Tuilerien-Säule

Tuilerien-Säule

Foto: Susanne Kähler, 2005, CC-BY-4.0

Das Monument „Tuilerien-Säule“ erscheint als künstliche Ruine über einem etwa T-förmigen Grundriss. In ein gesockeltes, teilweise verputztes Mauerstück mit fragmentiertem Rundbogen, errichtet aus vordringlich gelblichem, teilweise in unteren Partien auch rötlichem Klinkermauerwerk und unter Aussparung unregelmäßig umrahmter Fehlstellen grob verputzt, sind viele bauplastische Spolien aus hellem Kalkstein (und Marmor?) eingefügt, nämlich ein korinthisierendes Kapitell auf einer stark abgewitterten, kannelierten Säule (mit möglicherweise nicht zugehöriger Basis), ein antikisch verziertes Gesimsstück, der Rest einer ornamental verzierten Laibung, eine Konsole, ein Widderkopf aus einem Fries, ein weiteres Friesteil mit der Darstellung eines Füllhorns, aus dem aufgeplatzte Granatäpfel quellen und anderes. Das im oberen Bereich über dem Kapitell eingelassene Gesimsstück ruht auf drei Eisenträgern. Das Kapitell ist offensichtlich der Rest eines verkröpften Doppelkapitells. Die Spolie links der Säule zeigt neben Kannelierung vertikal verlaufende Ornamentbänder, bestehend aus Blüten, Akanthus, Efeu, Weinlaub und Beerenfruchtständen im Wechsel. Auf der zum See gewandten Seite ist eine einfach profilierte steinerne Sitzbank über zwei gemauerten und ungegliedert verputzten Klinkerkuben vorgelegt. In den Sockelbereich der Säule sind zwei Inschriftentafeln eingefügt. Auf der zum Weg hin gerichteten Seite ist eine Inschriftentafel eingelassen. Die an den Ecken leicht vorkargend gebildete Tafel aus Sedimentgestein (Marmor oder Sandstein) zeigt in den vier Ecken durch Ritzung angedeutete Rundfelder, die Nagelköpfe vorstellen sollen. Auf der Seeseite, unmittelbar über der Sitzbank, ist auf der heute rechteckig, bis 2003 in unregelmäßig gerandeter Vertiefung eine Tafel mit Inschrift eingelassen (Jörg Kuhn).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
L'Orme, Philibert deArchitekt_In1884
des Herkunftsgebäudes der Spolien in Paris
Datierungshinweise
mit Spolien aus der Zeit um 1564-1571
Objektgeschichte
Schwanenwerder, bis 1901 Cladower Sandwerder genannt, ist eine im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts angelegte Wohnkolonie auf einer Insel zwischen Havel und Großem Wannsee im Bereich Grunewald und gehört seit 1920 zum Bezirk Zehlendorf. 1882 durch den Industriellen und Unternehmer Friedrich Wilhelm Wessel (1830-1898; Mitinhaber der Berliner Lampenfabrik Wild & Wessel) erworben, entstand im Laufe der folgenden Jahrzehnte dort durch eine umfassende gartenarchitektonische und architektonische Gestaltung einer der exklusivsten Wohnbereiche im nahen Umfeld der deutschen Reichshauptstadt. Eine der ersten Schmuckarchitekturen, die Wessel zur Verschönerung der Insel errichten ließ, ist die heute noch erhaltene „Tuilerien-Säule“. Die Kleinarchitektur von 1884 wurde durch die Gartendenkmalpflege Berlin in Kooperation mit der v.-Hinkeldey-Stiftung (Deutsche Polizei-Stiftung, 1993 wieder begründet) 2001-2003 wiederhergestellt (Jörg Kuhn).
Verwendete Materialien
SpolienKalkstein
Ziegelstein
TafelMarmor, ?
Kunststein
TafelSyenit
Eisen
Technik
gemauert
verputzt
zusammen gefügt
Inschriften
Inschrift (eingelassen)
am Sockel, Vorderseite
FRAGMENTE / DER / TUILERIEN. / 1564-1871
Inschrift (eingelassen)
am Sockel, Rückseite
DIESER STEIN VOM SEINESTRANDE / HERGEPFLANZT IN DEUTSCHE LANDE / RUFT DIR, WANDERER MAHNEND ZU: / GLÜCK, WIE WANDELBAR BIST DU
ZustandZeitpunkt
gut, Sanierung 2001-20032005
Vollständigkeit
vollständig

  Nachweise

  • Endlich, Stefanie: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin, 1990, S. 219.
  • Badstübner-Gröger, Sibylle: Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Berlin, München, 2000, S. 540. Ausgabe 2000
  • Ausstellung Villenkolonien in Wannsee 1870 - 1945, Großbürgerliche Lebenswelt und Ort der Wannsee-Konferenz 2000, Berlin: Villenkolonien in Wannsee 1870 - 1945 : großbürgerliche Lebenswelt und Ort der Wannsee-Konferenz, Berlin, 2000.
  • Brasch, Georg: Das Wannseebuch (Reprint), Berlin, 2010.
  • Wolff, Karl: Wannsee und Umgebung : Klein-Glienickes Schlösser u. Park , Pfaueninsel, Berlin, 1978.
  • Heinisch, Tilmann Johannes: Colonie Alsen : ein Platz zwischen Berlin und Potsdam, Berlin.
  • Curth, Roland; Bilang, Karla: Geschichtslandschaft Berlin - Orte und Ereignisse, Bd. 4. Zehlendorf, Berlin, 1992, S. 412-428, besonders S. 414. Abb. 74

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