Brunnen der Generationen

Brunnen der Generationen

Brunnen Lebensalter
Foto: Susanne Kähler, 2008, CC-BY-4.0

„Ein ovaler Pilz, umgeben von 12 (es sind 14, Jörg Kuhn) Plastiken, steht in einem Becken, das nur unscharf zum Umfeld abgegrenzt und mit rohbehauenen oder natürlichen Steinen ausgelegt ist. Das Wasser tritt an der Spitze des Pilzes als kleine Fontäne aus, fällt schleierförmig über die Ränder der Deckschale und setzt die einzelnen Figuren zueinander in Beziehung: der ‚Berliner Fenstergucker’, der die Passanten in Richtung U-Bahnhof mustert, einen liegenden Jüngling, ein sitzendes und ein liegendes Mädchen, eine hinter dem Wasserschleier fast verborgene alte Frau, eine sitzende Frau und eine Puttengruppe mit Windspiel, als humorvolle Anspielung auf den Neptunbrunnen (gemeint ist der Schlossbrunnen von Reinhold Begas, 1891, JKuhn) und der (1826, JKuhn) von (Johann Gottfried, JKuhn) Schadow gestalteten Hunde Friedrichs II.“ (Zitiert nach: Internetauftritt www.stadtentwicklung.berlin.de/bauen/brunnen/de/tem_sch/11; Ergänzungen durch Jörg Kuhn).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Grzimek, WaldemarKünstler_In1984-1985
Bonk, HartmutKünstler_In
Franck, FeeKünstler_In
Höpfner, ChristianKünstler_In
Schuster, WolfgangArchitekt_In
Platzgestaltung in Absprache mit Prof. Günther Grzimek, dem Bruder des Bildhauers Waldemar Grzimek
Datierungshinweise
Einweihung am 12.07.1985
Objektgeschichte
Realisiert nach einem begrenzter Wettbewerb vom Berliner Senat 1980/1981. Ausgeführt zusammen mit dem Architekten Wolfgang Schuster, nach dem Tod Grzimeks (am 26. Mai 1984) durch dessen langjährigen Darmstädter Assistenten Christian Höpfner vollendet. Auf der Nordseite der Platzes ein weiterer Brunnen nach Entwürfen Grzimeks, jedoch ohne Figurenschmuck. 1980/1981 wurde vom Land Berlin, Senator für Bau- und Wohnungswesen, ein eingeschränkter Wettbewerb zu zwei Brunnen für den wiederherzustellenden Wittenbergplatz ausgelobt. Eingeladen waren acht Künstler, nämlich: Waldemar Grzimek, Berlin; Ansgar Nierhoff, Köln; Paul Pfarr, Berlin; Emil Cimiotti, Braunschweig; Michael Schoenholtz, Berlin; Peter de Longueville mit Barna von Sartory, Berlin; Rolf Szymanski, Berlin; Klaus Noculak mit Auke Schuurmans, Berlin. „Das 14-köpfige Preisgericht unter Vorsitz von Siegfried Salzmann schied nach Diskussion der Aspekte Platzraum, Proportion, Wassertechnik, Denkmalschutz eine Spitzengruppe mit Grzimek, Nierhoff, Pfarr, Cimiotto und Szymanski aus. (…) Die Jury sprach sich eindeutig dafür aus, beide Brunnen von einem Künstler ausführen zu lassen. Im 2. Durchgang ging es um die Funktion der Brunnen als Ordnungselemente auf dem Platz, ihre Erscheinung ohne Wasser und den Maßstab zum U-Bahnhof. Schließlich spitzte sich die Entscheidung auf Grzimek und Nierhoff zu. Grzimeks Entwurf wurde mit 9:5 Stimmen zur Ausführung empfohlen“ („Neptuns Reich an der Spree. Berliner Brunnen von Begas bis Bonk 1886-1986“, Berlin 1986, S. 75). Die BPU zum Umbau des Wittenbergplatzes wurde am 27. Mai 1982 fertig gestellt. Geplant wurden zwei Brunnen, nach ihren Standorten auf den beiden Platzhälften „Nordbrunnen“ und „Südbrunnen“ genannt. Die Konzeption und der Grundentwurf zu beiden Brunnen stammen von Grzimek. Der Nordbrunnen wurde zuerst fertig gestellt und mit dem Wittenbergplatz am 10. April 1985 eingeweiht. Der Südbrunnen, ungleich größer und auch viel aufwändiger gestaltet, folgte erst später. Der Architekt Wolfgang Schuster legte am 21. August 1984 den mit Bruder des Bildhauers Prof. Günter Grzimek abgestimmten Entwurf für die Umfeldgestaltung des südlichen Brunnens vor. Der Entwurf sah eine Befestigung mit verschiedenfarbigen Mosaiksteinen vor. Die dadurch gestaltete Fläche beträgt rund 615 Quadratmeter. An die Ecken der Platzfläche wurden Granitblöcke gesetzt. Als der Bildhauer Waldemar Grzimek während des Entstehungsprozesses von Platz und Brunnen starb, musste auf drei Figuren Grzimeks, die noch nicht angelegt waren, verzichtet werden. An ihre Stelle traten die Werke anderer Bildhauer. Christian Höpfner schuf gemeinsam mit Hartmut Bonk das sitzende Paar und den stehenden Jüngling. Von Fee Franck stammen die beiden ungegenständlichen Plastiken, die die Frontseite des Brunnens links und rechts begrenzen und allegorisch für das weibliche und das männliche Prinzip stehen. Bei der Einweihung am Freitag, den 12.7.1985 sprachen der Bezirksbürgermeister Erik Jakesch, der Kunsthistoriker, Museumsdirektor und Freund Waldemar Grzimeks, Prof. Dr. Peter H. Bloch (1925-1994) sowie der Landschaftsarchitekt und Bruder des verstorbenen Bildhauers, Prof. Günter Grzimek. Die Kosten betrugen knapp 2 Millionen D-Mark (Jörg Kuhn).
Verwendete Materialien
FigurenBronze
SchaleStahl, mit Kupferüberzug
KernBeton
VerkleidungGranit
BodenErgussgestein
Technik
Figurengegossen
Kerngegossen
Verkleidungbehauen
poliert
Schalegeschmiedet, elektrolytisch verkupfert
ZustandZeitpunkt
gesamtverschmutzt, Zustand 20082008
verkalkt2008
korrodiert2008
Vollständigkeit
unvollendetTod W. Grzimek 1984

  Nachweise

  • Messer, Elke: Neptuns Reich an der Spree: Berliner Brunnen von Begas bis Bonk, Berlin, 1986, S. 75-82.
  • Dickel, Hans: Kunst in der Stadt : Skulpturen in Berlin 1980 - 2000, S. 13. Im Zusammenhang mit einer vernichtenden Kritik der westberliner "Behördenkunst"

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