Trümmerfrau

Trümmerfrau

Foto: Susanne Kähler, 2012, CC-BY-4.0

Unweit der Eingangsbereichs der Hasenheide an der Graefestraße, in der Nähe der Rixdorfer Höhe und unmittelbar vor dem Hundeauslaufgebiet befindet sich am Wegrand die Sitzfigur der „Trümmerfrau“. Ohne Sockel auf einer rechteckigen Plinthe sitzt die Figur auf einer angedeuteten Mauer, bzw. einem Trümmerhaufen. Die Frau unbestimmten Alters trägt ein einfaches Kleid, Pantinen, einen Umhang und ein Kopftuch. Sie hat die Hände in den Schoß gelegt, in der Rechten hält sie lose einen Hammer. Der Oberkörper ist leicht vorgebeugt, der Kopf nach links gewendet, das Kinn ist erhoben und der Mund leicht geöffnet. Die Arbeiterin scheint erschöpft eine kurze Pause von ihrer harten Arbeit des Steineklopfens einzulegen, innezuhalten und um Atem zu ringen. Rechts von ihr steht ein niedriger auf zwei unauffälligen Betonsockeln aufgeständerter, rechteckiger Inschriftenstein. Die Mittelachse dieses Steins wird durch das Relief einer Blume mit Zwiebel (wohl einer Hyazinthe als Sinnbild für das Weiterwachsen des Lebens in der Stadt) verziert, unterbrochen durch ein Inschriftenfeld mit vertiefter Inschrift (Susanne Kähler).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Szelinski-Singer, KatharinaKünstler_In1955
Datierungshinweise
1977 Inschriftentafel ergänzt (diese später gestohlen); 1985-1986 Überarbeitung und Aufstellung eines separaten Inschriftensteins
Objektgeschichte
Der Entschluss, die Arbeit der Berliner „Trümmerfrauen“ auf dem seit 1951 „Rixdorfer Höhe“ genannten Trümmerberg im Volkpark Hasenheide durch ein Denkmal, bzw. einer Gedenkstätte zu würdigen, wurde im Bezirksamt Neukölln am 14.6.1954 getroffen (Mitteilung der Abteilung Bau- und Wohnungswesen, Bezirksstadtrat Zerndt vom 11. September 1954, NGA). Eine Woche zuvor, am 7. 6. 1954 war die mit 750000 cbm Trümmerschutt aus Kreuzberg und Neukölln aufgeschüttete „Rixdorfer Höhe“ der Bevölkerung Neuköllns als Grünanlage übergeben worden. Das Denkmal sollte nun die Arbeit der Frauen im Alter zwischen 15 und 50 Jahren würdigen, die in den unmittelbaren Nachkriegsjahren durch Befreiung der Stadt von Trümmerschutt die Grundlagen für den Wiederaufbau der Stadt schufen. Die Finanzierung dieses Denkmalvorhabens wurde im Rahmen des Künstlernotstandsprogramms gewährleistet. Am 2. September 1954 auf der gemeinsamen Sitzung der Deputation für Volksbildung und Kunst und der Deputation für das Park-, Garten- und Friedhofswesen im Rathaus Neukölln stellte Bezirksstadtrat Wilhelm Zerndt die Bildhauerin Katharina Singer vor, die den Anwesenden vier Modelle als Entwürfe eines Denkmals für die Trümmerfrauen präsentierte. Die Deputation entschied sich – so das Protokoll dieser Sitzung - einstimmig „für die sitzende, sich in Ruhestellung befindliche Trümmerfrau“. Der Steinblock aus Kirchheimer Muschelkalk wurde von dem Charlottenburger Steinmetzbetrieb Zeidler & Wimmel geliefert, der ursprünglich von der Künstlerin gewünschte Krensheimer Muschelkalk war in diesen Abmessungen nicht lieferbar. Katharina Singer führte die Figur hauptsächlich in der Werkhalle der Firma Mikroholz in Neukölln aus. Am 13.4.1955 wurde das fast fertiggestellte Sitzbild auf seinen vorgesehenen Standort etwa auf halber Höhe des Trümmerbergs „Rixdorfer Höhe gebracht. Der damalige Denkmalplatz war mit quadratischen großformatigen Pflastersteinen bestückt (siehe Abbildung Damus/ Rogge). Eine erste Hinweistafel zur Erläuterung des Denkmals wurde erst am 30. Juni 1977 im Rahmen einer Instandsetzung vom Bezirksbürgermeister Dr. Heinz Stücklen gefordert. Am 30. 