Privatfriedhof der Familie Dr. Heinrich Laehr

Privatfriedhof der Familie Dr. Heinrich Laehr

Das Monument mit einem quadratischen Grundriss zeigt eine pyramidal geformten Unterbau aus bossiert behauenen Granitblöcken. Über allem thront auf steinernem Sitz eine monumentale Frauengestalt, die Personifikation der Heilkunst. Die Formulierung erinnert stark an archaische Plastik. In der Zone darunter sind zwei weibliche unbekleidete – und damit als schutzbedürftig gekennzeichnete – Figuren angebracht, links eine liegende Figur, die „Kranke“, rechts eine kniende, nämlich die „Genesene“. Auf dem gemeinsamen, getreppten Unterbau sind an den Seiten der Pyramide vorne zwei Bronzegruppen aufgebaut, Kranke, Geheilte und Helfer darstellend. Anstelle der bei früheren neubarocken Darstellungen häufig anzutreffenden, alles verhüllenden Kleidung ist hier eine antikisierende Bloßlegung weiter Körperpartien festzustellen. Rechts ist eine Gruppe aus zwei Frauen dargestellt, eine sitzende Gemütskranke mit der links neben ihr angelehnten jüngeren Kranken. Links betreut ein ideal gebildeter Helfer eine stark verhüllte sitzende alte und offenbar auch gemütskranke Frau. In die Front der Granitpyramide ist eine längsrechteckige Bronzetafel mit dem Doppelporträt des Ehepaares Laehr eingelassen. Eine Nische am Fuße des Sockels birgt einen von rechts nach links aufsteigend formulierten bronzene Scheinsarkophag, dessen Vorderseite mit fein gestalteten Reliefsfiguren geschmückt ist. Dargestellt zwischen erläuternden Sprüchen sind: links ein junges Paar, kniend einander zugewandt. In der Mitte: junges Elternpaar mit spielenden Kindern: rechts: Elterpaar über Neugeborenes gebeugt. Die Thematik des Grabdenkmals ist auf das Lebenswerk von Heinrich und Marie Laehr. bezogen (vgl. Müller-Lauter, 1985). Das Doppelporträtrelief zeigt die beiden Laehrs in naturalistischer Weise dargestellt. Auf der leicht gewölbten Rückseite des Monuments ist im unteren Bereich eine rechteckige Inschriftentafel aus Bronze eingelassen. Die rechteckige Anlage ist von einem schmiedeeisernen Lanzettzaun umgeben, der zwischen aufgemauerte Pfeiler eingespannt ist. Das Portal in der Mittelachse des von der Einfassung auf das Grabmal zulaufenden Weges ist von zwei Pfeilern gebildet, die ein zweiflügeliges Gittertor halten (Jörg Kuhn).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Elster, GottliebKünstler_In1902-1906
Paasch, AdeleKünstler_In
Datierungshinweise
Gittereinfassung um 1950, spätere Ergänzungen (Tür)
Objektgeschichte
Der Privatfriedhof im Schönower Park ist zwischen 1902 und 1905 für die Familie des Prof. Dr. Bernhard Heinrich Laehr (1820-1905), Nervenarzt, Gründer der Heilanstalt Schweizerhof und des Schönower Parks, eingerichtet worden. Das Gelände war wohl schon 1902 dazu bestimmt worden, den Friedhof aufzunehmen, denn 1902 war hier bereits Laehrs Frau und Mitarbeiterin Marie, geb. Otto beigesetzt worden. 1906 erfolgte für 63.000 Mark die Errichtung des von Prof. Gottlieb Elster entworfenen monumentalen Grabdenkmals für das Ehepaar Laehr. Die von Elster modellierte Porträttafel missfiel jedoch den Auftraggebern und so wurde die Toberentz-Schülerin Paasch beauftragt, die das Werk zur Zufriedenheit der Kinder des Ehepaares Laehr erledigte. 