Marx-Engels-Denkmal

Marx-Engels-Denkmal

Foto: Sophia Peix, 2019, CC-BY-4.0

Das Marx-Engels-Denkmal ist das Zentrum eines vielteiligen Skulpturenensembles mit zwei Bronzereliefs von Margret Middell, einer Marmorreliefwand von Werner Stötzer und einer Fotodokumentation der Arbeiterbewegung auf Edelstahlplatten von Arno Fischer und Peter Voigt (Jörg Kuhn).

Das Denkmal besteht aus vier Gestaltungselementen. Neben der Hauptgruppe gibt es vier Doppelstelen aus Edelstahl, in die mittels eines speziell entwickelten Erodierungsverfahrens historische Fotos eingebrannt wurden, „die entscheidende Stationen und Ereignisse aus dem Kampf des internationalen Proletariats seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert dokumentieren.“ Friedrich Nostitz hatte dafür die gestalterische und technische Leitung inne, Arno Fischer und Peter Voigt waren für die Bildauswahl sowie Norbert Blum, Hans Gutheil und Jürgen Frenkel für die Anordnung der Abbildungen verantwortlich. Zwei Bronzereliefs von Margret Middel ergänzen die Anlage. Sie stellen in dynamischer Form „Glück und Geborgenheit der Menschen in einer von Ausbeutung und Unterdrückung freien Gesellschaft“ dar. Den Abschluss des Denkmalensembles bildet das fünfteilige Marmorrelief von Werner Stötzer am Ufer des Spreekanals. Das 10 Meter lange Relief zeigt eine Menschengruppe, deren Existenz von Ausbeutung und Unterdrückung geprägt ist. „Es ist ein wahrhaftes Sinnbild unmenschlicher Zustände in der kapitalistischen Welt jener Zeit, die Marx und Engels so einprägsam analysierten, … das jahrhundertelange Streben der Unterdrückten nach einem menschenwürdigen Dasein …“ (Bericht über das Marmorrelief von Werner Stötzer, in: Berliner Zeitung, 5./6. April 1986). Bei der Gestaltung des Denkmals hatte der Bildhauer und Leiter Ludwig Engelhardt bewusst auf hohe Sockel und Monumentalität verzichtet, um Berührungsängste zu vermeiden und den Kontakt zu fördern (Carmen Mann, Zitadelle Spandau).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Engelhardt, LudwigBildhauer_In1985-1986
Stötzer, WernerBildhauer_In
Midell, MargretKünstler_In
Fischer, ArnoKünstler_In
Voigt, PeterKünstler_In
Datierungshinweise
2010 abgebaut und teilweise versetzt
Objektgeschichte
Das Zentralkomitee der SED beschloss 1950, Karl Marx und Friedrich Engels ein Denkmal auf dem nach ihnen benannten Platz, wo bis 1949/1950 das Berliner Schloss gestanden hatte, zu errichten. Es sollte bereits am 70. Todestag von Karl Marx, dem 14. März 1953, enthüllt werden. Doch schnell zeigten sich Diskrepanzen zwischen den politischen und künstlerischen Vorstellungen. Ein Doppelstandbild sollte sowohl städtebaulich abgestimmt als auch in eine Tribüne für politische Massenveranstaltungen integriert werden. Weder die 1952 von vier deutschen Künstlern ausgearbeiteten Entwürfe noch ein 1958/1959 durchgeführter Ideenwettbewerb zur Umgestaltung des Zentrums der Hauptstadt überzeugten die Initiatoren. Die Größenverhältnisse des Platzes, der Architektur und des Denkmals waren nicht miteinander vereinbar. Im Zusammenhang mit dem Bau des Palastes der Republik nahm das Politbüro des ZK der SED das Denkmalvorhaben 1973 wieder auf. Ludwig Engelhardt, Mitglied des künstlerischen Planungskollektivs des Palastes der Republik, wurde mit einer neuen Denkmalkonzeption beauftragt. Er entwickelte mit einem Kollektiv