Lilienthal-Gedenkstätte

Lilienthal-Gedenkstätte

Foto: Susanne Kähler, 2009, CC-BY-4.0

Auf und um den künstlich aufgeschütteten 15 m hohen Hügel, den der Flugpionier Karl Wilhelm Otto Lilienthal für seine Gleitflugversuche hat 1891 aufschütten lassen, befindet sich die weitläufige Gedenkstätte zur Ehrung seiner Person und seiner Verdienste.
Die Gesamtanlage umfasst eine Fläche beachtlichen Ausmaßes. Durch ein Eingangsportal, bestehend aus zwei Pfeilern aus Rüdersdorfer Kalkstein und einem 3-teiligen eisernen Gittertor, betritt man das Gelände. An dem rechten Pfeiler ist eine rechteckige Bronzetafel mit einer Inschrift in erhabenen Lettern montiert: LILIENTHAL / GEDENKSTÄTTE. Hinter dem Eingangsportal öffnet sich der Blick auf das von Buchenhecken eingefasste Areal mit großem rechteckigem Wasserbecken. Die Einfassung des mit einem Rasenstreifen eingefassten Beckens ist mit Sandsteinplatten bedeckt. In die Hecken sind Nischen mit rot lackierten Sitzbänken (Typ Tiergartenbank II) eingetieft. Der abschließende Platz ist halbrund gebildet, teilweise mit ansteigend gemauerter Begrenzung aus Rüdersdorfer Kalkstein. In die Mauer mittig eingeschnitten ist die Granittreppe mit Eisenhandlauf (etwa 75 Stufen) zum großen Aufstieg auf den „Fliegerberg“, den Hügel mit dem zentralen Monument. In das untere Treppenpodest ist eine Inschriftentafel eingelassen (Inschrift in Granitplatte, die Buchstaben aus Zinkguss sind intarsienartig eingelassen). Die Inschrift lautet: 1894 VON/ OTTO LILIENTHAL/FÜR SEINE/FLUGVERSUCHE/ERRICHTETER/FLIEGERBERG.
Zu Seiten des Treppenaufganges sind in die schräg ansteigende Rasenfläche des Fliegerbergs zwei Granittafeln eingelassen: Links (vertieft): GUSTAV/LILIENTHAL/1849-1933/ ENGSTER/MITARBEITER/BRUDER DES/FLUGPIONIERS/OTTO LILIENTHAL.
Rechts (vertieft): PAUL BEYLICH/HUGO EULITZ/HANS SCHAUER/HELFER/OTTO LILIENTHALS/BEI PRAKTISCHEN/FLUGVERSUCHEN/1891-1896.
Der Fliegerberg selbst ist tumulusartig gestuft und mit Rasen bewachsen. Auf der Bergkuppe befindet sich eine runde Plattform mit Kunststeinplattenbelag, darüber eine offene runde Pfeilerarchitektur aus Stahl, die ein ringförmiges „Randdach“, eine Art Laubengang mit Kupferblechverkleidung des Tambours, trägt. Das Dach ist an der Unterseite mit Holz verkleidet. Im Zentrum der Plattform unter freiem Himmel steht ein quadratischer anthrazitfarben gefasster Betonsockel mit folgender Inschrift in weißem Schriftzug: OTTO LILIENTHAL/1848–1896. Auf dem Sockel ruht eine Weltkugel aus Bronze, die Kontinente sind erhaben geformt, sie ist das zentrale von weitem sichtbare Objekt der Gesamtanlage.(Susanne Kähler)

