Julius-Fucik-Denkmal

Julius-Fucik-Denkmal

Foto: Jürgen Tomisch, 2018, CC-BY-4.0

Für den 1943 von der Gestapo ermordeten tschechischen Schriftsteller und Antifaschisten Julius Fucik entstand bis 1974 eine große, mehrteilige Gedenkstätte. Sie besteht aus fünf weißen, unterschiedlich hohen Betonstelen, von denen drei bis zu sechs Meter und zwei etwa vier Meter hoch sind. Drei der fünf Stelen stehen leicht versetzt nebeneinander. Sie bilden die Hauptansicht des Denkmals. Die rechte hohe Stele zeigt ein ornamentales, kerbschnittartig vertieftes Muster, die mittlere höchste Stele im Zentrum trägt die bronzene Hochreliefbüste Julius Fuciiks, die linke kleinere Stele trägt eine eingemeißelte Inschrift in deutscher, tschechischer und russischer Sprache, Worte, die Fuciks „Reportage, unter dem Strang“ entnommen wurden. In einer zweiten Reihe dahinter sind, ebenfalls versetzt, die weiteren zwei Stelen aufgestellt. Sie sind zum Teil auch mit dem ornamentalen Muster, das aus abstrakten Zeichen und abstrahierten Figuren sich zusammensetzt, versehen, das entweder in die Seitenwangen, Vorder- oder Rückseiten eingelassen ist. Auch die Inschrift wiederholt sich auf der rechten Seite der rechten vorderen Stele des Denkmals (Jürgen Tomisch).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Němeček, ZdeněkBildhauer_In1973-1974
Pycha, VladimirBildhauer_In
Datierungshinweise
nach 1993 "politisch" entschärft
Objektgeschichte
Am 8. September 1973 fand die feierliche Grundsteinlegung für das Erinnerungsmal des tschechoslowa-kischen Schriftstellers, Journalisten und Widerstandkämpfers Julius Fucik (1903-1943) unter Teilnahme von Fuciks Lebensgefährtin statt. Dabei wurde auch bereits das von dem Prager Bildhauer Zdenek Nemecek geschaffene Relief mit dem Bildnis Julius Fuciks von ihr enthüllt. Die Einweihung des Denkmals erfolgte am 8. Mai 1974. Das Denkmal war ein Geschenk des Jugendverbandes der früheren CSSR anlässlich der X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten 1973 an die Ostberliner Gastgeberstadt. Der Magistrat von Ostberlin ließ es im Bürgerpark Pankow, nördlich der Panke, nahe dem Parkzugang von der Heinrich-Mann-Straße aufstellen. Die Gedenkstätte gestalteten der Prager Bildhauer Zdenek Nemecek und der tschechischer Architekt Architekt Vladimír Pýcha sowie weitere Künstler (siehe Hinweistafel am Denkmal). Pýcha war wohl aufgrund seiner Leiterfunktion des Studios bei Juvenastav, der Projekt- und Ingenieurgesellschaft der tschechoslowakischen Sozialistischen Jugendunion, beteiligt worden. Julius Fucik wurde am 23. Februar in Prag geboren. Er war Schriftsteller und gab als Journalist seit 1939 in Prag die illegale "Rude Pravo" heraus. Seine Arbeiten gelten als wegweisend für die kommunistische Literaturgeschichte. 1941, während der deutschen Okkupation der CSSR, wurde er Mitglied des illegalen Zentralkomitees der tschechischen kommunistischen Partei in Prag. Wegen der Anschuldigung, seine Genossen an die Gestapo verraten zu haben, wurde er von seinen eigenen Mitstreitern denunziert und am 24. April 1942 von der Gestapo verhaftet. Erst 16 Monate später, am 25. August 1943, stand er vor dem Volksgerichtshof, der ihn zusammen mit 185 Angeklagten zum Tode verurteilte. Am 9. September 1943 wurde Julius Fucik in Plötzensee enthauptet. Sein Schicksal vor der Hinrichtung notierte er im Gefängnis. Der Text wurde von der Kommunistischen Partei später unter dem Titel "Reportage, unter dem Strang geschrieben" veröffentlicht (Vgl.: Klother, Eva-Maria: Denkmalplastik nach 1945 bis 1989 in Ost- und West-Berlin, 1998, S. 102). Das Denkmal steht auf einer baumbestandenen Wiese am Nordufer der Panke im Volkspark Schönholzer Heide in Niederschönhausen. Der Grünzug längs der Cottastraße ist im Süden durch Brücken über die Panke an den Pankower Bürgerpark gestalterisch angebunden. In beiden Parkteilen sind ab den 1950er Jahren eine Vielzahl von Denkmäler und Kunstwerken aufgestellt worden, die einen anschaulichen Überblick über die DDR-Bildhauerkunst vermitteln. Nach der politischen Wende von 1989/1990 wurde das Denkmal, entprechend den Empfehlungen der "Kommission zum Umgang mit den politischen Denkmälern der Nachkriegszeit im ehemaligen Ost-Berlin" überarbeitet und eine Inschriftentafel entfernt. Sie befand sich rechts unten, an der linken der beiden vorderen Säulen am Durchschlupf. Sie trug die Inschrift mit den Namen der beteiligten Künstler und Architekten: Dieses Mahnmal wurde der Jugend der DDR / und der Hauptstadt der DDR Berlin / von der Jugend der ČSSR gewidmet. / Autor des Denkmals Ak. Arch. V. Pýcha / Autor des Reliefs Julius Fučik‘s / Ak. Bildh. Z. Němeček / Künstlerische Zusammenarbeit / Ak. Bildh. J. Kadlčík Ak. Bildh. R. Formánek / Ak. Mal. J. Mikulka (Jürgen Tomisch).
Verwendete Materialien
StelenBeton
ReliefsBronze
Technik
Stelengegossen
Reliefsgegossen
Inschriften
Inschrift (eingemeißelt)
linke Stele vorne, Vorderseite
MENSCHEN, / ICH HATTE / EUCH LIEB. / SEID WACHSAM! / ЛЮДИ, / Я ЛЮБИЛ ВАС. / БУДЬТЕ / БДИТЕЛЬНЬІ! / LIDÉ, / MĚL JSEM / VÁS RÁD. / BDĚTE! / JULIUS FUCIK
ZustandZeitpunkt
gesamtbeschmiert, leicht2018
verschmutzt, im oberen Bereich2018
Vollständigkeit
vollständig

