FIügelobjekt

FIügelobjekt

Foto: Jürgen Tomisch, Barbara Anna Lutz, 2020, CC-BY-4.0

Die abstrakte Plastik mit dem Titel „Flügelobjekt“ steht am Rand einer kleinen Grünfläche neben dem Fußweg, der zum Verwaltungsgebäude führt ist. Es ist auf einem flachen Betonfundament montiert. Das Objekt setzt sich zusammen aus einem vertikal positionierten Holzbalken und sechs Stahlblechen in aufsteigender Größe, die an der oberen Balkenhälfte angebracht sind. Am oberen Element sind Reste roter Farbe zu erkennen. Die Stahlbleche sind mit mit kleineren Blechen um den Balken genietet und erstrecken sich zu beiden Seiten. Die Enden sind diagonal abgeschnitten, sodass in der Gesamtansicht ein auf dem Kopf stehende Dreiecksform mit abgeflachter Spitze entsteht. Die so entstehende Form erinnert an Flügel. Diese Assoziation fügt sich thematisch in die Umgebung des Flughafens ein (Layla Fetzer).

Fakten

Werkdaten

Schaffende/Datierung

Gindhart, Ruth (Künstler:in)
1984

Objekt­geschichte

Das „Flügelobjekt“ ging prämiert aus einem Kunst-Wettbewerb für den Flughafen Berlin Tegel hervor. Um die Attraktivität des Flughafens zu erhöhen, wurde 1983-85, in Zusammenarbeit mit der Berliner Flughafen Gesellschaft (BFG) Tegel, aus dem zentralen Fonds „Kunst im Stadtraum“ ein umfassendes Skulpturen- und Gemäldeprojekt zur Berliner Gegenwartskunst durchgeführt. Als Teil dieses Programms wurde 1982 ein (West-)Berlin offener Wettbewerb für Bildhauer zur Gestaltung der im Außenbereich liegenden Besucher- und Restaurantterrassen des Flughafens ausgeschrieben. Die zu planenden Objekte sollten „unter dem Thema: »Technik und Fliegen« stehen und den Erlebniswert der Terrasse steigern.“ (Senator für Bau- und Wohnungswesen, Berlin, 1982, Ausschreibung, Offener Wettbewerb [...], S.9). Die sieben-köpfige Jury, der auch der Architekt des Flughafens, Meinhard von Gerkan, angehörte, wählte zehn Arbeiten aus und entschied, einige dieser Objekte „außerhalb der vorgesehenen Standorte auf den Terrassen, [...] an besser geeigneten Plätzen aufzustellen.“ (Senator für Bau- und Wohnungswesen, Berlin, 1982, Preisgerichtsprotokoll, Offener Wettbewerb, 1982, S.7). Durch die modifizierte Standortwahl sollte zum einen die Kunst einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, zum anderen wollte man dem Risiko entgegen wirken, dass „der Eindruck einer heterogenen musealen Häufung von Kunstgegenständen“ entstehen könnte und auch den Kunstwerken einen Standort geben, „die aufgrund ihrer Größe auf einer der Terrassen in einen zweifelhaften Konflikt mit der Architektur geraten könnten.“ (Ebd.). Vier Arbeiten wurden für die Besucherterrasse ausgewählt, zwei für die Restaurantterrasse. Für das Flügelobjekt wurde ein Standort im „Innenraum des Hauptgebäudes auf der Galerieebene im Bereich der Verbindungstreppe zur Nebelhalle“ (Ebd.) gewählt. Aufgestellt wurde das Objekt 1984 jedoch auf dem Grünstreifen am Rande der Hauptzufahrtsstraße zwischen Büschen, kurz hinter der Ausfahrt aus dem Flugsteig-Verteilerring. Hier musste es weichen als zu Beginn der 1990er Jahre neue Flächen für den Mietwagenverleih benötigt wurden. Gemeinsam mit einigen anderen Kunstobjekten wurde das Flügelobjekt für viele Jahre eingelagert. Erst 2019, im Zuge der Abwicklung des Flughafens Berlin-Tegel, wurden die meisten der Objekte wieder aufgestellt. Das Flügelobjekt kam 2020, nach Restaurierung 2019/20 und Austausch des Sockels an seinen neuen Standort – der erste Sockel war querrechteckig und flacher, der Abstand zwischen Mast und Sockel war geringer. Der unter Denkmalschutz stehende Passagier-Flughafen Berlin Tegel (Tegel-Süd) „Otto-Lilienthal“ entstand ab 1969-1975 nach Plänen der Hamburger Architekten Meinhard von Gerkan, Volkwin Marg und Klaus Nickels. Es ist vorgesehen, den für seine kurzen Wege bekannten Flughafen nach der Eröffnung im Oktober 2020 des neuen Flughafens in Berlin-Schönefeld (BER) still zulegen und einer neuen Nutzung zuzuführen. Die Gegensätzlichkeit von Materialien sind oft ein Spiegel der „Widersprüchlichkeit menschlicher Gefühle und zwischenmenschlicher Beziehungen“ (Endlich, Stefanie in: Kimstedt et.al., Berlin 1986, o.S.). Ein immer wiederkehrendes Motiv in den Skulpturen Ruth Gindharts, dass sich auch beim „Flügelobjekt“ für den Flughafen Tegel findet. Hier wird der Materialkontrast zwischen Holz und Eisen „als Sinnbild verwendet für das widersprüchliche Verhältnis von Mensch und Technik, hier thematisch projiziert auf den Wunsch und die Unfähigkeit des Menschen zu fliegen.“ So beschrieb Stefanie Endlich 1986 das Kunstwerk, und weiter: „Erst beim zweiten Blick wird deutlich, auf welch komplexe Weise die Künstlerin mit dem Widerspruch umgeht [...] Das starke, klobig wirkende Rückgrat wird nicht durch das »harte« Material Eisen, sondern durch das lebendige Holz gebildet, während die beweglichen, fragil erscheinenden Flügelteile aus Eisen sind.“ (Ebd.) (Jürgen Tomisch, Barbara Anna Lutz).

Maße

(gesamt)
Höhe
Breite
Tiefe
(Stütze)
Höhe
Breite
Tiefe
(Sockel)
Höhe
Breite
Tiefe

2.7 m
0.27 m
0.45 m

297 m
0.31 m
0.43 m

0.15 m, zw. Sockel u. Stütze 10 cm Abstand
0.5 m
0.5 m

Technik

gesägt (Holzbalken)
genietet (Stahlbleche)
gegossen (Fundament)

Zustand

sehr gut (2020)
ersetzt (Sockel, 2020)


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