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Trenkel, AlfredKünstler_In1952
Freymüller, FriedrichArchitekt_In1931-1933
Datierungshinweise
Weltkugel aus Kunststein wurde 1952 durch eine Bronzenachbildung von Alfred Trenkel ersetzt, Erneuerung der Weltkugel 1990
Objektgeschichte
Die Anlage stellt eine Würdigung des Wirkens des aus Anklam stammenden Ingenieurs und Flugpioniers Otto Lilienthal dar, dem es als ersten Menschen gelungen war, erfolgreich und wiederholbar Gleitflüge mit einem Flugzeug zu absolvieren und damit Grundlagen für die weitere Entwicklung der Luftfahrt schuf. Lilienthal ließ sich den Hügel 1891 auf dem Gelände einer Ziegelei aufschütten, von der er die Genehmigung erhalten hatte, den Abraum zu nutzen. Für 5000 Mark ließ er die Aufschüttung vornehmen und einen Unterstellraum in den Hügel einbauen. Wenige Jahre später verlegte er die Unternehmungen in die Rhinower Berge. Bei einem Flugversuch bei Stölln am Gollenberg am August 1896 stürzte Lilienthal ab und erlag seinen Verletzungen. Die Entstehungsgeschichte der Anlage begann bereits wenige Jahre nach dem Tod des Flugpioniers Lilienthal 1896 als man auf den Fliegerberg an der Schütte-Lanz-Straße einen Aussichtspavillon samt Erinnerungstafel aufstellte. Eine angemessene Würdigung Lilienthals sollte dann mit der Errichtung des Denkmals im Park am Teltowkanal 1914 von Peter Breuer erfolgen (siehe Objekt-Nr. 51). Im November 1927 kaufte die Stadt Berlin das Gelände des Fliegerbergs für 185.000 RM. Die Steglitzer Bezirksverwaltung beschloss am 14. Januar 1931, das Gelände als Denkmalsanlage zu gestalten. Der Entwurf des Architekten und Stadtbaurates Fritz Freymüller kam zur Ausführung. Fritz Freymüller (Obersteinach/Württ. 15.6.1882 – 13.9.1960 in Berlin) war 1912-1913 und 1913 bis 1921 Gemeindebaurat von Berlin Lankwitz, 1921-1933 Stadtbaurat in Berlin Steglitz, bis er von den Nationalsozialisten aus dem Amt gedrängt wurde, neben dem Ehrenmal im Gemeindepark (1919/26, siehe Objekt-Nr. 61) sind ihm zahlreiche öffentliche Bauten im Bezirk, so das Stadion Lichterfelde oder die Feuerwache Steglitz zu verdanken. Die ursprüngliche Weltkugel aus Bronze auf der Bergkuppe wurde im II. Weltkrieg zu Kriegszwecken eingeschmolzen und durch eine Betonkugel ersetzt. Die Anlage verfiel nach dem II. Weltkrieg, aus Notstandsmitteln wurde sie Mitte der 1950er Jahre für 85.000 DM erneuert. 1959/60 entstand auf betreiben Trägervereins „Deutsche Luftfahrtsammlung“ am Fuß des Hügels das „Museum für Weltluftfahrt“. Im Dezember 1974 schloss das Museum wieder. Die jetzige bronzene Weltkugel ist 1990 in der Bildgießerei Kraas in Berlin für 120.000 DM geschaffen worden. Die Anlage Freymüllers stellt eine gelungene moderne Denkmalsform mit abstrakten Mitteln dar, in einer Zeit – zwischen den Weltkriegen – als das gängige Denkmal sich mit dem Thema Kriegerehrung auseinandersetzte. Die klare Gestaltung der Anlage, bei der Freymüller auf jegliche realistischen und allegorischen Darstellung der Flugversuche Lilienthals verzichtete und sich statt dessen auf klare geometrische Gestaltungselemente beschränkte, hat auch heute, in einer Zeit, in der weiter nach abstrakten Denkmalsformen mit allgemeingültigen Aussagen gesucht wird, Bestand. Das einzige Element, das detailliert und realistisch ausgearbeitet wurde, ist die Weltkugel auf der Bergkuppe, die dem Betrachter beim Betreten der Anlage aber zunächst lediglich als Kugel erscheint. Diese Kugel wirkt von Weitem, als sei sie ein instabiles Element, das jeden Moment den Berg hinabrollen könnte – vielleicht ein Sinnbild für das Risiko, das Lilienthal mit seinen Flugversuchen eingegangen ist. Erst nach dem Aufstieg auf den Hügel werden die Konturen der Kontinente sichtbar und der Hinweis auf die Weltveränderung von Lilienthals Erfindung deutlich. (Susanne Kähler)
Verwendete Materialien
BodenplattenKalkstein, Rüdersdorfer
KonstruktionEisen
Holz
ErdkugelBronze
KonstruktionKupferblech
Granit
Beton
Technik
Erdkugelgegossen
Inschriften
Tafel (appliziert)
rechter Pfeiler
LILIENTHAL / GEDENKSTÄTTE
Tafel (eingelassen)
unterste Treppenpodest
1894 VON / OTTO LILIENTHAL / FÜR SEINE / FLUGVERSUCHE / ERRICHTETER / FLIEGERBERG
Tafel (eingelassen links)
zu Seiten des Treppenaufganges, in den Rasenflächen
GUSTAV / LILIENTHAL 1849-1933 / ENGSTER MITARBEITER / BRUDER DES / FLUGPIONIERS / OTTO LILIENTHAL
Tafel (eingelassen rechts)
zu Seiten des Treppenaufganges, in den Rasenflächen
PAUL BEYLICH / HUGO EULITZ HANS SCHAUER / HELFER / OTTO LILIENTHALS / BEI PRAKTISCHEN / FLUGVERSUCHEN 1891-1896
ZustandZeitpunkt
Metallelementekorrodiert, teilweise2009
Gesamtbildbeschmiert, Reste nach Reinigung noch sichtbar2009
Vollständigkeit
unvollständigStreben am Eingang

  Nachweise

  • Ehmann, Horst: Berlin: Kunst im Stadtraum, Begleitheft, S. 48.
  • Wille, Klaus-Dieter: Spaziergänge in Steglitz, Berlin, 1989, S. 112-114.
  • Bezirksamt Steglitz von Berlin: Steglitz - das größte Dorf Preußen. Von Giesendorf zu Groß-Lichterfelde. Gartenstadt Lankwitz., Berlin, 1987.

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