Reliefs

Baugebundene Kunst

Reliefs

Foto: Nicola Vösgen, 2023, CC-BY-4.0

Weitere baugebundene Kunst (2)

Gebäude der baugebundenen Kunst

Ullsteinhaus

Gebäude der baugebundenen Kunst

Bauplastische Arbeiten betonen insbesondere die drei Eingänge des Ullsteinhauses und die Gebäudeecken.
Oberhalb des Haupteingangs am Mariendorfer Damm befinden sich drei dreiteilige Reliefs mit je einer zweifigurigen Gruppe in zeitgenössischer Kleidung zwischen breiten Ornamentstreifen. Seitlich des Eingangs sind die Ecken mit zwei Hochreliefs geschmückt, die je zwei weibliche Figuren mit fließenden Gewändern zeigen.
Die Tordurchfahrt in der Ullsteinstraße schmückt ein großer Schlussstein mit zwei sitzenden, gemeinsam in ein Buch blickenden Männern. Daneben zwei Flachreliefs mit einer liegenden weiblichen und männlichen Gestalt.
Besonders reich verziert ist der ehemalige Arbeitereingang am Teltowkanal. Oberhalb des Sockels befinden sich zwei große Reliefs mit je zwei lesenden sitzenden Figuren. In der Eingangsvorhalle sind drei Kopfplastiken unterhalb der Fenster eingelassen.
An den Ecken zum Mariendorfer Damm befinden sich Kragfiguren in Form von Köpfen in Höhe des ersten Gesimsbandes. Direkt darüber, aber in Höhe des Hauptgesimses, markieren vier weibliche Figuren in der Form mittelalterlicher Wasserspeier die Gebäudeecken (Nicola Vösgen).

Fakten

Werkdaten

Schaffende/Datierung

Gerstel, Wilhelm (Bildhauer:in)
1926-1927, Modelle; ebd. und Schüler: Ausführung bea

Objekt­geschichte

Für sämtliche Reliefs und Figuren an der Fassade des Ullsteingebäudes hat Wilhelm Gerstel die Modelle geschaffen. Die Ausführung in Langensalzaer Travertin erfolgte um 1926/1927 von Gerstel in Zusammenarbeit mit seinen Meisterschülern an den Vereinigten Staatsschulen für bildende und angewandte Kunst. In der 1927 publizierten ausführlichen Baubeschreibung werden folgende Überlegungen zu den Bildhauerarbeiten mitgeteilt: „Die Zusammenarbeit [zwischen Architekt und Bildhauern] begann deshalb schon bei den ersten Entwürfen. An Zeichnungen, plastischen Modellen verschiedenen Maßstabes wurden Anordnung und Größenverhältnisse immer wieder erprobt, wurde der Werkstoff für die Ausführung bestimmt. Der Zweck des Gebäudes, der nicht verschleiert werden durfte, sein außergewöhnlicher Umfang, die Rücksichtnahme auf den eiligen Betrachter unserer Zeit, der nur im Vorbeigehen Kunst aufnehmen will, bedingten eine Sammlung auf besonders wesentliche und auch ins Auge fallende Punkte und das deutliche Herausarbeiten von plastischen Bestandteilen, die mit der Architektur fest verwachsen sein mußten. Aus diesen Gründen schien es zweckmäßig, die Bildhauerarbeiten hauptsächlich an die vorgeschobenen Eckpfeiler zu legen. Die über dem Hausteinsockel am Fuß des Pfeilers eingemauerten Blöcke sollen in der Masse das Tragen zum Ausdruck bringen; in der Gestaltung sollen die senkrechten Figuren die aufsteigende Tendenz des Pfeilers begleiten und durch ihre Tiefenentwicklung die räumliche Wirkung des Pfeilerprofils verstärken. Die darüberfolgende Plastik hat etwa die Funktion des Stützens für das Gurtgesims, die kräftig ausladenden Massen überschneiden stark die hier sich bildenden Winkel des Gesimses und verdeutlichen dadurch dessen Bewegung, verdeutlichen auch die Tiefe des Pfeilerprofils durch das Licht, das sich auf den plastischen Massen sammelt. Die ausladende und gegen den Pfeiler schräggestellte Plastik verstärkt dessen senkrechte Tendenz. Die Kragsteinfiguren unter dem oberen Abschlußgesims nehmen diese Aufgabe in gesteigertem Maße auf. Sie sind jedoch nicht wie die unteren Plastiken aus dem stumpfen toten Winkel hervorgewachsen, sondern sitzen freier und leichter auf dem mittleren Pfeilergurt. Sie bringen durch obere Breitenentwicklung, die in den ausgebreiteten und wieder zusammengeführten Armen liegt, die Aufwärtsbewegung des Pfeilers im wesentlichen zum Abschluß und bewirken eine Auflösung nach oben. Das Motiv erinnert an Wasserspeier, und die Annahme liegt nahe, daß es seine so überaus häufige frühere Verwendung weit mehr seinem konstruktiven als seinem profanen Zweck verdankte. Diese Tendenz berechtigte deshalb auch, es umgestaltet zu verwenden, ohne daß man sich dabei dem Vorwurf der Verwendung einer Atrappe aussetzt. Abgesehen von solchen rein architektonischen Bedingungen, durch die zunächst die Formmassen zu gewinnen waren, galt es noch für die Gestaltung dieser plastischen Arbeiten nach Möglichkeit deutbare inhaltliche Motive zu finden. Weil bei der heute üblichen Einstellung der Allgemeinheit zur bildenden Kunst die Betrachtung von Plastik sich meist mit dem Erfassen des Gegenständlichen erschöpft und darum derartige, einmal erkannte Werke so wenig wie gelöste Kreuzworträtsel noch reizen, schien es dem ausführenden Künstler nicht angebracht, allzu deutlich mit verbrauchten aber bewährten Allegorien zu arbeiten. Da andererseits die Aufgaben mehr statuarisch waren, konnten auch allgemeiner interessierende Motive, wie handelnde, arbeitende Figuren nicht gewählt werden. Gleichwohl liegt den meisten Darstellungen doch auch ein inhaltlicher Sinn zugrunde. Durch die oberen Figuren soll etwa die Art des Betriebes, die Wirkung der Erzeugnisse zum Ausdruck gebracht werden. Alarmierende, belehrende, überzeugende, beschwichtigende Gesten sind es, die innerhalb der für die Gesamterscheinung gefundenen architektonischen Form sich einprägen sollen.“ (Ein Industriebau von der Fundierung bis zur Vollendung, Berlin 1927, S. 28f.). (Nicola Vösgen).

Verwendete Materialien

Travertin (Materialarchiv)

Technik

bearbeitet

Zustand

verwittert (2023), teilweise

Vollständigkeit

vollständig


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