Kriegerdenkmal des Königin Augusta Garde Grenadier Regiment No. 4

Kriegerdenkmal des Königin Augusta Garde Grenadier Regiment No. 4

Foto: Susanne Kähler, 2012, CC-BY-4.0

Das Monument ruht auf einem rechteckigen Granitfundament. Auf rechteckigem Standsockel erhebt sich zurückgesetzt ein aus mächtigen, polierten Granitblöcken gefügter Katafalk. Die Oberseite ist angeschrägt gearbeitet und leitet zu dem zurückgesetzt aufruhenden Plinthenblock. Auf diesem Block liegt unter einem Bahrtuch oder einer als solcher zum Einsatz gebrachten Fahne ein toter Soldat, im Tod noch den rechten Arm mit geballter Faust seitlich ausschreckend. Auf dem Bahrtuch ruht in Brusthöhe des Toten sein Stahlhelm über dem zerbrochenen Schwert, das mit Lorbeer umwunden ist. Auf allen vier Seiten befinden sich, zusammen mit den Emblemen der hier beteiligten Regimenter ehemals offenbar goldfarben hinterlegte Inschriften. Die Inschrift der Rückseite ist sichtbar getilgt worden (Jörg Kuhn).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Dorrenbach, FranzKünstler_In1924-1925
Fa. GrasymaAusführende_R
Vereinigten Fichtel-Gebirgs-Granit, Syenit- und Marmorwerke A.G. zu Wunsiedel (Bayern)
Datierungshinweise
Einweihung am 11.10.1925, 1930 und 1938 versetzt, 1946 Inschriftenteil getilgt
Objektgeschichte
Franz Dorrenbach, der innerhalb eines Wettbewerbs um ein anderes Garde-Regiments-Kriegerdenkmal zwei alternative Entwürfe eingereicht hatte, konnte mit dem zweiten Entwurf, zu dem er sich von einer gemalten Darstellung eines toten Soldaten unter einem Bahrtuch hatte inspirieren lassen, auch die Aufmerksamkeit des Denkmalkomitees für das Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiment Nr. 4-Kriegerdenkmal erringen. Insbesondere der Vorsitzende des Vereins der Offiziere des Königin-Augusta-Regiments, Major a.D. von der Planitz, war von dem Entwurf angetan. Dorrenbach wurde beauftragt und machte sich sogleich an die Herstellung eines Modells. In dem am Gipfel des „Ochsenkopf“ liegenden Steinbruch der „Vereinigten Fichtel-Gebirgs-Granit, Syenit- und Marmorwerke A.G. zu Wunsiedel (Bayern)“, kurz „Grasyma Wunsiedel“ wurde dann ein 500 Zentner schwerer Granitbrocken gebrochen und mit einem eigens konstruierten Wagen zu der 20 Kilometer entfernten Werkstatt gebracht. Die aus dem Brocken teils mit „hydraulischer Kraft“ gemeißelte Figur wog allein 150 Zentner. Der Sockel wurde aus entsprechend bearbeiteten Stücken des Brockens zusammengesetzt. Die Sockelstücke erhielten einen dunklen Schliff, die Figur dagegen einen helleren Schliff. Das Denkmal wurde in der Südwestecke des Friedhofs aufgestellt. Am Einweihungstag am 11.10.1925 waren zahlreiche Prominente auf dem Friedhof anwesend, darunter Reichspräsident Paul von Hindenburg und Beneckendorff in Marschalluniform samt Sohn Major von Hindenburg, Ehrenkompanie und dem Redner General Sixt von Arnim. Kränze – einer wurde auch aus einem der über der Feier kreisenden Flugzeuge abgeworfen – sandten Ex-Kaiser Wilhelm II, die Königin von Schweden, das Reichswehrministerium, der Großherzog von Baden und die Stadt Koblenz als alter Garnisonstadt des Garde-Grenadier-Regiments. Die demonstrative Verquickung von Politik und Militär wurde von den Befürwortern der Weimarer Republik durchaus sehr kritisch betrachtet (vgl. Schütze, 1986, S. 149). Vor 1930 wurde das Denkmal auf den erhöhten Mittelteil des 1917 angelegten (alten) „Heldenfriedhofs“ versetzt. 1938 wurde das Denkmal an seine jetzige Stelle auf dem neu angelegten (neuen) „Heldenfriedhof“ versetzt. Die künstlich erzeugte Erhöhung der vorhergehenden Aufstellung wurde nicht übernommen. Vermutlich im Zusammenhang mit der photographischen Erfassung aller Denkmäler durch die Alliierten zwecks Beurteilung der Erhaltenswürdigkeit wurde nach dem Oktober 1946 die rückseitige, auf Vergil und angeblich auf einen 1679 von Kurfürst Friedrich Wilhelm, dem Großen Kurfürsten, angesichts des ihm aufgezwungenen Friedensschluss von St. Germain getanen Ausruf zurückgehende Inschrift aufgrund ihrer betont rachsüchtigen, gewaltbereiten und revanchistischen Tendenz ausgemeißelt (Jörg Kuhn).
Verwendete Materialien
Granit, Fichtelgebirgsgranit, Porphyr
Beton
Farbe, goldfarbe Auslegung der Inschriften
Technik
behauen
poliert
geprellt
geschliffen
zusammen gefügt
Inschriften
Inschrift (eingemeißelt)
Front
WIR STARBEN, AUF DASS DEUTSCHLAND LEBE, SO LASSET UNS LEBEN IN EUCH! / 1914-1918 / DEM KÖNIGIN AUGUSTA / GARDE GRENADIER-REGIMENT No. 4. / UND SEINEN SÖHNEN
Inschrift (gemeißelt)
am Objekt rechte Seite
RES. INF. / REG. No. 202
Inschrift (eingemeißelt)
an der Plinthenkante rechts hinten
PROF. DORRENBACH / CHARLOTTENBURG
Inschrift
am Sockel hinten
GRASYMA / WUNSIEDEL
Inschrift (eingemeißelt)
am Objekt linke Seite
RES. INF. / RGT. No. 55
Inschrift (war eingemeißelt)
am Objekt, Rückseite
EXORIARE ALIQUIS NOSTRIS / EX OSSIBUS ULTOR
ZustandZeitpunkt
bemoost2012
beschmiert, Reste von Beschmierung noch sichtbar2012
veralgt2012
Fugenmasserissig, teilweise abgängig2012
Vollständigkeit
unvollständigeine Inschrift 1946 beseitigt

  Nachweise

  • Schütze, Karl-Robert: Von den Befreiungskriegen bis zum Ende der Wehrmacht. Der Garnisonfriedhof, Berlin, 1986, S. 147-150.
  • Weinland, Martina: Kriegerdenkmäler in Berlin 1870 bis 1930, Frankfurt am Main, 1990, S. 178.
  • Lesser, Katrin: Gartendenkmale in Berlin: Friedhöfe, Petersberg, 2008, S. 355.
  • Beck, Arndt: Die beerdigte Nation - "Gefallenen"-Gedenken von 1813 bis heute, Berlin, 2009.
  • Libero, Loretana de: Rache und Triumph. Krieg, Gefühle und Gedanken in der Moderne, München, 2014, S. 46-58, 260. Abb. 9a-9c

Ihre Information ist gefragt