Papierflieger

Papierflieger

Foto: Jürgen Tomisch, Barbara Anna Lutz, 2020, CC-BY-4.0

Die Freiplastik mit dem Titel „Papierflieger“ ist auf der Besucherterrasse des Flughafen Tegel montiert. Das Aluminium-Objekt in Form eines gefalteten Papierfliegers erhält sowohl durch den Titel als auch die Materialoberfläche eine gewisse Leichtigkeit. Die Assoziation mit dem Material Papier wird durch sichtbare „Knickkanten“ verstärkt. Die Aluminiumblech-Platten werden durch Nieten zusammengehalten. Das Kunstwerk ist zudem mit einem weißen Farbanstrich versehen. Die Plastik ist an zwei Stahlrohrstützen befestigt und liegt mit dem vorderen Teil auf der Brüstung der Terrasse auf und scheint jeden Augenblick von dieser abzuheben (Layla Fetzer).
Der linke (tiefere) Flügel gründet auf drei übereinander gelegten 1×1 Meter großen Stahlplatten, die auf eine ebenso große Gummimatte aufgelegt sind. An seinem Tiefpunkt hat der „Flieger“ ein Loch als Wasserablauf, das derzeit (09/2020) verstopft ist (Jürgen Tomisch, Barbara Anna Lutz).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Kohlmaier, GeorgKünstler_In1984
Objektgeschichte
Der Papierflieger ging prämiert aus einem Kunst-Wettbewerb für den Flughafen Berlin Tegel hervor. Um die Attraktivität des 1974 eröffneten Flughafens zu erhöhen, wurde 1983-85, in Zusammenarbeit mit der Berliner Flughafen Gesellschaft (BFG) Tegel, aus dem zentralen Fonds „Kunst im Stadtraum" ein umfassendes Skulpturen- und Gemäldeprojekt zur Berliner Gegenwartskunst durchgeführt. Als Teil dieses Programms wurde 1982 ein West-Berlin offener Wettbewerb für Bildhauer zur Gestaltung der im Außenbereich liegenden Besucher- und Restaurantterrassen des Flughafens ausgeschrieben. Die zu planenden Objekte sollten „unter dem Thema »Technik und Fliegen« stehen und den Erlebniswert der Terrasse steigern.“ (Senator für Bau- und Wohnungswesen, Berlin (Hrsg.), Ausschreibung, Offener Wettbewerb, 1982, S.9). Zu dem Thema „Papierflieger“ wurden mehrere, sehr unterschiedliche Arbeiten eingereicht. Die Jury beschloss daher, diese Arbeiten gesondert zu behandeln und ließ zunächst alle in den 2. Rundgang kommen. Etwa die Hälfte der Arbeiten erreichte auch den 3. Rundgang. Zu guter Letzt wurden zwei der 10 Arbeiten aus der „Papierflieger“-Gruppe realisiert – neben dem „Papierflieger“ von Kohlmaier die Plastik „L’Albatros“ von Karl Lieberknecht. Beide wurden 1984 auf der Besucherterrasse aufgestellt. Der Papierflieger war bei seiner Aufstellung noch nicht ganz vollendet. Dem noch blanken Aluminiumblech fehlte der Farbanstrich, der weiß mit einem grau-schwarzen Karomuster, werden sollte, damit sein Äußeres ganz dem eines aus Kästchenpapier gefalteten Objektes gleichen sollte (Endlich/Gindhart 1987, S 16). Auch auf einer Abbildung in der Publikation „Kunst am Flughafen Berlin-Tegel“ von Stefanie Endlich und Ruth Gindhart fehlt dieses Finish noch. Vermutlich wurde der Anstrich nie in der geplanten Form vollendet. Bei der Erfassung durch die Gruppe Bildende Kunst um 2000 war die Oberfläche des Fliegers durchgehend weiß gefasst und genauso ist sie es auch heute. Der unter Denkmalschutz stehende Passagier-Flughafen Berlin Tegel (Tegel-Süd) „Otto-Lilienthal“ entstand 1969-1975 nach Plänen der Hamburger Architekten Meinhard von Gerkan, Volkwin Marg und Klaus Nickels. Es ist