Völkerfreundschaft

Völkerfreundschaft

Jugend der Welt, Weltjugend, Manifestation der Freundschaft, Solidarität

Auf einer Rasenfläche an der Treskowallee (trug von 1961 bis 1992 den Namen Hermann-Duncker-Straße) steht auf einem Betonsockel eine weit überlebensgroße Bronzegruppe, bestehend aus drei jungen Männern und zwei vor ihnen stehenden jungen Frauen. Die fünf Personen stehen für die fünf Kontinente der Erde und sind anhand von Kleidung und Physiognomie identifizierbar. Vor und hinter der Gruppe sind jeweils acht Reihen strahlenförmig verlaufender Steine in die Rasenfläche eingelassen, die jedoch kaum erkennbar sind. Auf der Oberseite der Plinthe befinden sich zwei Bezeichnungen (Nicola Vösgen).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Baldamus, SentaBildhauer_In1978-1983
Fa. LauchhammerGießerei
Lauchhammerwerk (LHW)
Datierungshinweise
Modell 1978, Guss 1982, Aufstellung im März 1983
Objektgeschichte
Die Berliner Bildhauerin Senta Baldamus hatte sich bereits in den 1970er Jahren mit einer Gruppenplastik zum Thema Völkerfreundschaft beschäftigt. Im März 1973 war die Künstlerin vom Magistrat von Groß-Berlin mit der Schaffung einer „“Völkerfreundschaft“-Plastik“ in einer nicht näher bezeichneten Zwischengröße beauftragt worden (vgl. Landesarchiv Berlin, C Rep. 100-05, Nr. 1517). Diese unterlebensgroße Plastik (vermutlich um die 1,50 m) in getöntem Gips war im Juli 1973 auf den X. Weltfestspielen in der Hauptstadt Berlin im Foyer der Kongresshalle am Alexanderplatz, ausgestellt. Baldamus hat in einem Zeitungsartikel im Neuen Deutschland eine ausführliche Interpretation der Gruppe vorgestellt: „Ich hatte mich schon viele Jahre mit Darstellungsmöglichkeiten des Themas „Völkerfreundschaft" in der bildenden Kunst beschäftigt hatte mich mit Denkmalsgestaltungen in unserer Zeit auseinandergesetzt. Und kurz gesagt, es hat mir ganz einfach Freude gemacht ein Denkmal der Jugend der Welt zu schaffen, ein Denkmal voller Dynamik, junge Menschen in Begeisterung und Beschwingtheit, so lebendig fordernd und selbstbewußt mit lauten und auch wieder ganz leisen Tönen, poetisch, phantasievoll und bei aller lauten Freude doch getragen von einer gewissen Feierlichkeit, einem Begreifen der persönlichen Verantwortung. Ob es mir gelungen ist, dies alles zu gestalten, kann nur der Betrachter beurteilen. Ich wünsche mir, die Plastik möge von solcher Ausstrahlungskraft sein. Fünf junge Menschen der Völker der Welt sind vereint zu einer Manifestation der Freundschaft. Sie stehen im Halbkreis in einer festen Gruppe, die mit Ihren erhobenen Händegeben klar das Symbol der Freundschaft zeigen. Doch die Gruppe ist absolut eine Rundumplastik, und erst im Umschreiten erschließt sich Ihre ganze Aussage. In der näheren Betrachtung wird deutlich, daß trotz der Geschlossenheit der Komposition, der Einheit im Grundgedanken, der gemeinsamen tragenden Idee, dem gleichen Anliegen, eine Vielfalt der Aussage im Detail anzutreffen ist. Es sind nicht schlechthin fünf Figuren, sondern jede Einzelfigur hat ihre individuell« Gestaltung und damit persönliche Aussage. Unterschiedlichste Verhaltensweisen werden gezeigt. Die in der Plastik nicht darstellbare Hautfarbe der Völker, der Verzicht auf Nationaltrachten erforderten Konzentration auf das geistige Anliegen. Neben der gelöst grüßenden Hand ragt die Faust nach oben. denn in jenem Land gilt die geballte Faust als Gruß. Stille Freude, dabei zu sein nach schwerem Kampf, strahlt von der Vietnamesin aus, wie in einem Ehrentor steht sie behütet zwischen zwei Männern. Mit kampfbereit geballter Faust und feierlich zum Gruß erhobener Hand zeige ich den Afrikaner in fester Entschlossenheit und Würde. Hervorstürmend und dabei aus der Gruppe heraustretend, auf den Betrachter zu, ihn somit einbeziehend, bringe ich eine Figur, die stellvertretend für ein sozialistisches Land stehen mag, eine Frau und somit nicht zuletzt ganz bewußt auch zwei unterschiedliche Frauengestalten“ ("Lebendig, fordernd und selbstbewußt. Senta Baldamus über ihre Festivalplastik 'Manifestation der Freundschaft'“, in: Neues Deutschland, 28. Jg., 18.08.1973, S. 11). Im folgenden Jahr war die Gruppe auf der Kunstausstellung der Hauptstadt der DDR zu sehen (vgl. Netzker, Helmut: "Künstlerische Bekenntnisse. Bilder des Lebens in den sozialistischen Bruderländern", in: Berliner Zeitung, 30. Jg., 28.12.1974, S. 6; im Ausstellungs-Katalog der Ausstellung nicht erwähnt). 1978 war das Modell für die überlebensgroße Gruppe der Völkerfreundschaft vollendet und konnte 1982 in der Gießerei Lauchhammer in Bronze gegossen werden. Im folgenden Jahr, am 11. März 1983, fand die feierliche Einweihung vor der damaligen Hochschule für Ökonomie „Bruno Leuschner" auf der Freifläche an der Treskowallee statt. In einem Zeitungsbericht wurde die Gruppe etwas knapper interpretiert: „Das Kunstwerk trägt den Namen „Weltjugend" und stellt junge Menschen aus fünf Erdteilen dar, die gemeinsam für den Frieden in der Welt kämpfen.“ ("Plastik an der Hochschule", (o.V.), in: Neues Deutschland, 38. Jg., 12.03.1983, S. 8). (Nicola Vösgen).
Maße
SockelHöhe0.4 m
SockelBreite3.5 m
SockelTiefe1.6 m
PlintheHöhe0.08 m
PlintheBreite3.3 m
PlintheTiefe1.4 m
GruppeHöhe3.38 m
Verwendete Materialien
GruppeBronze
SockelBeton
Technik
gegossen
Inschriften
Bezeichnung (gegossen)
an der Plinthe hinten links
LHW 82
Bezeichnung (gegossen)
auf der Plinthe hinten mittig
S. BALDAMUS 1978
ZustandZeitpunkt
Figurenzerkratzt, leicht2019
gesamtbeschmiert, u. a. vier Figuren2019
PlintheRisse, Gussfehler?2019
Sockelbiogener Bewuchs2019
SockelMaterialausbrüche, an den Kanten2019
Vollständigkeit
vollständig

  Nachweise

  • Plastiken, Denkmäler, Brunnen in Berlin: Gesamtverzeichnis, Katalog, Berlin, 1993, S. 30.
  • Laschke, Bärbel: Die Denkmale : heimatkundlicher Wegweiser durch Berlin-Karlshorst, Berlin, 2010, S. 38. Teil III: westlich der Treskowallee
  • Brösicke-Istok, Sylvia: Plastiken, Denkmäler und Brunnen im Bezirk Lichtenberg, Berlin, 1993, S. 40.

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