  Nachweise

  • Funeck, Gottfried: Park- und Grünanlagen in Berlin, Berlin, 1988, S. 82.
  • Endlich, Stefanie: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin, 1990, S. 316.
  • Plastiken, Denkmäler, Brunnen in Berlin: Gesamtverzeichnis, Katalog, Berlin, 1993, S. 58.
  • Maur, Hans: Berliner Gedenkstätten. Orte des Terrors, der Verfolgung und des Widerstandes 1933-1945, Berlin, 1998, S. 101.
  • Endlich, Stefanie: Wege zur Erinnerung, Gedenkstätten und -orte für die Opfer des Nationalsozialismus, Berlin, 2007, S. 333-334.
  • Killisch-Horn, Astrid von: Bürgerpark Pankow : grüner Lebensraum im Zeitenwandel, Rudolstadt, Schloßstr. 25, 2007, S. 229.
  • Maur, Hans: Mahn-, Gedenk- und Erinnerungsstätten der Arbeiterbewegung in Berlin-Lichtenberg, Berlin, 1982, S. 18-19.
  • Büttner, Horst: Hauptstadt Berlin; 2. Im Bereich Dokumentation u. Publikation bearb. von Horst Büttner ... Gesamtred. Heinrich Trost, 1987, S. 45.
  • Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd. II, Bonn, 2000, S. 127.
  • Klother, Eva-Maria: Denkmalplastik nach 1945 bis 1989 in Ost- und Westberlin, 1998, S. 102.
  • Sandvoß, Hans-Rainer: H. 6. Widerstand in Pankow und Reinickendorf, Berlin, 1992, S. 262.

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