Endspiel

Endspiel

Foto: Susanne Kähler, 2008, CC-BY-4.0

In die Rasenfläche wurde ein rechteckiges mit kleinen Granitquadern gepflastertes Feld eingefügt, über das sich ein an zwei Bronzepfählen befestigter Draht spannt. An der einen Seite der so gebildeten Grenze stehen zwei realistisch gebildete, mit Straßenschuhen und langer Anzughose bekleideten Unterschenkel, die unterhalb der Knie mit gerader Fläche abgeschnitten sind: eine imaginäre Person steht mit geschlossenen Beinen. Eine weitere imaginäre Person, von der ebenfalls nur die Unterschenkel dargestellt sind, schreitet über den Draht auf die andere Person zu, droht möglicherweise sogar über den Draht zu stolpern (Jörg Kuhn, Susanne Kähler).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Priotti, GloriaKünstler_In1980
Objektgeschichte
Ursprünglich Teil des senatsgeförderten Skulpturengartens auf dem Messegelände am Funkturm, der 1981 eingerichtet und nach 1990 aufgelöst wurde. Der Titel dieser Plastik „Endspiel“ verweist direkt auch Samuel Becketts gleichnamiges Theaterstück. Dieses 1957 in französischer Sprache (Fin de Partie) geschriebene und uraufgeführte Stück, das dem „Theater des Absurden“ zuzurechnen ist, spielt in der Endzeitstimmung nach einer universellen Katastrophe. Vier Personen sind an der Handlung beiteiligt, die beinlosen, in einer Mülltonne lebenden Nagg und Nell (hier bereits ein Bezug zu den Beinen der plastischen Darstellung) und die beiden Hauptpersonen Hamm und Clov, die in gegenseitiger Abhängigkeit zum Zusammenleben gezwungen sind, es aber nicht können. Beckett beschreibt wie Priotti in ihrer bildhauerischen Interpretation ein auf ein Minimum reduziertes Leben. Die Bildhauerin Gloria Priotti, geboren in Buenos Aires, hat an der Kunsthochschule ihrer Heimatstadt studiert. 1975 erhielt sie ein Stipendium nach Berlin. Zusammen mit ihrem Mann, dem Künstler Daniel Zelaya, lebte sie auf Einladung des Berliner Senats zwischen 1975 und 1983 in Berlin. Das Ehepaar hatte ein Atelier im Künstlerhaus Bethanien. Priotti definierte das Thema für ihr Berliner Werk folgendermaßen: "Der Mensch. Der Mensch und seine Hindernisse. Der Mensch als Fragment. Der Mensch und die Gesellschaft. Der Mensch als Objekt. Der Mensch, geknetet, transformiert, manipuliert." (vgl.: Michael Nungesser: Zeitgenössische Graphik, Zeichnung, Malerei und Skulptur. Eine Werkauswahl von neunzehn Künstlerinnen und Künstlern aus Argentinien, 2002, in: www.kleinsassen.de/gal-2002/karg-03.php; Zugriff 8. 7.2008, 21:22). Die 1980 entstandene Plastik wurde 1999 im Garten des AVK (Auguste-Viktoria-Krankenhaus, Vivantes-Klinikum) aufgestellt (Jörg Kuhn, Susanne Kähler).
Verwendete Materialien
FigurBronze
Stahl
StandflächeGranit, Pflaster
Technik
Figurgegossen
geschmiedet
Granitbehauen
ZustandZeitpunkt
Bronzekorrodiert, leicht2008
Vollständigkeit
vollständig

  Nachweise

  • Endlich, Stefanie: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin, 1990, S. 21 - 22.
  • Dieckmann, Sebastian: Der Skulpturengarten und die Kunstsammlung im Auguste-Viktoria-Krankenhaus in Berlin-Schöneberg, Berlin, 1999, S. 43. (Stefanie Jaeckel zur Plastik Priottis)

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