Denkmal für die deutschen Interbrigadisten

Denkmal für die deutschen Interbrigadisten

Spanienkämpferdenkmal
Foto: Susanne Kähler, 2010, CC-BY-4.0

Vom Bürgersteigniveau der Friedenstraße aus führt eine breite Treppenanlage zum erhöht gelegenen gepflasterten Denkmalmalplatz hinauf. An der linken Seite steht eine auf vier Metallstützen aufgeständerte rechteckige Bronzetafel mit den Maßen 250 x 400 cm, die in kleinteiligem Relief beidseitig gestaltet ist. Die Reliefs beinhalten eine detailreiche Schilderung der Kriegsereignisse in Spanien ab 1936. Auf der dem Park zugewandten Seite wird die erste Phase des Spanienkriegs geschildert. Drei Geschehnisse sind dargestellt und in einer Komposition zusammengefasst: Die erste Szene zeigt den Widerstand des spanischen Volkes gegen die aufständischen faschistischen Generäle im Juli 1936. In einer weiteren Szene wird der Angriff der deutschen nationalsozialistischen Luftwaffe gegen die spanische Republik im August 1936 wiedergegeben, die dritte Szene stellt die Reaktion der internationalen Solidarität bis zur Bildung der internationalen Brigaden im Oktober 1936 dar. Die der Straße zugewandte Seite des Bronzereliefs schildert die wichtigsten Etappen des militärischen Ablaufs der ersten beiden Kriegsjahre. Die rechte Seite des Denkmalplatzes wird von einer Bronzefigur, ein Werk des Bildhauers Fritz Cremer, dominiert. Dargestellt ist ein Kämpfer im Soldatenmantel, der eine Baskenmütze trägt. Er befindet sich im Sprung (aus dem Schützengraben?), bzw. wirft sich nach vorne. Sein Körper, das rechte Bein und der rechte diagonal nach oben weisende Arm sind gestreckt. In der rechten Hand trägt er ein Schwert, der linke Arm ist angewinkelt und die Faust ist geballt. Er stützt sich auf das Knie des angewinkelten linken Beins, das – als einzige Standfläche der Figur – auf einem quadratischen Pfeiler aus Sandsteinquadern montiert ist. Das rechte Bein hängt in der Luft. Die Fläche des Absprungs wird durch die schräge Fläche eines weiteren gemauerten Sockels angedeutet. Die Figur mit dem Sockelensemble ist als Diagonale im Raum komponiert, das Schwert des Kämpfers bildet einen rechten Winkel dazu. Der Gesichtsausdruck des Kämpfers ist geprägt von Härte und Entschlossenheit, insgesamt ist die Figur Cremers als Stellvertreter der Widerstandskämpfer zu sehen, als Ausdruck „zielgerichtete revolutionärer Kraft“. Vor der Figur des Spanienkämpfers liegt auf den Stufen heute eine Bronzetafel (Susanne Kähler).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Cremer, FritzKünstler_In1967-1968
Gesamtkonzept
Siegfried KreppKünstler_In
Reliefs
Fa. LauchhammerGießerei
Relief
Fa. Seiler und SiebertGießerei
Kämpferfigur
Wittkugel, KlausBeteiligte_r
Schriftgestaltung
Datierungshinweise
Einweihung am 12. 09. 1968. Die Inschriftentafel nach 1993 ausgetauscht
Objektgeschichte
Entstanden im Auftrag des Komitees der Spanienkämpfer der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Grundsteinlegung der Anlage Mitte Mai 1966 anlässlich des 30. Jahrestages des Beginns des Spanischen Bürgerkrieges (1936-39), in dem ausländische Brigaden auf Seiten der Republik kämpften. Die DDR leitete ihre militärische Tradition sowie ihre historische Legitimation von der Beteiligung deutscher Kommunisten und Sozialisten an den Internationalen Brigaden ab. Die Inschrift auf der Bronzetafel, die bis zur Entfernung nach 1993 in der Mitte der auf die Stufen der Treppe lag: "Ruhm und Ehre den dreitausend / deutschen Antifaschisten, / gefallen 1936-1939 im Freiheitskampf / des spanischen Volkes. / Sie kämpften in den Reihen der / glorreichen Internationalen Brigaden / gegen den spanischen, deutschen / und italienischen Faschismus, / für die Befreiung unserer Heimat / vom faschistischen Joch. / Ihr Kampf, beseelt von den großen Ideen / des proletarischen Internationalismus / und wahren Patriotismus, / bleibt unvergängliches Vorbild / der Jugend unseres sozialistischen Vaterlandes." Cremers "anachronistische", mit einem Schwert bewaffnete Figur solle, so der Künstler, "die Bereitschaft beim Betrachter" wecken, selbst zu kämpfen, nicht ihm Kampf vorzuführen." (Zitiert nach Schmidt 1972, S. 71) (Marc Wellmann). Stefanie Endlich (2007) weist darauf hin, dass die Figur zudem die Züge des Schauspielers und ehemaligen Spanienkämpfers Ernst Busch (1900-1980) trägt. Vielfach wurde in der Literatur auch auf die Verwandtschaft der Figur mit Arbeiten Ernst Barlachs hingewiesen, insbesondere mit Barlachs „Der Rächer“, der 1914 kurz nach Kriegsbeginn entstanden war und der in seiner Dynamik und der diagonalen Komposition Ähnlichkeiten zur Figur Cremers aufweist. Ernst Barlach galt neben Käthe Kollwitz in der frühen DDR-Zeit als künstlerische Leitfigur, eine Rolle, die nach der 1951 in der „Formalismus-Debatte“ von der SED-Regierung formulierten Vorgabe in der Bildhauerkunst unterbunden werden sollte. Die Akademie der Künste versuchte sich gegen diese Vorgabe zu wehren. Das Denkmal in Friedrichshain wurde am 07. September 1968 eingeweiht, anwesend waren das Diplomatische Korps, 300 ehemalige deutsche Spanienkämpfer sowie Interbrigadisten aus 15 europäischen Ländern. Die Zahl der Kundgebungs-Teilnehmer wird mit 12.000 angegeben. Im Erläuterungsbericht der Bauakte (Vgl. Denkmaltopografie, 1996) wurde die unmittelbare Lage an der Straße damit begründet, dass „unmittelbare Kontakte zu den Menschen im angrenzenden neuen Wohngebiet“ herzustellen waren. In den Jahren nach der Aufstellung wurden größere Aufmärsche hier veranstaltetet, z. B. von Veteranen und von Schülern. Es fanden Eröffnungen und Abschlussfeiern von Jugendsportwettkämpfen hier statt, denn den jungen Sportlern sollte ein „direktes Vorbild körperlichen Einsatzes“ vor Augen gestellt werden (Erläuterungsbericht der Bauakte). 1992 wurde ein Sprengstoffanschlag auf das Monument verübt, gefolgt von einer Wiederherstellung. Die Inschriftentafel vor dem Spanierkämpfer ist nach 1993 ausgetauscht worden. Die von der Senatsverwaltung für kulturelle Angelegenheiten eingesetzte „Kommission zum Umgang mit den politischen Denkmälern der Nachkriegszeit im ehemaligen Ost-Berlin“ bewertete 1993 die Arbeit Cremers und die Ergänzungen Krepps sowie die Schrifttafel als „qualitätvolle Arbeit“, die „das historische Geschehen weniger heroisiert als vielmehr in seiner ganzen Tragik vermittelt“. Ein ähnlich bemerkenswertes Denkmal für Spanienkämpfer gäbe es nicht. Allerdings läge die ursprüngliche Tafelinschrift, die die Spanienkämpfer als „ (…) Vorbild der Jugend unseres sozialistischen Vaterlandes“ verklärt, im Bereich der Geschichtsfälschung. Es wird auch verschwiegen, dass zahlreiche Kommunisten vom NKWD als so genannte „Trotzkisten“ umgebracht worden sind. Die Empfehlung der Kommission sah die Erhaltung des Denkmals wegen seines künstlerischen und historischen Ranges vor, die Texttafel sei entweder zu entfernen oder durch einen kommentierenden Hinweis zu ergänzen (Susanne Kähler).
Maße
BronzetafelHöhe2.5 m
Breite4 m
BronzefigurHöhe6 m
Verwendete Materialien
SockelMuschelkalk
PlastikBronze
Technik
Sockelbehauen
geglättet
Reliefgegossen
Plastikgegossen
Inschriften
Tafel (gegossen, eingelassen)
vor der Figur des Spanienkämpfers
Gedenkstätte der deutschen Interbrigadisten Spanien 1936-1939
ZustandZeitpunkt
Sockelrissig2010
alt geflickt, nach 19922010
beschmiert, Reste nach Reinigung noch sichtbar2010
Vollständigkeit
unvollständigRelief abgebaut, Tafel ausgetauscht

