Löwengruppe

Löwengruppe

Löwe mit Jungen schlägt Schlange

Auf der rechteckigen Plinthe mit bewegtem Naturrelief spielt sich der Kampf zwischen einem mächtigen Löwen und einer nicht minder kräftigen Riesenschlange ab. Der Löwe steht auf seinen Hinterbeinen, während er hoch aufgerichtet den linken Vorderlauf mit gespreizter Pranke fest auf den sich windenden Schlangenkörper gesetzt hat. Seine rechter Vorderlauf ist leicht angewinkelt erhoben, die rechte Pranke mit gespreizten Zehengliedern zum Schlag gegen das Haupt des Reptils ausholt. Der Kopf des Löwen mit weit aufgerissenem Maul ist dem Schlangenkopf zugewandt, der seinerseits ein weit geöffnetes Schlundmaul zeigt. Der Schweif des Löwen peitscht in gewundener Stellung nach oben, der Schlangenkörper windet sich unter dem aufsteigenden Raubtier, eines der beiden dargestellten Löwenjungen, deren Rettung der Kampf des Löwen gegen die Schlange gilt, mit dem mittleren Körper fest im Würgegriff haltend. Das Jungtier hat sein Maul ebenfalls aufgerissen, Ausdruck von Angst und Schmerz. Das andere Jungtier liegt hinter den Hinterläufen des Vaters, den Kopf dem Kampfgeschehen zugewendet (Jörg Kuhn)

Fakten

Werkdaten

Schaffende/Datierung

Wolff, Albert (Bildhauer:in)
1887-1895

Fa. Lauchhammer (Gießerei)

Datierungs­hinweise

Ersteinweihung am 15.06.1895, Neuaufstellung 1962 sowie 1992

Objekt­geschichte

1883 präsentierte Albert Wolff auf der Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste den kleinformatigen Gips einer mehrfigurigen Tiergruppe, den Kampf eines Löwen gegen eine seine Jungen bedrohende Riesenschlange darstellend. Noch in den alten Werkstatträumen im ehemaligen Alten Lagerhaus entstand danach bis 1887 der großformatige Ausführungsgips. Nach Wolffs Tod 1892 erwarb die Stadt Berlin von den Erben das große Gipsmodell und ließ es in Lauchhammer gießen. Am 15. Juni 1895 wurde das Bildwerk auf hohem Sandsteinsockel auf dem Vorplatz vor dem 1881 fertiggestellten Kriminalgericht in Moabit eingeweiht. Dort sollte die Gruppe „als Sinnbild des siegreichen Kampfes der Gerechtigkeit gegen das Schlangengezücht der Lüge“ (Hermann Müller-Bohn, 1905) dienen. Ein interessantes Beispiel der Rezeption der Löwengruppe stellt ihre zwischen 1923 und 1926 belegte Verwendung als Emblem im Titelkopf der Zeitschrift „Die Freundschaft. Monatsschrift für den Befreiungskampf andersveranlagter Männer und Frauen“ dar (vgl. Ausst.-Kat. Eldorado. Homosexuelle Frauen und Männer in Berlin 1850-1950, hrsg. vom Berlin Museum, Berlin 1984, S. 39). Das reine Motiv des Kampfes zu Zwecken der Verteidigung lässt sich im Zusammenhang mit seiner Verwendung als Emblem der Zeitschrift, die als eines der wichtigen Publikationsorgane des von Dr. Magnus Hirschfeld 1897 in Berlin begründeten „Wissenschaftlich-Humanitären Komitees“, einer bis 1933 in Berlin-Tiergarten ansässigen Institution, deren eines bedeutende Ziel die Abschaffung des §175 war, als Verbildlichung des Kampfes homosexueller Männer und Frauen gegen Unterdrückung und Verfolgung und für Freiheit und gesellschaftliche Anerkennung interpretieren (vgl. Jörg Kuhn: Der „Moabiter Löwe“ als Emblem der Zeitschrift „Die Freundschaft“, in: Capri. Zeitschrift für schwule Geschichte, hrsg. von Manfred Herzer/Freunde und Förderer eines Schwulen Museums Berlin, Berlin 1994). Der repräsentative Kopfbau des Alten Kriminalgerichts an der Rathenower Straße, Ecke Alt-Moabit wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und 1953 abgerissen. Die Löwengruppe wurde 1962 im Innenhof des 1902-1906 errichteten Gerichtsgebäudes (ehem. Neues Kriminalgericht, Heute Landes- und Amtsgericht Tiergarten) an der Turmstraße 89-93, Wilsnacker Straße 3-5 aufgestellt. 1990 wurde die Löwengruppe während der Ausstellung "Ethos und Pathos. Die Berliner Bildhauerschule 1786-1914" im "Hamburger Bahnhof" in Berlin gezeigt. Im Zuge des Umbaues, beziehungsweise der 1991/92 erfolgten Erstellung eines Neubaues für das Amtsgericht Tiergarten an der Wilsnacker Straße 3-5 wurde die Löwengruppe auf einem neuen, der Fassadengestaltung in Form und Material angeglichen gestalteten Sockel neu aufgestellt. Ob der 1962 geschaffene Waschbetonsockel bei dieser Gelegenheit vollständig ersetzt worden, oder nur neu verkleidet worden ist, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden (Jörg Kuhn).

Maße

(Gruppe)
Höhe

2.3 m

Verwendete Materialien

Bronze (Gruppe) (Materialarchiv)
Klinker (Sockel) (Materialarchiv)
Granit (Materialarchiv) , gefleckt
Beton (Materialarchiv)

Inschriften

Bezeichnung (gegossen)
an der Plinthenkante rechts hinten
»A. Wolff fec. Berlin«

Bezeichnung (gegossen)
an der Plinthenkante hinten
»geg. in Lauchhammer«

Zustand

verschmutzt (2003)
korrodiert (), teilweise

Vollständigkeit

unvollständig, Sockel von 1895 verloren


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