










Rund um den Floraplatz lagern auf rechteckigen Granit-Sockeln acht Tierfiguren: zwei Hirsche, zwei Bisons, zwei Elche sowie je ein Bär und ein Stier. Die in Bronze gegossenen Tiere sind in realistischer Formulierung gestaltet und liegen auf über den Sockeln leicht überstehenden Plinthen. Die jeweils gleichartigen Tiere sind unterschiedlich gelagert, jeweils eines ist nach rechts, das andere nach links gewandt.
Die realistisch im Sinne des neubarocken Naturalismus gestalteten Tierplastiken gehören zu den herausragenden Plastiken der Berliner Bildhauerschule im Hochhistorismus. (Nicola Vösgen)
Standort
Kategorie
Epoche
Schaffende/
Siemering, Rudolf (Entwurf)
1881-1897
Fa. Lauchhammer (Gießerei)
1899-1900, Beide Bisons, beide Hirsche (sowie die verlorenen Skulpturen Bär und Stier)
Fa. Aktiengesellschaft Schäffer & Walcker (Gießerei)
2020, Beide Elche
Skulpturengießerei Knaack (Gießerei)
Nachgüsse Stier und Bär, 2020
Datierungshinweise
1881-1897 Modelle für Philadelphia, 1899-1900 Zweitgüsse für den Berliner Tiergarten, 2020 Nachgüsse Stier und Bär
Objektgeschichte
Bei den acht Tierfiguren, die Ende 1900 am Floraplatz aufgestellt wurden, handelt es sich um Nachgüsse der Tierplastiken auf der Sockelterrasse des George-Washington-Denkmals in Philadelphia/USA. Der Berliner Bildhauer Rudolf Siemering (1835-1905) hatte 1878 den Auftrag erhalten, Entwürfe für das Washington-Denkmal in Philadelphia einzureichen, 1881 wurde der Vertrag für die Ausführung des Denkmals unterzeichnet. Ab 1885 sind die einzelnen Teile des Denkmals in unterschiedlichen Gießereien in Bronze gegossen worden: das Reiterstandbild und die Sockelfiguren wurden in der Gießerei Gladenbeck ausgeführt, die acht Tierskulpturen entstanden in der Gießerei Lauchhammer. 1897 wurde das Denkmal eingeweiht. Zentrum der monumentalen Denkmalanlage ist die Reiterfigur des ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten, George Washington (1732-1799). Auf der breiten achteckigen Sockelzone befinden sich Personifikationen der vier großen Flüsse Amerikas und auf den vorgeschobenen Postamenten je zwei typische amerikanische Tiere: zwei Bisons, zwei Wapitihirsche, zwei Elche sowie ein Grizzlybär und ein Stier. Kaiser Wilhelm II. hatte die Modelle der Tierstatuen für das Washington-Denkmal im Atelier von Rudolf Siemering gesehen und ihm seine Anerkennung dafür ausgesprochen. Vermutlich deshalb schlug der Bildhauer dem Kaiser im April 1899 vor, Nachgüsse der acht Figuren als Schmuck der Alleen im Tiergarten aufzustellen. Dieser Vorschlag wurde angenommen und verschiedene Aufstellungsvarianten diskutiert. Nach der Aufstellung von hölzernen Sockeln und „Kulissen“ (Holzkonstruktionen, die die Umrisse der Modelle zeigten) an verschiedenen Orten im Tiergarten, fiel im März 1900 die Entscheidung auf den Floraplatz als Aufstellungsort. Die Fundamente und Sockel sind Mitte 1900 errichtet worden. Gegossen wurden die Bisons, die Hirsche, der Bär und der Stier in der Gießerei Lauchhammer, die beiden Hirsche in der Berliner Bronzegießerei Schaeffer & Walcker. Zwischen August 1900 und Januar 1901 sind die acht Figuren rund um den Floraplatz aufgestellt worden, in dessen Mitte sich damals noch die namensgebende barocke Florastatue aus Sandstein befand (heute als Kopie im Rosengarten). Die Flora wurde erst 1906 durch die Reitende Amazone (auch: Amazone zu Pferde) von Louis Tuaillon ersetzt. Die damalige Aufstellung der acht Tierfiguren unterschied sich allerdings stark von dem heutigen Zustand. Die auf ihren Sockeln lagernden Tiere waren dicht mit Büschen umpflanzt und im Sommer aufgrund der Vegetation kaum sichtbar. Aus diesem Grund sind die Tierfiguren auf historischen Aufnahmen nur sehr selten zu erkennen. Die acht Bronzefiguren hatten beide Weltkriege überstanden, obwohl sie mehrfach zur Einschmelzung für Kriegszwecke vorgesehen waren. Auf frühen Nachkriegsfotos ist der Zustand des Floraplatzes und des Tiergartens gut erkennbar. Bereits 1946 konnte man vom Floraplatz aus über den völlig abgeholzten Tiergarten bis zur Tiergartenstraße blicken. 