  Nachweise

  • Glabau, Leonie: Gartendenkmale in Berlin : Nachkriegszeit bis Ende der Sechziger Jahre, Petersberg, Kr Fulda, 2018, S. 252.
  • Bezirksamt Pankow von Berlin: Natur entdecken in Berlin-Pankow, Prenzlauer Berg, Weißensee, Berlin, 2017, S. 165.
  • Lesser, Katrin: Gartendenkmale in Berlin, Parkanlagen und Stadtplätze , 2013, S. 114-115.
  • Endlich, Stefanie: Wege zur Erinnerung, Gedenkstätten und -orte für die Opfer des Nationalsozialismus, Berlin, 2007, S. 125.
  • Chod, Kathrin: Bezirkslexikon Friedrichshain-Kreuzberg, 2003, S. 341.
  • Klother, Eva-Maria: Denkmalplastik nach 1945 bis 1989 in Ost- und Westberlin, 1998, S. 73-76.
  • Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Berlin, Bezirk Friedrichshain, Berlin, 1996, S. 100-101.
  • .
  • Reclams Kunstführer Berlin, Stuttgart, 1991, S. 119-120. Ausgabe 1977
  • Endlich, Stefanie: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin, 1990, S. 232.
  • Scharf, Helmut: Kleine Kunstgeschichte des deutschen Denkmals, Darmstadt, 1984, S. 329-330. Abb. Tafel 187
  • Eickenjäger, Karl-G.: Berlin-Friedrichshain. Baudenkmale, Gedenkstätten, Plastiken im Stadtbezirk, Berlin, 1979, S. 71-73.

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