Hasenhetze der Rokokozeit (um 1750)

Hasenhetze der Rokokozeit (um 1750)

Foto: Susanne Kähler, 2003, CC-BY-4.0

Bronzene Figurengruppe auf hohem rechteckigen Sockel aus Muschelkalkstein. Dargestellt ist in veristischer Gestaltung eine Hasenhetze aus der Zeit um 1750. Die „Hasenhetze“ zeigt den Beginn der Hasenjagd. „Mit der Hetzpeitsche in der Hand weist der Jagdherr dem einen der Hunde (russischer Steppenhund) den Weg, während der zweite in seinem Jagdeifer durch den Piqueur kaum noch gezügelt werden kann“ (Müller-Bohn, 1905, S. 73). Der jüngere und körperlich kleinere „Piqueur“ rechts in der Gruppe hält der rechten der beiden Jagdhunde kurz an der Leine. Der Hund steht auf seinen Hinterläufen, den Körper stark bewegt nach oben gerecht. Der „Piqueur“ trägt an seinem Jagdgürtel einen erlegten Hasen, dessen Hinterläufe zusammengebunden sind und der so mit dem Kopf nach unten parallel zur Figur des Jägers herabhängt. Die beiden mit der berufsgemäßen Kleidung von höfischen Jagdleuten aus der Mitte des 18. Jahrhunderts gekleideten Jäger stehen mit den stark bewegt dargestellten begleitenden Hunden auf einer rechteckigen Plinthe mit stark ausgebildetem Naturrelief. Wie auch die drei anderen zugehörigen Jagdgruppen dominiert im Gesamtaufbau der Szene eine pyramidal angelegte Höhenstaffelung, die durch die sich stark nach links bewegende Hauptfigur in ihrer Gestalt etwas verzerrt wird. Die im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Gruppe wurde 1986/87 ergänzt. Zu den Verlusten zählt sowohl die Bildhauer-Bezeichnung, als auch die Angabe der Gießerei. Stilistisch handelt es sich um eine Figurengruppe im Sinne des Neubarock der hochhistoristischen Berliner Bildhauerschule. Die direkte Denkmalumgebung ist über rechteckigem Grundriss gepflastert. (Susanne Kähler/Jörg Kuhn)

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Baumbach, MaxKünstler_In1903-1904
Fa. GladenbeckGießerei
Fa. KraasGießerei
der Restaurierung und Ergänzung 1986-1987
Datierungshinweise
Einweihung: 02.11.1904; Wiedereinweihung nach Umsetzung: 20.04.1939; 1986 Ergänzung, 1988 Wiederaufstellung im Großen Tiergarten
Objektgeschichte
Einweihung: 02.11.1904 an der Charlottenburger Chaussee im Bereich des Großen Sterns im Zusammenhang mit der Aufstellung des Hubertus-Brunnens von Cuno von Uechtritz-Steinkirch und drei weiterer Jagdgruppen sowie Hirschfiguren auf den Einfassungsbrüstungen des Großen Sterns; Wiedereinweihung nach Umsetzung: 20.04.1939. Stärkere Beschädigung im Zweiten Weltkrieg, Verlust des originalen Sockels. Zwischenaufstellung unter anderem im Einkaufszentrum Tegel-Center. 1986-1987 umfassende Wiederherstellung (Neuschöpfung des Kopfes des rechten Jägers, beim Jagdhund rechts Erneuerung des rechten Laufs und des Schweifs, Nachschöpfung des linken Hundes, Nachschöpfung des verloren gegangenen Hasenkopfes. 1988 Rekonstruktion des Sockels und Wiederaufstellung im Großen Tiergarten samt Pflasterung der Sockelumgebung (Jörg Kuhn).
Verwendete Materialien
GruppeBronze
SockelMuschelkalk
Technik
Gruppegegossen
montiert
patiniert
Sockelbehauen
schariert
aufeinander gefügt
Inschriften
Bezeichnung (gegossen)
an der Plinthenkante vorne links
RESTAURIERT 1986/87 / BILDGIESSEREI KRAAS BERLIN
ZustandZeitpunkt
Sockelbeschmiert2003
Gruppekorrodiert, teilweise2003
Vollständigkeit
vollständignach Ergänzung 1986

  Nachweise

  • Müller-Bohn, Hermann: Die Denkmäler Berlins in Wort und Bild, Berlin, 1905, S. 72-74.
  • Wirth, Irmgard: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Bezirk Tiergarten, Berlin, 1955, S. 219.
  • Endlich, Stefanie: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin, 1990, S. 174-175.
  • Reclams Kunstführer Berlin, Stuttgart, 1991, S. 203.
  • Wendland, Folkwin: Der Große Tiergarten in Berlin, Berlin, 1993, S. 219, 221, 244.
  • Bloch, Peter: Die Berliner Bildhauerschule im neunzehnten Jahrhundert : das klassische Berlin, Berlin, 1994, S. 310.

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