Tritonbrunnen

Tritonbrunnen

Foto: Susanne Kähler, 2003, CC-BY-4.0

Im Zentrum der von einem niedrigen Gitterband (sogenanntes Tiergartengitter) eingefassten, halbkreisförmigen Rasenfläche ist über gelbem Klinker ein neubarockes Brunnenbecken mit gekehltem Wulstrand in Feinzement errichtet. Das Brunnenbecken wird umlaufend von einem schmalen Trittstreifen in wassergebundener Deckung eingefasst, dessen Ränder mit rötlichen Klinkerkantensteinen konturiert werden. Inmitten des runden Brunnenbeckens erhebt sich der sich nach oben hin konisch verjüngende, aus irregulär geformten Steinbrocken errichtete Sockel der aus weißem Marmor geschaffenen Brunnenfigur. Als Plinthe dient der Figur ein annährend gerundeter Sockel in Form eines mit Wasserpflanzen bewachsenen Felsblocks. Der Triton kniet mit seinen kräftigen Beinen, die jeweils in einen Fischschwanz auslaufen, auf diesem künstlichen Felsen. Der menschlich gebildete Oberkörper ist unbekleidet. Der Körper ist als füllig und weich charakterisiert, die Cuticula weist zahlreiche Wölbungen und Falten auf. Mit beiden Armen umfasst der Wassermann aus dem Gefolge des Meeresgottes Neptun einen großen, naturalistisch gestalteten großen Fisch dergestalt, dass dessen Schwanz nach unten weist und der Kopf nach oben gerichtet ist. Im geöffneten Fischmaul steckt der Wasserauslauf, der das Wasser nach oben spritzt. Den Kopf in den Nacken gelegt und leicht zur Seite gewendet, verfolgt der Triton mit geöffnetem Mund und sorgsam auf das Fischmaul gerichtetem Blick den Wasseraustritt. Das Haar des Triton fällt in dicken Strähnen, die sich in Schulternähe teilweise leicht locken, herab. Seine von den Ohren ausgehenden Koteletten gehen in einen schmalen, gelockten Backenbart über, der das Kinn frei lässt. Die Gesichtshaut ist als weich und wenig fest formuliert. Die kurze, kräftige Nase mit den großen Nasenlöchern, der wie staunend geöffnete Mund und die großen, etwas glubschigen Augen unter den in die niedrige Stirn fallenden Haarsträhnen verleihen dem Triton die Erscheinung eines geistig schlichten Naturwesens. Die Figur ist ganz im Sinne eines krass naturalistischen Neubarock formuliert und damit ein typisches Werk des Hochhistorismus (Susanne Kähler / Jörg Kuhn).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Kopf, Josef vonKünstler_In1886-1888
auch Joseph von Kopf geschrieben zu finden; Adelstitel seit 1897
Haacke, HaraldBildhauerIn der Kopie
und der Ergänzung des Originals
Datierungshinweise
1987 Kopie (Original ergänzt und deponiert), Brunnenbecken rekonstruiert
Objektgeschichte
1886 von Frau Auguste Henriette Wahllaender (geb. Wernecke) - vermögende und mäzenatisch wirkende Witwe von Dr. med. Friedrich Wilhelm Ludwig Eduard Wahllaender (1809-1882) - aus Berlin bei Joseph (von) Kopf in Auftrag gegeben. Im Jahr 1888 fertiggestellt. Ältester Springbrunnen im Großen Tiergarten (nach Marc Wellmann). Im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt. 1987 von Harald Haacke restauriert. Um eine Kopie zu schaffen, ergänzte Haacke die Skulptur. Die Ergänzung fiel, wie später Vergleiche mit neu aufgefundenen Abbildungen des Originalzustandes der Skulptur zeigen können, teilweise etwas frei aus. Dies fällt besonders beim Unterkörper des Tritons auf. Die Erscheinung der am Großfürstenplatz im rekonstruierten Brunnenbecken aufgestellte Marmorskulptur unterscheidet sich also vom Originalzustand. Im Winter wird die Brunnengruppe eingehaust. Das also etwas frei ergänzte Original befindet sich vor dem Gebäude des Grünflächenamts im Tiergarten, Straße des 17. Juni 31 (Jörg Kuhn).
Maße
gesamtHöhe2.5 m
BeckenDurchmesser4 m
Verwendete Materialien
FigurengruppeMarmor, weiß
BeckenZement
Technik
gesamtgemeißelt
behauen
poliert
Beckengegossen
Inschriften
Bezeichnung
am Objekt
J. KOPF / ROMA / FECIT
Inschrift (vertieft)
auf einer Tafel am Felsen
Anno 1888
ZustandZeitpunkt
gesamtverschmutzt, leicht, Kopie2003
Vollständigkeit
vollständigKopie

  Nachweise

  • Wirth, Irmgard: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Bezirk Tiergarten, Berlin, 1955, S. 208.
  • Reclams Kunstführer Berlin, Stuttgart, 1991, S. 204.
  • Wendland, Folkwin: Der Große Tiergarten in Berlin, Berlin, 1993, S. 54, 209, 257, 266. Abb. 203
  • , S. 195. Kat. 112a

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