Denkmal für Johannes R. Becher

Denkmal für Johannes R. Becher

Foto: Jürgen Tomisch, 2018, CC-BY-4.0

Das Denkmal stellt Johannes R. Becher in Form einer überlebensgroßen Statue dar. Die Plastik steht mit einer flachen Bronzeplinthe auf einem quadratischen, hohen Natursteinsockel (heller Granit), der an der Frontseite den Namenszug Bechers in goldfarbiger Bronze trägt. Becher, mit einem lässig offenen Jackett, röhrenartiger Anzugshose und Schuhen bekleidet, ist im Begriff auszuschreiten. Seine Hände hat er tief in den Hosentaschen vergraben. Seine Gesichtszüge sind porträthaft modelliert; der Blick geht nachdenklich in die Ferne. Dergestalt wirkt der Dichter auf den Betrachter wie ein beschauender Spaziergänger durch den Park, „der seine Inspiration aus dem Erleben und Begegnen nimmt, der sich Mitmenschen und Umwelt verbrüdert“ (s.: Schmidt, Diether: Fritz Cremer, Dresden 1972, S. 28) (Jürgen Tomisch).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Cremer, FritzBildhauer_In1960
Datierungshinweise
Entwurf, Guss 1964, Aufstellung 1967
Objektgeschichte
Nach dem Tode von Johann R. Becher 1958 wurde Fritz Cremer vom Ministerium für Kultur der DDR mit der Schaffung eines Denkmals zu Ehren Bechers beauftragt. 1960 modellierte Cremer, der den Dichter persönlich kannte, zunächst eine ganzfigurige Bronzestatuette. Die Kleinplastik zeigt den Dichter, wie in der späteren großen Fassung, als lässig dahinschreitenden Passanten, so wie Cremer ihn häufig begegnete, „denn beide hatten nur wenige Straßen voneinander entfernt in Berlin-Niederschönhausen gewohnt“ (s.: "Warum Becher in den Bürgerpark kam": http://www.mythenpflege.de/content/warum-becher-den-bürgerpark-kam", abgerufen 12/2018). Allerdings bleibt in dieser ersten Fassung Bechers Blick hinter dicken Brillengläsern verborgen, die Sonnenbrillengläser anklingen lassen. Vermutlich 1964 folgte die Umsetzung in eine überlebensgroße Bronzeskulptur, die Becher jetzt ohne Brille zeigt. Die Staue bekam dadurch ein wenig Pathos verliehen. Ihre Aufstellung war am Molkenmarkt im Bereich des ehemaligen Arbeitssitzes von Becher als erstem DDR-Kulturminister gedacht, der Sockel blieb aber verwaist. „Ein sozialistischer Minister mit den Händen in den Hosentaschen! Eine solche Provokation konnte nicht geduldet werden. Die Aufstellung der Plastik vor dem Ministerium wurde untersagt“ (s.: "Warum Becher in den Bürgerpark kam": http://www.mythenpflege.de/content/warum-becher-den-bürgerpark-kam, abgerufen 12/2018). Stattdessen wurde 1964 ein Abguss der Becher-Statue anlässlich des 73. Geburtstag des Dichters (enthüllt 22. Mai) in Bad Saarow aufgestellt, dort, wo Becher bis zu seinem Tode in seinem Sommersitz am Friedrich-Engels-Damm gelebt hatte (s.: "Zum 73. Geburtstag Johannes R. Becher", in: Berliner Zeitung vom 22. Mai 1964). Die für Berlin geplante Statue war lange eingelagert und fand erst 1976 im Pankower Bürgerpark ihren Platz. Johannes R. Becher (1891-1958) wohnte von 1945 bis 1958 nicht weit vom Bürgerpark entfernt am Majakowskiring 34 im Pankower Ortsteil Niederschönhausen. In seinem Haus wurde das Johannes-R.-Becher-Archiv 1964 eingerichtet. Becher wirkte einflussreich als Dichter und Kulturpolitiker während der ersten Jahre der DDR. Er gehörte seit 1923 der KPD an und emigrierte 1935 in die UdSSR. Von 1945 bis 1958 war er Präsident des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands, zunächst in der sowjetischen Besatzungszone, später ab 1954 Minister für Kultur der DDR und von 1953 bis 1956 Präsident der Akademie der Künste der DDR. Becher war Verfasser des Textes der Nationalhymne der DDR. Der Bürgerpark Pankow gehört neben den Schlossparks Niederschönhausen und Buch und dem Brosepark zu den grünen Wahrzeichen Pankows. Er wurde 1854 auf einem ehemaligen Mühlengrundstück angelegt. Die heutige Parkstruktur mit dem Wegesystem geht im Wesentlichen auf eine Umgestaltung in den Jahren 1965-1968 zurück. Im Parkgelände sind ab den 1950er Jahren eine Vielzahl von Kunstwerken aufgestellt worden, die einen anschaulichen Überblick über die DDR-Bildhauerkunst vermitteln. Zu diesem Verständnis trägt auch die Plastik von Fritz Cremer bei (Jürgen Tomisch).
Maße
SockelHöhe0.58 m
Breite1.58 m
Tiefe1.58 m
SkulpturHöhe2.3 m
Breite0.64 m
Tiefe m
Verwendete Materialien
SockelGranit, grau
PlastikBronze
SchriftzugBronze, goldfarbig
Technik
Sockelzusammen gefügt
behauen
geglättet
Plastikgegossen
Schriftzuggegossen
Inschriften
Inschrift (appliziert, gegossen)
am Sockel, Vorderseite
Johannes R. Becher
ZustandZeitpunkt
gesamtgut2018
Vollständigkeit
vollständig

  Nachweise

  • Endlich, Stefanie: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin, 1990, S. 315.
  • Feist, Peter H.: Plastik in der Deutschen Demokratischen Republik, Dresden, 1965, S. 26. Abb. 47
  • Schmidt, Diether: Fritz Cremer. Leben, Werk, Schriften, Meinungen, Dresden, 1972, S. 28. Abb. 198-201
  • Funeck, Gottfried: Park- und Grünanlagen in Berlin, Berlin, 1988, S. 88.
  • Goder, Ernst: Plastiken, Denkmäler, Brunnen in Berlin: Gesamtverzeichnis, Katalog, Berlin, 1993, S. 58.
  • Klother, Eva-Maria: Denkmalplastik nach 1945 bis 1989 in Ost- und Westberlin, 1998, S. 110.
  • Maur, Hans: Berliner Gedenkstätten. Orte des Terrors, der Verfolgung und des Widerstandes 1933-1945, Berlin, 1998, S. 92.
  • Killisch-Horn, Astrid von: Bürgerpark Pankow : grüner Lebensraum im Zeitenwandel, Rudolstadt, Schloßstr. 25, 2007, S. 229.
  • Hoppe, Ralph: Pankow : Zwischen Idylle und Metropole, Berlin, 2013, S. 74-75.
  • Dörrier, Rudolf: Pankow. Chronik eines Berliner Stadtbezirks, Berlin, 1971, S. 208-209.
  • Büttner, Horst: Hauptstadt Berlin; 2. Im Bereich Dokumentation u. Publikation bearb. von Horst Büttner ... Gesamtred. Heinrich Trost, 1987, S. 45.
  • Beloubek-Hammer, Anita: Mensch - Figur - Raum : Werke deutscher Bildhauer des 20. Jahrhunderts ; Ausstellung in der Nationalgalerie vom 7. September bis 30. Oktober 1988, Berlin, 1988, S. 178.

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