Denkmal für Alois Senefelder

Denkmal für Alois Senefelder

Senefelder-Denkmal
Foto: Susanne Kähler, 2013, CC-BY-4.0

Zum Denkmal für den Theaterschriftsteller und Erfinder Alois Senefelder (Prag 1771-1834 München) in Berlin gibt es einige publizierte historische Texte und eine neuere Einschätzung von 1978 (1994 unverändert von Peter Bloch publiziert). Die bekannten Texte sind nachfolgend im Zitat wiedergegeben:

„Das Denkmal Senefelders, des verdienstvollen Erfinders der Lithographie (gest. 1834), an der Ecke der Schönhauser Allee und Weißenburger Straße. Der Künstler (R. Pohle) hat den Gefeierten bei der Arbeit sitzend dargestellt. In die schlichte Arbeitstracht gekleidet, betrachtet er eifrig eine lithographische Platte. Das zu seinen Füßen liegende Stück Zeug soll auf Senefelders Verdienste um die Kattundruckerei hindeuten. Die bei der Schriftlithographie zur Verwendung gelangende umgekehrte Schrift (Spiegelschrift, weil im Spiegel lesbar) deutet ein Knabe an, der den Namen des Erfinders in umgekehrter Schrift auf den Fries des Sockels schreibt; ein kleines Mädchen versucht, die Schrift im Spiegel zu lesen. Das Denkmal Pohles ist eine der schönsten Arbeiten der modern-realistischen Schule. Aufgestellt 1892“ (Müller-Bohn, 1905).

