernde. Der Bildhauer Eberhard Encke ist sowohl der Schöpfer der vier freiplastischen Trauenden, die Gegenstand dieser Untersuchung sind, als auch des marmornen viereckigen Reliefs, das auf dem dreieckigen Giebelfeld oberhalb des Haupteingangs appliziert ist. Es trägt den Titel „Die eilende Zeit“. Dargestellt ist ein rennender Chronos im Profil, bärtig, mit einer Sanduhr in der Rechten, mit einer Tunika bekleidet, rechts und links von ihm angeordnet sine eine eine schwebende männliche und eine schwebende weibliche Gestalt, offenbar die Seelen der Verstorbenen, die zum Himmel streben. (Jörg Kuhn, Susanne Kähler)
Verwendete Materialien
gesamtMuschelkalk
Technik
gesamtbehauen
ZustandZeitpunkt
gesamtverschmutzt2009
verwittert2009
Ausflickungen, diverse2009
Vollständigkeit
vollständigmit Ausflickungen

  Nachweise

  • Berlin und seine Bauten, Teil X, Band A Anlagen und Bauten für Versorgung (3) Bestattungswesen, Berlin, 1981, S. 76-77, 116-117.
  • Reclams Kunstführer Berlin, Stuttgart, 1991, S. 316.
  • Endlich, Stefanie: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin, 1990, S. 197.

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