vorgesehen, den für seine kurzen Wege bekannten Flughafen nach der Eröffnung im Oktober 2020 des neuen Flughafens in Berlin-Schönefeld (BER) still zulegen und einer neuen Nutzung zuzuführen. Der 1937 in Österreich geborene Georg Kohlmaier ist weniger als Bildhauer, sondern vielmehr als Architekt und Publizist hervorgetreten. Nach dem Studium von Architektur und Freier Malerei (bei Albert Paris Gütersloh) an der Wiener Akademie der bildenden Künste, ging Kohlmaier zunächst für drei Jahre nach Paris bevor er 1967 nach Berlin zog. Hier führte er von 1967 bis 1983 mit dem Künstler Barna von Sartory gemeinschaftlich ein Architekturbüro. Aus dieser Zeit ging das Mathematikgebäude der TU Berlin an der Straße des 17. Juni als ein bedeutendes Werk der Nachkriegsmoderne hervor. Zuvor hatten die Büropartner überwiegend in Collagen ihre meist technischen Ideen zu Papier gebracht, um mit Vorschlägen für Rucksacktoiletten oder beweglichen Bürgersteigen als Massentransportsystem für Berlin das öffentliche Interesse zu erwecken und Kritik an der autofreundlichen Stadt zu üben. Mit Sartory war er Gründungspartner des „Instituts für Entwicklungs- und Konstruktionsmethodik“ in Berlin. Mit baugeschichtlichen und insbesondere bautechnischen Fragestellungen hinsichtlich einer energieeffizienten Architektur beschäftigten sie sich zudem intensiv. Zu diesem Themenkomplex entstanden eine Reihe von Publikationen, u.a. die bekannteste „Das Glashaus: ein Bautypus des 19. Jahrhunderts“. Zu seinem Entwurf für das Skulpturenprojekt des Flughafens schrieb Kohlmaier im erläuternden Bericht für die Wettbewerbs-Jury: „Das Spielzeug aus Papier ist Entwurf einer Technik ohne Verfremdung und Schrecken, einer Technik, die human und sanft ist und die den Raum der Freiheit vergrößert. Für den Flugpassagier von heute, vor dem Hintergrund der Startbahn, wird es zum Symbol eines Fliegens, das den Traum von einst mit der Gegenwart heiter-kritisch konfrontiert und den möglichen Weg in die Zukunft einer dem Menschen vertrauten Technik zeigt“ (Endlich/Gindhart 1987, S. 17.) (Jürgen Tomisch, Barbara Anna Lutz).
Maße
PlastikBreite4.95 m
Länge6.75 m
AuflageplattenLänge
(Justierung) linker Flügel
1 m
Breite1 m
SockelHöhe
(mittlerer), mit Befestigungsrohren
0.1 m
Verwendete Materialien
PlastikAluminium, Blech
Stahl
SockelBeton
Technik
genietet
ZustandZeitpunkt
zerkratzt2020
Abplatzungen, Farbanstrich2020
verschmutzt2020
Wasserablauf, verstopft2020

  Nachweise

  • Ehmann, Horst: Berlin: Kunst im Stadtraum, Berlin, 1988, S. 76.
  • Ehmann, Horst: Berlin: Kunst im Stadtraum, Begleitheft, S. 26.
  • Endlich, Stefanie: Kunst am Flughafen Berlin-Tegel: Bilder, Skulpturen, Plastiken, Berlin, 1987, S. 16 f..
  • Endlich, Stefanie: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin, 1990, S. 78 f., 81.
  • Offener Wettbewerb Kunst im Stadtraum, Skulpturen auf der Besucher- und Restaurantterrasse Flughafen Berlin-Tegel: (1) Ausschreibung, Berlin.
  • Offener Wettbewerb Kunst im Stadtraum, Skulpturen auf der Besucher- und Restaurantterrasse Flughafen Berlin-Tegel: (1) Ausschreibung, Berlin, 1982.
  • Offener Wettbewerb Kunst im Stadtraum, Skulpturen auf der Besucher- und Restaurantterrasse Flughafen Berlin-Tegel: (2) Preisgerichtsprotokoll, Berlin, 1982.

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