1946 befanden sich noch alle acht Figuren am Floraplatz, exakt so, wie sie den Krieg überstanden hatten: einige befanden sich noch auf den Sockeln, andere lagen neben den Sockeln. 1947/1948 sind nur noch drei der Figuren am Platz nachweisbar, weitere drei Figuren waren vermutlich bereits auf dem Gelände des heutigen Grünflächenamtes sichergestellt worden. Zwei der Tierskulpturen, Bär und Stier, sind Ende der 1940er Jahre zerstört oder gestohlen worden. Die erhaltenen sechs Statuen wurden seit den 1950 Jahren an verschiedenen Orten im Tiergarten aufgestellt: Das nach rechts blickende Bison lag seit 1957 am Ostufer des Neuen Sees, das nach links blickende Bison seit 1969 nordöstlich des Englischen Gartens, an der Mauer zum Schloss Bellevue. Die beiden Hirsche schmückten seit 1977 im kriegsbeschädigten Zustand den Rosengarten. Die beiden Elche lagerten, ebenfalls mit starken Beschädigungen, im Garten des Grünflächenamtes Tiergarten, dem heutigen Grünflächenamt Mitte. Der Bereich östlich des Floraplatzes war seit 1961 jahrzehntelang durch die bis 2006 in unmittelbarer Nähe verlaufende Entlastungsstraße stark beeinträchtigt. Erst nach dem Rückbau der Straße konnten der Floraplatz und seine Umgebung seit 2006 in mehreren Teilschritten denkmalgerecht wiederhergestellt werden. Als 2015 das Landesdenkmalamt Berlin erste Planungen zur Wiederherstellung des Floraplatzes formulierte, waren die genauen Aufstellungsorte und die Verteilung der acht Figuren am Floraplatz weitgehend unbekannt. Anhand eines einzigen in situ erhaltenen Sockels, (der erst im Laufe der Untersuchungen wieder zugeordnet werden konnte), einer Auswertung der Vor- und Nachkriegsfotos und mithilfe eines 3-D-Programms konnten die Aufstellungsorte der einzelnen Figuren ermittelt werden, die anschließend durch Such-Grabungen nach den Fundamenten teilweise bestätigt werden konnten. Im Zuge der Recherchen sind auch sechs originale Sockel auf einem Lagerplatz im Tiergarten wiederentdeckt worden. Das Projekt der Wiederherstellung der Figuren am Floraplatz ist durch das Büro Restaurierung am Oberbaum (RAO) realisiert worden. Für die Nachgüsse der beiden verlorenen Statuen Stier und Bär wurden die Skulpturen am Washington-Denkmal in Philadelphia digital vermessen. Anhand dieser Daten konnte die Skulpturengießerei Knaack Modelle im Maßstab 1:1 fertigen, nach denen die beiden Statuen in Bronze neu gegossen wurden. Auch die fehlenden Schaufeln, Ohren und Hufe der Elche wurden in der Gießerei Knaack mithilfe der 3D-Technik neu angefertigt. Im Mai 2020, 75 Jahre nach der Zerstörung des Platzes, sind die acht Figuren wieder an ihren originalen Standorten am Floraplatz aufgestellt worden. In den Jahren 2022 - 2023 erfolgten auch die gartendenkmalpflegerische Wiederherstellung der Platzsituation und die schmuckgärtnerische Bepflanzung. (Nicola Vösgen)
Maße
Verwendete Materialien
Inschriften
am Objekt
»R. Siemering«
am Objekt
»gegossen Lauchhammer «
am Objekt
»Gegossen / A-G. Schäffer & Walcker / Berlin «
am Objekt
»Nachguss 2020 / gegossen Knaak«
Zustand
Vollständigkeit
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