Kriegerdenkmal Kaiser Alexander Garde Grenadier Regiment Nr. 1 und 23. Infanterie-Division Nr. 1 Berlin-Brandenburg

Kriegerdenkmal Kaiser Alexander Garde Grenadier Regiment Nr. 1 und 23. Infanterie-Division Nr. 1 Berlin-Brandenburg

Foto: Susanne Kähler, 2012, CC-BY-4.0

Auf einer einstufigen, rechteckigen Standfläche liegt die Sockelplatte aus Beton. Auf der zur Front hin der Form des Figurensockels angepassten Sockelplatte steht mit deutlichem Rücksprung der Figurensockel aus verputztem Naturstein. Die Sockelseiten tragen in länglich vertieften Spiegeln Inschriften aus dunklen Buchstaben auf weißem Grund. Auf der leicht vorkragenden Deckplatte des Sockels ruht die Plinthe der Figur auf. Ihre Oberfläche zeigt eine abstrahierte Terraingestaltung. Die schlaff herabhängende Fahne aufrecht haltend, ist die als Bronzefigur gegossene Gestalt des Fahnenjunkers Eberhard von der Recke von der Horst ins Knie gesunken, das Gesicht zur Spitze der Stange der Regimentsfahne gerichtet. Der Kopf ist unbedeckt. Beide Hände umfassen in Brusthöhe der Figur die Fahnenstange. Die Plastik ist an der Plinthe bezeichnet (Jörg Kuhn, Susanne Kähler).