9. 1977 wurde eine auf einem Findling montierte Metalltafel mit folgendem Text aufgestellt: „Dem Gedenken der Berliner Trümmerfrauen gewidmet. Das Denkmal wurde 1955 errichtet geschaffen von der Bildhauerin Katharina Szelinski-Singer“. Nach starken durch Vandalismus verursachten Beschädigungen wurde die Bildhauerin Szelinski-Singer 1985 beauftragt, das Denkmal wieder herzustellen und eine neue Inschriftentafel zu gestalten. Damals entschied man sich für eine Wiederaufstellung an neuem Standort. Man suchte einen stärker frequentierten Ort, um dem Vandalismus entgegenzuwirken. Der heutige Platz wurde 1985 vom Gartenbauamt gemeinsam mit der Künstlerin ausgewählt. Die Figur musste von der Künstlerin aufgrund der starken mechanischen Schäden umfassend umgearbeitet werden. Die Proportionen wurden verändert, d. h. die Figur wurde verschmälert und das Gesicht ist neu aus dem Stein herausgearbeitet worden. 1986 konnte die Figur wieder aufgestellt werden. Anstelle der 1977 aufgestellten Inschriftentafel, die in der Zwischenzeit entwendet worden war, entwarf die Bildhauerin eine neue Inschriftentafel. Sie beschrieb ihn folgendermaßen: „Für diesen Hinweis schlage ich einen dem Charakter des Gedenksteins adäquaten „Mauerbrocken“ vor, auch in Muschelkalk, aus dessen Zerklüftelung eine Blume sprießt, vom Schriftblock teilweise abgedeckt. (…)“ (K. Szelinski-Singer, Angebot Trümmerfrau vom 7. Januar 1985, NGA). Der von ihr in diesem Angebot vorgeschlagene Text entspricht auch im Detail der ausgeführten Version (SusanneKähler).
Maße
FigurHöhe24 m
Verwendete Materialien
Muschelkalk, Kircheimer
Technik
behauen
zusammen gefügt
Inschriften
Inschriftenstein (gemeißelt)
rechts vor der Sitzfigur
IN DANKBARKEIT DEN BERLINERINNEN / GEWIDMET, DIE NACH DEM 2. WELTKRIEG / ALS ›› TRÜMMERFRAUEN ‹‹ DIE / TRÜMMER DER ZERSTÖRTEN STADT BESEITIGTEN UND DAMIT IHREN WIEDERAUFBAU BEGRÜNDETEN / 1955 GESCHAFFEN VON KATHARINA SINGER
ZustandZeitpunkt
beschädigt, Nase und rechtes Auge2012
verschmutzt, leicht2012
bemoost2012
ersetzt, 1986 die Inschriftentafel von 1977 ersetzt2012
Vollständigkeit
unvollständigbeschädigt

  Nachweise

  • Ehmann, Horst: Berlin: Kunst im Stadtraum, Berlin, 1988, S. 105.
  • Ehmann, Horst: Berlin: Kunst im Stadtraum, Begleitheft, S. 158.
  • Damus, Martin: Fuchs im Busch und Bronzeflamme. Zeitgenössische Plastik in Berlin-West, München, 1979, S. 74, 244.
  • Endlich, Stefanie: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin, 1990, S. 72.
  • Badstübner-Gröger, Sibylle: Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Berlin, München, 2000, S. 292.
  • Berger, Ursel: Enthüllt: Berlin und seine Denkmäler: Zitadelle, Berlin, 2017, S. 178-179, 181. Begleitbuch zur Ausstellung

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