Sägebock

Sägebock

Foto: Nicola Vösgen, 2019, CC-BY-4.0

Im südlichen Bereich des Fennpfuhlparks steht vor der Villa Fennpfuhl, dem ehemaligen Standesamt Lichtenberg, direkt an der Karl-Lade-Straße, der bronzene Abguss eines originalen alten Sägebocks, dekoriert mit einem Holzstamm in Anlehung an die ursprüngliche traditionelle Nutzung im Rahmen von Trauzeremonien (Nicola Vösgen).

Fakten

Werkdaten

Schaffende/Datierung

Krepp, Siegfried (Bildhauer:in)
1987

Fa. Lauchhammer (Gießerei)
VEB Lauchhammer in Lauchhammer

Datierungs­hinweise

1988 aufgestellt

Objekt­geschichte

Es ist ein alter, ursprünglich aus Süddeutschland stammender Brauch, dass Braut und Bräutigam nach der Trauung gemeinsam einen auf einem Sägebock liegenden Holzstamm zersägen. Als Werkzeug dient eine Schrotsäge, bei der es darauf ankommt, stets abwechselnd zu ziehen, damit sie sich nicht verklemmt. Der Baumstamm symbolisiert dabei das erste große Hindernis, das dem Brautpaar den Weg in die Ehe versperrt und das sie mit vereinten Kräften gemeinsam aus dem Weg räumen sollen. In einer Beratung die „Konkretisierung bezüglich Plastiken im Freiraum“ betreffend wurde bereits im Januar 1986 unter dem Punkt „Beauftragung von neuen Plastiken“ beschlossen worden, dass für eine Aufstellung “vor dem Standesamt an der Karl-Lade-Straße (Bronzeabguss eines Sägebocks)“ beauftragt werden solle (vgl. Doku Heimatmuseum Lichtenberg). Offenbar war der Sägebock dringend gewünscht, denn bereits in der nächsten Besprechung im Februar 1986 wurde vermerkt „Für den Abguss des Sägebocks ist noch ein „urwüchsiges“ Original zu finden. Die Kapazitäten für den Abguss sind umgehend zu sichern“ (vgl. Doku Heimatmuseum Lichtenberg). Bei der anschließenden Besprechung im März 1986 war der Sägebock bereits vorhanden und sollte vom Kollegen Krepp bis zum 30.04.1986 zum Abguss in den VEB Schwermaschinenbau Lauchkammer geliefert werden. In einem Schreiben des Magistrats vom 04.08.1987 ist festgehalten, dass die Rechnung der Gießerei Lauchhammer für den Sägebock über 5350 Mark der DDR nun bezahlt worden sei und dass der Sägebock ab dem 16.07.1987 zur Abholung bereit stehen würde (vgl. Landesarchiv Berlin, C Rep. 735, Nr. 192, unpag.). In einer Niederschrift des Büros für architekturgebundene Kunst vom 17.05.1988 ist in der Schlussbemerkung festgehalten, dass „An das Kombinat Grünanlagenbau die Bitte gerichtet (wurde), bei der Aufstellung der Plastik(en) (…) Sägebock durch Leistung behilflich zu sein, um schnellstens eine endgültige Situation zu erreichen“ (vgl. Landesarchiv Berlin, C Rep. 735, Nr. 64, unpag.). Die Villa, in deren Garten die Plastik steht, war 1905/1906 von dem Gärtnereibesitzer Schultz erbaut worden. Bei der Anlage des neuen Wohngebiets am Fennpfuhl diente sie zwischen 1972 und 1984 als Sitz der Bauleitung. Von 1986 bis April 2007 befand sich hier das Standesamt des Rathauses Lichtenberg. Das denkmalgeschützte Gebäude ist im Herbst 2007 von einem Catering-Unternehmer erworben worden, der die Villa für stilvolle Familienfeiern umgestaltet hat. Seit Februar 2008 können hier in Absprache mit der Bezirks-Verwaltung auch wieder Hochzeiten stattfinden. Die frischen Sägespuren am Metall des Sägebocks belegen, dass der alte Brauch hier immer noch durchgeführt wird. (Nicola Vösgen)

Maße

(Bronze)
Höhe
(Bronze)
Breite
(Bronze)
Tiefe

m

0.9 m

0.86 m

Verwendete Materialien

Bronze (Materialarchiv)

Technik

gegossen

Zustand

korrodiert (Querverbindung, 2019)
beschädigt (Mittelholm, 2019), Sägespuren

Vollständigkeit

vollständig, Holzstamm modern


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Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir aus Kapazitätsgründen nur in Ausnahmefällen und ausschließlich bei wissenschaftlichem Interesse Fachfragen zur Bildhauerkunst beantworten können.