  Werkdaten

SchaffendeDatierung
Kluge, KurtBildhauer_In1927
Datierungshinweise
Ersteinweihung im Oktober 1927; 1938 nach Ruhleben versetzt; Wiedereinweihung nach der Wiederaufstellung und Überarbeitung am 22.9.1957
Objektgeschichte
Am 15. oder 16.10.1927 wurde nach offenbar heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem Auftraggeber (III. Bataillons Infanterie Regiment Nr. 67) und den Behörden das Erinnerungsmonument des ehemaligen Kaiser-Alexander Garde-Grenadier-Regiments Nr. 1 durch Graf Finck von Finckenstein feierlich „in der Nähe des Rondells vor dem Eingangsgebäude von 1861 enthüllt“ (Schütze, 1986, S. 152). Der Auftraggeber, in der Festschrift zur Wiederaufstellung von 1957 kurz als die „Alexander“ bezeichnet, wollte das Monument auf dem Alexanderplatz errichten lassen, was ihnen behördlicherseits verwehrt wurde. Die Aufstellung auf dem Friedhof war in den Augen des Auftraggebers offenbar eine Notlösung. Auch war wohl an eine heroischere Figur gedacht und auch in verschiedenen Modellen zur Genehmigung vorgestellt worden. Die Behörden bestanden jedoch zum Vorteil der künstlerischen und inhaltlichen Glaubwürdigkeit auf ein zurückhaltendes, den Gefallenen gewidmetes Gedenkmal. Der renommierte Bildhauer und Schriftsteller Kurt Kluge erhielt den Auftrag zur Gestaltung vermutlich ohne einen Wettbewerb in Direktvergabe durch den Auftraggeber. Er wählte eine durch Abstraktion geglättete, realistisch gestaltete Figur. Diese stellt „den am 8.9.1914 in der 1. Marneschlacht bei Fère Campenoise gefallenen Fahnenjunker Eberhard Freiherr von der Recke von der Horst dar, wie er tödlich getroffen an der Fahne zusammensinkt“ (Schütze, 1986, S. 152). Kluge war mit Eberhard Freiherr von der Recke von der Horst befreundet gewesen. 1938 wurde das Denkmal abgebaut und später auf den Hof der Kaserne des III. Bataillons Infanterie Regiments Nr. 67 in Ruhleben verbracht. Nach 1945 wurde die Kaserne als Kinderheim genutzt und das unbeschädigte Monument durch Birkenbüsche zugepflanzt. Die Angehörigen der in der Tradition des Alexander Garde-Grenadier Regiments Nr. 1 stehenden Verbände betrieben seit 1956 die Wiederaufstellung des Denkmals auf dem damaligen (ehemals „Neuen“, dann „Alten“) Garnisonfriedhof am Columbiadamm 122, dem heutigen Friedhof Columbiadamm. „Bei der Umsetzung wurden auch zusätzliche Inschriften am Sockel eingemeißelt, die an die Gefallenen der Traditionsregimenter erinnern“ (Schütze, 1986, S. 152). Es wurden offenbar in dieser Zeit auch die wohl aus Messing gearbeiteten Symbole (Grenadier-Köpfe des 18. Jahrhunderts) und eine bronzene Inschriftentafel in den Stein eingelassen. Die Wiedereinweihung am nun dritten Aufstellungsort erfolgte am 22.9.1957. Ende der 1970er oder zu Beginn der 1980er Jahre wurde der angewitterte Sockel verputzt und angestrichen (Jörg Kuhn, Susanne Kähler).
Verwendete Materialien
FigurBronze
SockelNaturstein
Beton
Putz
Messing
Farbe
Technik
Figurgegossen
patiniert
montiert
Sockelzusammen gefügt
gemeißelt
gefasst
Zeichenappliziert
Inschriften
Inschrift (gemeißelt)
am Sockel vorne
DAS KAISER ALEXANDER / GARDE GRENADIER REG Nr. 1 / SEINEN IM WELTKRIEG / 1914-1918. / TAPFER UND UNBESIEGT / MIT GOTT / FÜR KÖNIG UND VATERLAND / GEFALLENEN KAMARADEN / 1939-1945 / UNSERN VÄTERN, SÖHNEN / ENKELN UND ERBEN
Inschrift
am Sockel, linke Seite
IHREN IM 2. WELTKRIEG / GEBLIEBENEN KAMERADEN / ZUM EHRENDEN GEDENKEN / DIE 23. / BERLIN-BRANDENBURGISCHE / INFANTERIE-DIVISION
Inschrift (eingemeißelt)
am Sockel, rechte Seite
1939 – 1945 / SEINEN IM 2. WELTKRIEG / GEBLIEBENEN KAMERADEN / ZUM EHRENDEN GEDENKEN / die 76. BERLIN-BRANDENBURGISCHE INF. DIVISION
Inschrift (gemeißelt)
am Sockel, Rückseite
1942-1945 / IHREN IM 2. WELTKRIEG GEBLIEBENEN KAMAERADEN / die 26. PANZERDIVISION / DER GEIST DER GARRDE, / DER IN DEN DIVISIONEN LEBTE, / BLEIBT IM WECHSEL UND WANDEL UNSTERBLICH. / LEBE BESTAENDIG – KEIN UNGLUECK EWIGK / STAMM RGT. HILLEBRAND
Bezeichnung (gegossen)
an der Plinthe
KLUGE / 1927
ZustandZeitpunkt
gesamtverschmutzt2012
gesamtverwahrlost2012
Bronzekorrodiert2012
Sockelbiogener Bewuchs2012
Fassungabgeblättert2012
Vollständigkeit
vollständig

  Nachweise

  • Schütze, Karl-Robert: Von den Befreiungskriegen bis zum Ende der Wehrmacht. Der Garnisonfriedhof, Berlin, 1986.
  • Beck, Arndt: Die beerdigte Nation - "Gefallenen"-Gedenken von 1813 bis heute, Berlin, 2009.
  • Lesser, Katrin: Gartendenkmale in Berlin: Friedhöfe, Petersberg, 2008, S. 174.
  • Wackernagel, Martin: Der Bildhauer Kurt Kluge, Berlin, 1930, S. 7. Tafel 14
  • Mallebrein, Wolfram: Deutsche National-Denkmale, München, 1995, S. 86.

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