Laitière

Laitière

Milchmädchen

Auf einem Granitfindlung sitzt die antikisierend gewandte Figur eines Mädchens, das den Henkelteil eines zerbrochenen Milchkruges in der linken Hand hält, während sie traurig den geneigten Kopf in die aufgestützte rechte Hand legt. Vor ihr rinnt aus dem zu Boden gefallenen Krug die vergossene „Milch“ (das Brunnenwasser) (Jörg Kuhn).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Sokolow, Pawel PetrowitschKünstler_In1816-1827
des Originals in Schloss Peterhof in Sankt Petersburg
Datierungshinweise
Neuguss zwischen 1983 und 1988; Wiedereinweihung am 26.05.1989
Objektgeschichte
Für den Park der Sommerresidenz der russischen Zarenfamilie Zarskoje Selo (Puschkin) schuf Sokolow eine anrührende bronzene Mädchenfigur, der sogenannten „Laitière“. Das Motiv entlieh sich der Bildhauer aus dem moralischen Märchen vom „Milchmädchen“ (nach Jean de la Fontaine). Das Märchen erzählt die Geschichte eines Bauermädchens, das auf dem Weg vom Bauernhof zum städtischen Markt überlegt, was es alles mit dem Geld machen könne, welches es durch den Verkauf der in einem Krüglein mitgeführten Milch anfangen könne. Durch das träumerische Grübeln unaufmerksam geworden stolpert das Mädchen, fällt und der Krug zerbricht, die Milch rinnt von dannen und alles Träumen war umsonst. Die Figur Sokolows erfreute auch Prinz Carl von Preußen. So schenkte ihm seine Schwester, Zarin Alexandra Feodorowna, zum Geburtstag 1827 eine Zweitausführung. Diese wurde auf einem schon 1825 im Park nachgewiesenen Findling aufmontiert. Erst 1837 (nach einer anderen Quelle erst 1838) gelang es mit der Verbesserung der technischen Vorraussetzungen zur Bewässerung des Parks, das Wasser aus dem Krug über den Felsen rinnen zu lassen. Während das Original in Russland vor der Zerstörung durch die deutschen Besatzer durch Vergraben gerettet werden konnte, wurde das Klein-Glienicker Milchmädchen 1942 abgeräumt und vermutlich eingeschmolzen. Da diese Figur zu den wichtigsten Ausstattungsstücken des Pleasuregrounds gehörte, richtete sich das Augenmerk bereits ab 1979 auf eine Rekonstruktion. Durch die Grabungen der Gartendenkmalpflege konnte 1981 das originale Kalksteinfundament der Brunnenanlage ergraben werden. Im gleichen Jahr konnte auch der vollkommen überwucherte originale Granitfindling im Park vom Jagdschloss Glienicke entdeckt und in originaler Stellung im Pleasureground von Klein-Glienicke wiedererrichtet werden. Das von Abbildungen bekannte kleine Wasserbecken vor dem Findling konnte ebenfalls wieder rekonstruiert werden sowie nach alten Ansichten die Bepflanzung. 1983 eingeleitet, konnte 1989 als Stiftung der Staatlichen Museen Zarskoje Selo / St. Petersburg an das Land Berlin / Stiftung Staatliche Schlösser und Gärten Berlin / Schloss Charlottenburg eine moderne Bronzekopie der „Laitière“ feierlich in Klein-Glienicke wieder eingeweiht werden. Ein weiterer neuzeitlicher Nachguss der Plastik steht im Park von "Schloss Britz" (Jörg Kuhn).
Verwendete Materialien
Bronze
Granitfindling
Brunnentechnik
Technik
gegossen
patiniert
montiert
ZustandZeitpunkt
Krugverkalkt2005
gesamtverschmutzt, leicht2005
Vollständigkeit
vollständignach Rekonstruktion 1988/89

  Nachweise

  • Lesser, Katrin: Gartendenkmale in Berlin, Parkanlagen und Stadtplätze , 2013, S. 360-367.
  • Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte : JBLG, Berlin, 1950 bis heute, S. 115-122. Jahrbuch 1979, Aufsatz von Michael Seiler: "Die Laitiére des Pawel Petrowitsch Sokolow im Pleasureground zu Klein-Glienicke"
  • Krosigk, Klaus von: Glienicke, Berlin, 1984, S. 43.
  • Eifrig, Penelope: Gartenkunst Berlin : 20 Jahre Gartendenkmalpflege in der Metropole = Garden art of Berlin, Berlin, 1999, S. 43-54. besonders S. 45 und S. 49 (mit weiterer Literatur)
  • Staatliche Schlösser und Gärten Berlin, West: Schloß Glienicke : Bewohner, Künstler, Parklandschaft, Berlin, 1987, S. 142, 402-404, 410-411. Abb. 82, 258; Kat.-Nr. 258, Kat.-Nr. 274
  • Krosigk, Klaus von: 25 Jahre Gartendenkmalpflege im Park von Klein-Glienicke. Ein wiederentdecker Garten Eden, Berlin, 2003.

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