Gedenkstein für das GESTAPO-„Arbeitserziehungslager Wuhlheide“

Gedenkstein für das GESTAPO-„Arbeitserziehungslager Wuhlheide“

Foto: Susanne Kähler, 2019, CC-BY-4.0

Stehender, hochrechteckiger Steinzippus, unten umlaufend leicht eingezogen. An der Front rechteckige bronzene Inschriftentafel mit erhaben gegossenen Lettern, darüber Steinplatte in Gestalt des NS-Winkel-Symbols für kommunistische (politische) Gefangene. An den beiden Seiten ebenfalls rechteckige bronzene Inschriftentafeln. Rückseite ohne besondere Gestaltung. Umgebung mit kleinen Granitpflastersteinen belegt. Liegt gegenüber dem umgebenden Tierparkgelände leicht erhöht (Jörg Kuhn).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Namslauer, HugoGartenarchitekt_In1981-1985
Hauptkonservator, Gesamtplanung vom Institut für Denkmalpflege der DDR
VEB Stuck & NatursteinAusführende_R
Restaurierungsbetrieb
Objektgeschichte
Auf Anregung von Dora Miethe beschloss der Magistrat von Ost-Berlin (Hauptstadt der DDR) die Errichtung des Gedenksteins. Der Hauptkonservator und Gartenarchitekt Hugo Namslauer leitete in den 1980er Jahren die Gesamtplanung durch das Institut für Denkmalpflege der DDR. Das Gedenkmal erinnert an die Geschichte des Ortes währen der NS-Zeit. 1938 hatte die Eigentümerfamilie von Treskow 29.000 qm ihres Schlossparks an die Deutsche Reichsbahn verpachtet. Die DR errichtete hier ein Barackenlager. Am 15. April 1940 und im August 1941 eignete sich die nationalsozialistische Geheime Staatspolizei (GESTAPO) jeweils zwei Baracken an, die unter dem euphemistischen Titel "Arbeitserziehungslager Wuhlheide" zur Unterbringung von Zwangsarbeitern missbraucht wurden. Der größte Anteil an Zwangsarbeitern (zumeist so genannte Kriegsgefangene) stammte aus osteuropäischen Ländern, die das nationalsozialistische Deutsche Reich besetzt hatte. Nur ein kleiner Teil der Zwangsarbeiter bestand aus deutschen Gefangenen. Die Gefangenen mussten Zwangsarbeit für die nationalsozialistische Rüstungsindustrie verrichten. Zwischen 1940 und 1945 wurden hier an die 30.000 Menschen unter entwürdigenden und lebensgefährlichen Bedingungen gefangen gehalten, im Schnitt 450 bis 700 Menschen gleichzeitig. Die Inschriften des Gedenkmals sind typische Beispiele für die politische Instrumentalisierung historischer Stätten des NS-Unrechts durch offizielle Stellen in der DDR. Obgleich in der Nähe des Alfred-Brehm-Hauses im südlichen Tierparkbereich aufgestellt, ist das Gedenkmal nicht leicht zu entdecken. Außerhalb des - durch seine Lage innerhalb des Tierparks eintrittsentgeldpflichtigen Besuchs der Gedenkstätte - wurden im Jahr 2000 an der Adresse Am Tierpark 135 deswegen zwei Inschriftentafeln aus Edelstahl in Stahlrahmen errichtet und zwar auf einer Freifläche vor dem Direktionssitz der Tierparkverwaltung. Hier findet der interessierte Besucher neben einem Lageplan des ehemaligen Lagers auch weitere Informationen zum Lager und dem Lagersystem des NS-Staates (Jörg Kuhn u. a. auf der Grundlage von Texten des Landesdenkmalamtes Berlin von 1993).
Verwendete Materialien
gesamtGranit
TafelnBronze
Technik
behauen
Winkelsymbolpoliert
gegossen
zusammen gefügt
Pflasterverlegt
Inschriften
Tafel (gegossen, appliziert)
am Objekt, Vorderseite
HIER BEFAND SICH DAS / "LAGER WUHLEIDE" / DER FASCHISTISCHEN / GEHEIMEN STAATS- / POLIZEI (GESTAPO), IN / DEM ZWANGSARBEITER / UND KRIEGSGEFANGENE / AUS 16 LÄNDERN FÜR DIE / RÜSTUNGSINDUSTRIE / AUSGEBEUTET, / MISSHANDELT / UND ERMORDET WURDEN / --
Tafel (gegossen, appliziert)
am Objekt, linke Seite
EUER MUT UND EURE / STANDHAFTIGKEIT / IM / ANTIFASCHISTISCHEN / WIDERSTANDSKAMPF / SIND UNS / VERPFLICHTUNG
Tafel (gegossen, appliziert)
am Objekt, rechte Seite
TAUSENDE / ANTIFASCHISTISCHE / WIDERSTANDSKÄMPFER / WURDEN IN DIESES / LAGER VERSCHLEPPT. / UNTER IHNEN BEFANDEN / SICH FUNKTIONÄRE DER / ILLEGAL KÄMPFENDEN / KPD, VON DENEN VIELE / HIER ODER IN / ZUCHTHÄUSERN UND / KONZENTRATIONSLAGERN / ERMORDET WURDEN.
ZustandZeitpunkt
biogener Bewuchs2019
Bronzenkorrodiert, teilweise2019
WinkelMaterialausbrüche, linker Rand2019
Vollständigkeit
vollständig

  Nachweise

  • Endlich, Stefanie: Wege zur Erinnerung : Gedenkstätten und -orte für die Opfer des Nationalsozialismus, Berlin, 2007, S. 152-155.
  • Spanjer, Rimco: Zur Arbeit gezwungen : Zwangsarbeit in Deutschland 1940 - 1945, Bremen, 1999.
  • Lotfi, Gabriele: KZ der Gestapo : Arbeitserziehungslager im Dritten Reich, Frankfurt am Main, 2003.

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