1918 erfolgte eine Abtretung des Geländes an die Provinz Brandenburg, wobei vertraglich festgelegt worden ist, dass das Grundstück von jeglicher Bebauung auszuschließen ist. 1928 wurde ein Vertrag zwischen der Stadt Berlin und den Erben Laehr aufgesetzt, der eine Verkleinerung des Friedhofsareals auf 920 Quadratmeter beinhaltete. Dafür erklärte sich die Stadt bereit, der Familie das Bestattungsrecht zu gewährleisten und das zentrale Monument zu unterhalten, wenn die Laehrschen Erben dazu nicht mehr in der Lage seien (vgl. Müller-Lauter, 1985). Gittereinfassung und Gittertor sind nach den „Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs“ (wie es immer so schön unklar heißt) ab 1950 erneuert beziehungsweise neu geschaffen worden und sind entsprechend schlicht gehalten.1970 wurde eine der Bronzegruppen umgestürzt und wieder aufgestellt; Nach dem Herausstürzen der Bronzetafel Ende 1973 fehlte das Doppelporträtrelief des Ehepaares Laehr bis 1974. Bis 1979 wurden neun Erdbeisetzungen und vier Urnenbeisetzungen vorgenommen. Weitere 20 Stellen sind noch belegbar (Stand von 2005). Die Grabstellen werden durch einfache Platten gekennzeichnet. In den 1970er und 1980er Jahren fanden an der Anlage Instandsetzungsarbeiten statt (Jörg Kuhn).
Maße
Länge12 m
Breite12 m
Höhe6 m
Verwendete Materialien
ArchitekturGranit
PlastikBronze
GitterSchmiedeeisen
Technik
gemauert
gegossen
patiniert
geschmiedet
zusammen gefügt
Inschriften
Inschrift
am Objekt
Die Liebe sei stark wie der Tod, Hoh. Lied 8,6
Inschrift
am Objekt
Laß sich Deinen Vater und Mutter freuen, die Dich geboren hat, Spr. 23,25
Inschrift
am Objekt
Behüte Dein Herz mit allem Fleiß, Spr. 4,23
Inschrift (gemeißelt)
am Objekt
ICH WILL DICH SEGNEN / UND DU SOLLST EIN SEGEN SEIN
Inschrift (gegossen)
am Objekt, Vorderseite
HEINRICH UND / MARIE LAEHR
Inschriftentafel (gegossen, appliziert)
am Objekt, Rückseite
DEM GRUENDER DER HEILANSTALT / SCHWEIZERHOF U. DIESES PARKS / GEH. SANITAETSRAT PROF. DR. / BERNHARD HEINRICH LAEHR / GEB. ZU SAGAN 10.3.1820, GEST. ZU ZEHLENDORF 18.8.1905 / U. SEINER EHEFRAU U. MITARBEITERIN / JOHANNA HENRIETTE MARIE GEB. OTTO / GEB. ZU GOERZKE 29.2.1824, GEST. ZU ZEHLENDORF 17.1.1902 / TÄTIGE LIEBE, GEDULDIGER FLEISS UND / BESONNENE ARBEIT / PRAEGTE DAS LEBEN UND TUN DIESES GESEGNETEN PAARS. / DAS FUER VIELE ZUM HEIL SEHR GROSSES / GESCHAFFEN UND DAS NUN / RUHT IM SCHATTEN DES TANNS, WELCHEN / ES SELBST GEPFLANZT.
ZustandZeitpunkt
beschmiert2005
Plastikkorrodiert, teilweise2005
Gitterverrostet2005
Pflanzungenverwildert2005
alt geflickt2005
Vollständigkeit
vollständignach Ergänzungen nach 1950

  Nachweise

  • Wille, Klaus-Dieter: 43 [Dreiundvierzig] Spaziergänge : Histor. in Wilmersdorf u. Zehlendorf, Berlin, 1977, S. 73. Name der Bildhauerin Paasch falsch angegeben mit "Pansch"
  • Endlich, Stefanie: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin, 1990, S. 225.
  • Badstübner-Gröger, Sibylle: Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Berlin, München, 2000, S. 526. Ausgabe 2000
  • Steckner, Cornelius: Museum Friedhof : bedeutende Grabmäler in Berlin, Berlin, 1984, S. 84-85. Nr. 037
  • Müller-Lauter, Erika: 4. Exempel: Die Friedhöfe im Bezirk Zehlendorf, 1985, S. 42-47.

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