ein inhaltliches und künstlerisches Programm und wurde 1981 vom Politbüro mit der Ausführung seines Entwurfs, der verschiedene künstlerische Elemente in sich vereinte, beauftragt. Das Denkmal sollte vor dem Palast der Republik auf dem Sockel des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals auf einer großen Kreisfläche entstehen. Aus Kostengründen und wegen des Parkplatzes, wurde der Standort 1982 auf die andere Seite des Palastes der Republik, jenseits der Spree, verlegt. Ludwig Engelhardt hatte das Modell des Marx-Engels-Denkmals bis Ende 1983 fertiggestellt. Kunstbronze war für den Guss allerdings nicht verfügbar, da für das gleichzeitig im Entstehen befindliche Ernst-Thälmann-Denkmal 100 Tonnen, das Kontingent für drei Jahre, reserviert worden waren. Dem wissenschaftlich-technischen Leiter des Marx-Engels-Denkmals, Friedrich Nostitz, gelang es, mit dem Bildhauer Lew Kerbel eine Einsparung von 10 Tonnen Bronze durch einen dünneren Guss des Thälmann-Denkmals auszuhandeln. Daraufhin erfolgte der Bronzekunstguss des Marx-Engels-Denkmals im VEB Schwermaschinenbau in Lauchhammer von Ende 1985 bis Anfang 1986. Im Gegensatz zum Ernst-Thälmann-Denkmal – keine zwei Wochen später eingeweiht – fand für das Marx-Engels-Denkmal keine Enthüllungsfeier statt, sondern lediglich eine Kundgebung zur Präsentation des neu gestalteten Marx-Engels-Forums am 4. April 1986. „Mit einer Kundgebung, auf der Erich Honecker ... vor 50000 Berlinern das Wort ergriff, wurde am Freitag, das Marx-Engels-Forum eingeweiht. Am Vorabend des XI. Parteitages der SED ... Erich Honecker: ‚Karl Marx und Friedrich Engels ehren wir als die beiden großen Revolutionäre und genialen Wissenschaftler, deren weltgeschichtliche Bedeutung vor allem darin besteht, daß sie die Entwicklungsgeschichte der menschlichen Gesellschaft aufgedeckt und den gesetzmäßigen Sieg des Sozialismus nachgewiesen haben'" (Zitat aus: Neues Deutschland, 5./6. April 1986). Das Denkmal erhielt den Spitznamen „Sacco und Jacketti“. Es war und ist - auch im stark reduzierten Aufstellungszustand (2019) - ein beliebtes Fotomotiv, besonders bei Touristen. Bis zum Ende der DDR fanden dort keinerlei politische Veranstaltungen statt. Es wurde 2010 für den U-Bahn-Bau an den nordwestlichen Rand des Forums nahe der Karl-Liebknecht-Straße versetzt (Carmen Mann, Zitadelle Spandau).
Verwendete Materialien
Bronze
Marmor
Granit
Metall
Farbe
Technik
gegossen
behauen
geschweißt
geätzt
gedruckt
verlegt
zusammen gefügt
ZustandZeitpunkt
abgebaut, versetzt 20102019
Vollständigkeit
unvollständigAufstellung stark komprimiert, Anordnung 2010 verändert

  Nachweise

  • Endlich, Stefanie: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin, 1990, S. 280-281.
  • Dickel, Hans: Kunst in der Stadt : Skulpturen in Berlin 1980 - 2000, S. 67ff..
  • Klother, Eva-Maria: Denkmalplastik nach 1945 bis 1989 in Ost- und Westberlin, 1998.
  • Trost, Heinrich: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Berlin: Bezirk Mitte, Ortsteil Mitte, 2003.
  • Berger, Ursel: Enthüllt: Berlin und seine Denkmäler: Zitadelle, Berlin, 2017, S. 156-157.
  • Stötzer, Werner: Werner Stötzer : 1931 - 2010 ; [anlässlich der Ausstellung Werner Stötzer 1931 - 2010, Georg-Kolbe-Museum, Berlin, 23. Januar bis 3. April 2011], Berlin, 2011, S. 22-23.

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