Geistkämpfer

Geistkämpfer

Foto: Susanne Kähler, 2013, CC-BY-4.0

Auf dem zur Kirche hin erhöhten Terrain steht auf gestuftem, mit bräunlichen Keramikplatten belegtem, sich nach oben verjüngendem Sockel die Bronzefigur des Geistkämpfers. Auf einer rechteckigen Plinthe mit geschwungenen Kanten steht ein stilisiertes Tier, eine Löwin oder ein Wolf. Auf dessen Rücken ruht breitbeinig mit langem Gewand die geflügelte Gestalt des Erzengels Michael mit hoch erhobenem Schwert, dessen Griff er mit beiden Händen hält (Susanne Kähler, Jörg Kuhn).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Barlach, ErnstKünstler_In1928
Fa. H. NoackGießerei1990
Nachguss 1990
Datierungshinweise
Nachguss von 1990
Objektgeschichte
Ernst Barlach arbeitete zwischen 1927 und 1928 an der Bronzeplastik, deren erster Guss als Ehrenmal vor der Heiligengeistkirche (der damaligen Universitätskirche, im Krieg zerstört) in Kiel aufgestellt wurde. Barlach selbst wehrte sich gegen die Bezeichnung als Ehrenmal. Erst nachträglich erhielt die Figur den Namen „Geistkämpfer“, der aber von Barlach selbst später übernommen wurde. Barlach hatte den Auftrag für eine Großplastik zunächst abgelehnt, sich aufgrund der künstlerischen Freiheit, die man ihm gewährte, doch dazu entschlossen, den Auftrag des Kieler Magistrats anzunehmen. Barlach erhielt 1927 zusätzlich den Auftrag zur Sockelgestaltung. Die Enthüllung der bei Noack in Berlin gegossenen Plastik fand am 8. Dezember 1928 statt. 1937 wurde die Figur, die die Nationalsozialisten als entartet einstuften, entfernt. Die geplante Einschmelzung wurde aber nicht durchgeführt, 1939 – nach Barlachs Tod - konnte Bernhard Böhmer, ehemals Sekretär Barlachs, die Plastik (offiziell im Auftrag des Propagandaministeriums) ankaufen und für dessen Einlagerung sorgen. 1954 konnte die Figur wieder in Kiel, nun vor der Nicolaikirche, aufgestellt werden konnte. Laut Werkverzeichnis (Ernst Barlach. Das plastische Werk, bearbeitet von Elisabeth Laur, Ernst Barlach Stiftung Güstrow, Güstrow 2006, S. 206-208, Nr. 430 (vgl. Nr. 427-429)) hat das Werk eine Auflage von sechs Exemplaren, ein Guss steht an der Universität in Los Angeles, USA. In der Ernst Barlach Stiftung in Güstrow befindet sich das Werkmodell des Künstlers in der Größe ¼ (119, 3 cm), das Gipsmodell in Originalgröße ist nicht erhalten. Für den Guss des Berliner Exemplars wurde die Kieler Bronze abgeformt. Die Plastik war 1989 bei Noack in Auftrag gegeben worden und sollte (so Krause/Hörisch, 2004, S. 120-122) als Mahnmal der Bücherverbrennung auf dem Ernst-Bebel-Platz dienen. 1994 entschied sich der Senat für den Standort an der Gethsemanekirche in Prenzlauer Berg. Die Aufstellung in einer Nische an der Backsteinwand der Kirche ist dabei ähnlich der Aufstellung in Kiel auch die Sockelgestaltung erfolgte nach dem Kieler Vorbild. Der Zweitguss der Plastik, der am 9. November 1994 an der Gethsemanekirche zur Erinnerung an die Demokratiebewegung in der DDR aufgestellt wurde, entstand 1990 bei Noack und war ursprünglich als Mahnmal der Bücherverbrennung auf dem Bebelplatz vorgesehen. Doch das vom Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses favorisierte Projekt kam nicht zu Stande. Stattdessen hat Micha Ullmann diesen Auftrag erhalten. An der Kirchenwand wurde eine Tafel (schwarzer Kunststoff) mit folgender Inschrift (weiß) montiert: "Der Geistkämpfer / Abguß der für einen Standort an der Heiligengeistkirche in / Kiel 1927/28 geschaffenen Bronzeplastik von Ernst Barlach / (1870-1938) durch die Bildgießerei Herrmann (sic!) Noack, / Berlin. / Angekauft im Mai 1990 aus Mitteln des Kulturfonds der / ehemaligen DDR (Vermögen der SED) durch den Magistrat / von Berlin. / Aufgestellt am 9. November 1994 als Ehrung und zur / Erinnerung an die Ursprünge der Demokratiebewegung in der ehemaligen DDR durch das Land Berlin" (Susanne Kähler, Jörg Kuhn).
Maße
gesamtHöhe119 m
Verwendete Materialien
PlastikBronze
SockelKeramik, Platten
Technik
Sockelverkleidet
Plastikgegossen
Inschriften
Bezeichnung (vertieft)
Plinthe
GUSS: H. NOACK BERLIN
ZustandZeitpunkt
gesamtgut2013
Sockelverschmutzt2013
Vollständigkeit
vollständig

  Nachweise

  • Hoerisch, Malwine: Prenzlauer Berg - Kunstspaziergänge, Berlin, 2004, S. 120-122.
  • Caspar, Helmut: Erinnerungsorte in Berlin. Führer zu Schauplätzen Deutscher Geschichte, Petersberg, 2008, S. 269-270.

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