„Alois Senefelder, dem Erfinder des Steindruckes, ist 1892 auf dem Senefelder Platz das von Rudolf Pohle geschaffene Denkmal errichtet worden. Es zeigt ihn bei der Arbeit, eine lithographische Platte betrachtend. Ein Stück Zeug an seiner rechten Seite deutet auf seine Verdienste in der Kattundruckerei hin. An der Vorderseite des Piedestals müht sich ein Knabe, in Spiegelschrift den Namen des Erfinders zu schreiben, während ein Mädchen gleichzeitig versucht, das Geschriebene im Spiegel zu lesen“ (Ingwersen, 1967). „Denkmal für Alois Senefelder, Schönhauser Allee / Senefelderplatz. Auf hohem Sockel die Sitzfigur des Erfinders der Lithographie in zeitgenössischer Tracht und mit Werkzeugen (…)“. An der Vorderfront des Sockels zwei Putti, der eine den Namenszug Senefelders in Spiegelschrift schreibend, der andere diesen in einem Handspiegel entziffernd“ (Bau- und Kunstdenkmale Hauptstadt I, 1984). Was die historischen Beschreibungen nicht erwähnen, ist die Aufstellung des Sockels auf einem über einem Klinkerfundament errichteten Untersockel mit Treppen aus grauem Granit sowie die beiden an den Sockelseiten dargestellten, üppigen und stark plastischen Lorbeer-Kränze mit Bändelwerk und der Schmuck der Rückseite mit üppigem Blumenfeston, weiterem Stoffmaterial und einer Druckplatte mit einer Inschrift. Darunter liegt ein mächtiger Palmwedel. Die überbordende und stark plastische Sockelzier unterstreicht nachdrücklich den neubarocken Charakter des Denkmals. Im Bereich der Sockelstufen der Frontseite ist ein dekorativ gerolltes und beschriftetes Schriftstück abgelegt, das noch einmal den Namen Senefelders trägt. Außer dem „Zeug“, also Textilmaterial, sind auch die nötigen Werkzeuge zum Kattundruck dargestellt, etwa Teile der Druckerpresse. Das Denkmal ist im Bereich des Sitzes des Sitzbildes rechts bezeichnet. Der historisierende eiserne Zaun ist nach 1993 aufgestellt worden (Jörg Kuhn).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Pohle, RudolfBildhauer_In1892
Schlegel, Hans-AlbertBildhauer_In
der Sanierung
Datierungshinweise
Einweihung am 06.11.1892
Objektgeschichte
Das Denkmal steht im begrünten und gärtnerisch besonders gestalteten Bereich des Senefelder Platzes (ehem. Thusneldaplatz) nahe der Schönhauser Allee und zwar auf einem formal zugespitzt angelegten und vor dem Denkmal durchwegten Gartenteil an der Südwestecke. Den Standort legten 1892 Pohle und der Garteninspektor Axel Fintelmann fest. 1963 wurde das Denkmal restauriert. Dabei wurde die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Knabenfigur nachgeschaffen (vgl. Hörisch/Krause, 2004, S. 52). 1990 fehlte bei der rechten Kinderfigur (Mädchen, auch genannt “Putto“) ein Teil des Armes mitsamt dem Spiegel (vgl. Endlich, S. 329; Abbildung seitenverkehrt gedruckt!). Zwischen 1993 und 2003 wurde das Denkmal gereinigt und partiell ergänzt. Der Sockel wurde „wieder an seine alte, überlieferte Stelle zurückversetzt und einschließlich des rekonstruierten Schutzgitters neu aufgestellt“ (Klaus-Henning von Krosigk, Gartendenkmale in Berlin, 2013, S. 484). Um das Denkmal verläuft eine Balkenkonstruktion, die offenbar zur Stabilisierung eingebracht worden ist, den Gesamteindruck aber stark stört. Die Granitstufen sind aus dem Lot geraten. Ein Hebel der Presse neben der Sitzfigur ist abgebrochen, die moderne Stahlarmierung liegt frei. Zehen am linken Fuß der Mädchenfigur fehlen teilweise. Insgesamt starke Verwitterung und Rissbildung. Das Denkmal ist trotz früherer Reinigungen verschmutzt und zeigt biogenen Bewuchs. Alte Ausflickungen (von 1963 und 2003) und Vierungen sind erkennbar und teilweise schon wieder abgängig. Der Spiegel samt Unterarm und Hand des Mädchens sind 1993 und nach Diebstahl vor 1997 erneut 2003 durch Hans-Albert Schlegel (*1956) nachgeschaffen worden. Um 2017/2018 ist das Denkmal wiederum durch Vandalismus stark beschädigt worden (Jörg Kuhn, Susanne Kähler).
Verwendete Materialien
DenkmalMarmor, Carrara
StufenGranit
FundamentKlinker
Technik
Denkmalbehauen
geglättet
Stufenbehauen
geglättet
aufeinander gefügt
Fundamentgemauert
Inschriften
Inschrift (eingemeißelt)
am Sockel
redlefeneS siolA
Inschrift (eingemeißelt)
auf der Druckplatte
In dankbarer Erinnerung / von den / Fachgenossen Deutschlands / errichtet / am 6. November 1892
Inschrift (eingemeißelt)
gerolltes Schriftstück im Sockelbereich
Dem / Erfinder des Steindrucks / Alois Senefelder
Bezeichnung (eingemeißelt)
im Bereich des Sitzmöbels
R. Pohle
ZustandZeitpunkt
gesamtbeschädigt, stark2019
rissig, stark2013
verwittert, stark2013
biogener Bewuchs2013
Ausflickungen2013
Stufenaus dem Lot geraten2013
Vollständigkeit
unvollständig1963 Restaurierung, 1993-2000 Reinigung und partielle Ergänzungen, Hebel fehlt; nach 2000 wieder beschädigt

  Nachweise

  • Bezirksamt Pankow von Berlin: Natur entdecken in Berlin-Pankow, Prenzlauer Berg, Weißensee, Berlin, 2017, S. 47 f..
  • Endlich, Stefanie: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin, 1990, S. 328.
  • Hoerisch, Malwine: Prenzlauer Berg - Kunstspaziergänge, Berlin, 2004, S. 50-52.
  • Ingwersen, Erhard: Standbilder in Berlin, Berlin, 1967, S. 83. Tafel 25
  • Trost, Heinrich: Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR, Hauptstadt Berlin I, Berlin, 1984, S. 358-359.
  • Müller-Bohn, Hermann: Die Denkmäler Berlins in Wort und Bild, Berlin, 1905, S. 105-106.
  • Bloch, Peter: Ethos und Pathos: die Berliner Bildhauerschule 1786-1914, Berlin, 1990.
  • Bloch, Peter: Die Berliner Bildhauerschule im neunzehnten Jahrhundert : das klassische Berlin, Berlin, 1994, S. spalte 182. Abb. 226
  • Lesser, Katrin: Gartendenkmale in Berlin, Parkanlagen und Stadtplätze , 2013, S. 261.
  • Badstübner-Gröger, Sibylle: Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Berlin, München, 2000.

Ihre Information ist gefragt